Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 20 (1.6.1882)
- Date
- 1882-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 zu dem noch jungen Verein halten, ohne persönlichen Ehrgeiz, ohne Sonderinteressen, unbeirrt'durch die Bestrebungen unserer Feinde, der Maschehisnn. Es ist nothwendig, ja von höchster Wichtigkeit und ich kann es nicht genug betonen, daß nur Friede und Eintracht unser Werk zu festigen vermag. Ich trage die vollste Ueberzeugung in mir, daß dieses Unternehmen delingen wird, gelingen muß. Freilich müssen wir auch Geduld haben, denn mit einem Male läßt sich solch' großes, erhabenes Werk, soll es sest und dauerhaft sein, nicht schaffen. Ich glaube auch, bin sogar der festen Ueberzeugung, daß die hochherzigen Gemeinden sich gewiß auch an unserem Werke der Humanität betheiligen werden, — daß sie es auch gewiß unterstützen werden. Doch ich will zur Sache kommen, die Zeit ist kurz und wir haben noch gar Vieles zu berathen. Ich, der alte Sulz er, ich verspreche es Euch, meine Herren, ich will nach Möglichkeit meine Kräfte dem Vereine widmen, doch ich bin heute schon alt, darum, habt Ihr mich auch zum Ehrenpräses ernannt; nun, ich will auch diese Ehrenstelle annehmen, doch eine jüngere Kraft muß ich Ihnen Vorschlägen, die bis jetzt mit Leib und Seele für den Verein eingestanden und sich mit Herrn Bauer und den übrigen Herren gar wacker abgemüht, um das Werk zu Stande zu bringen, zu dessen Vollendung wir Heute zusammen gekommen. Sie werden es ja ohnehin wissen, meine Herren, wen ich meine, — es ist dieser kleine Mann neben mir, mein einziger und würdigster Nachfolger im Cantorate, Goldstein, der Cantor mit seiner wunderbaren Stimme, — Goldstein, der ausgezeichnete Componist, der gottbegnadete Sänger, der durch seinen weihevollen, herrlichen Gesang Tausende zur Andacht stimmt — er sei mein Nachfolger, denn kein Zweiter wie er hat größeres, heiligeres Anrecht hierauf! (Bravo, bravo.) Ich bin fertig, meine Herren und Herr Präses Goldstein wird von nun an den Vorsitz führen. Nun ergreift Herr Präses I. Goldstein das Worl: Meine hochverehrten Herren Collegen! Nachdem mir die besondere Ehre zu Theil wurde, Ihnen, meine werthen Herren Collegen, den Standpunkt und den Zweck dieses Vereines klar zu machen, will ich es vorerst versuchen, durch die Anführung einiger aus älterer Zeit stammender Beispiele meine Absichten durch selbe zu behaupten. Leiten wir ein wenig einen Rückblick auf die einstmals bestandenen Verhältnisse der Chasonim und wir müssen mit Beschämung der Zeit gedenken, welch' trostloser Zustand sowohl im Gottesdienste als auch in der Existenz jedes Einzelnen herrschte. Bezüglich des Gottesdienstes finden sich wohl noch ältere Cantoren in unserer Mitte, welche mir bestätigen werden, daß hauptsächlich in der Abhaltung desselben keine Regelung, keine Ordnung, keine.Weihe, wie auch keine Andacht sich vorfand; als bester Beweis dient uns, daß der Chasan mit seinen N686K0rerim dem Gottesdienste die größte Weihe zu verleihen dachte, wenn er entweder profane Melodien aus Opern oder einige abgelauschte Melodien vorbeiziehender Musikanten in wilder, ungeordneter Weise aus Mangel einer geregelten Schule zum Vortrag bringen mußte. Bezüglich der Existenz finden wir im Vergleiche dasselbe zerrüttete Verhältniß. Viele der Chasonim gingen mit ihren N68ebor6rin1 auf Reisen, gleich wandernden Musikanten, um so ihren Lebensunterhalt nothdürftig zu fristen, wogegen Andere, die in ihren Gemeinden Angestellten, niemals zu dem Ansehen und der gebührenden Achtung gelangen konnten, welche ihre Stellungen eigentlich bedingten. Inmitten dieses Chaos tauchte ein Mann gleich einem Messias auf, welcher die hier angeführten Mängel gänzlich beseitigte, indem er durch die Gründung eines geregelten Gottesdienstes Weihe, Ordnung und Andacht schuf, die so bald Verbreitung und Eingang in allen Welttheilen in unerreichbarer Weise gefunden hat. Dieser in jeder Hinsicht vollkommene und hochachtbare Meister Sulzer wußte sich die seinem Stande in allen Ehren gebührende Achtung zu erringen, welche seiner Stellung und seinem Amte zur höchsten Zierde gereicht. Um eben an das Gelingen und den Zweck unseres neuen Vereines zu gelangen, ist es erforderlich, daß wir Hand in Hand, in brüderlicher Eintracht, mit vereinten Kräften bestrebt sind, den Cantorenstand zu heben, Alle für Einen einstehen, auf daß jeder Cantor in seiner Gemeinde zu der Achtung und dem Ansehen gelange, wie ihm durch das weise Vorbild Sulzer's gezeigt worden. Hinsichtlich der Unterstützung armer oder durch Unglück getroffener Cantoren, deren bedauerliches Los nach aufopfernder, dem moralischen Gemeindewohle gewidmeter Thätigkeit genügend bekannt ist, deren Witwen und Waisen, findet sich Alles in den Statuten des Vereines genau verzeichnet und hoffen wir durch eine zahlreiche Betheiligung und energisches Fortschreiten in die angenehme Lage zu kommen, jedem Hilfsbedürftigen in geeignetster Weise beizustehen. Zu einem der wichtigsten Punkte gelangend, habe ich leider seit einiger Zeit die Bemerkung gemacht, daß sich in den früher erwähnten Sulzer'schen Ritus fremde Elemente ein-, schleichen, und zwar sind es solche, durch welche die Art und Weise von jener unseres Meisters Sulzer in dem Punkte, als durch die Einführung schlechter, dem Gottesdienste nicht geeigneter Compositionen und Recitative mir selber bedrohlich scheint, rückfällig zu werden. Um eben diesem um sich greifenden Uebel noch rechtzeitig zu begegnen und die hiedurch entstehenden nachtheiligen Folgen womöglich abzuwenden, finde ich es unumgänglich nöthig, durch die Gründung einer Cantorenschule den Sulzer'schen Ritus für die Zukunft noch auf selber Stufe zu erhalten und durch die Fortpflanzung und fernerem Bestehen desselben einen Theil des Ruhmes, welchen der bewährte Altmeister hierdurch sich erworben, auch für uns beanspruchen zu können, mit Stolz unserer Nachwelt die Worte zurufend: Was wir sind und werden, sind pir durch ihn geworden! Ein unbeschreibliches Gefühl des Stolzes und der Genugthuung erfüllte mein ganzes Sein, als mir die Ehre zu Theil wurde, von den Gründern und den hierbei als Mitgründer nach besten Kräften thätig gewesenen, opferwilligen und pflichtgetreuen Redacteuren unserer ״Cantoren-Zeitung" als provisorischer Präses eines von so erhabenem Ziele beseelten Vereines gewählt zu werden. Mit ruhigem Gewissen kann ich hier in Gegenwart meiner hochgeehrten Herren Collegen der Versicherung Raum geben, daß ich mit bestem Wissen und Können bemüht war, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und hieran knüpfe ich das heilige Versprechen, daß, sollte der definitive Vertrauensposten mir