Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 20 (1.6.1882)
- Date
- 1882-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lich drängte sich uns der Gedanke auf: Wo so viele Männer mit ernstem Wollen sich zusammenfinden in Liebe, Ein- Lrach't und Frieden, dort kann es nimmer an dem Gedeihen fehlen und das schwache Reisig, das wir heute mit sorgender Hand der Mutter Erde anvertraut, es wird gar bald mächtige Wurzel gefaßt haben, als stolzer Baum gegen Himmel emporragen und seine Zweige nach allen Weltgegenden unserer schönen, großen Monarchie ausbreiten und fegenspendend wirken. Wir hegen die feste Ueberzeugung, diese drei Tage des Verbrüderungsfestes, sie sind ein fester, unzerstörbarer Kitt für unseren Verein und mit freudigem Stolz werden wir uns auch in spätesten Tagen daran zurückerinnern. Ein einziger weher Augenblick war es uns, als wir all' die Collegen und Freunde, die uns in den wenigen Tagen des Zusammenseins so lieb und Werth geworden, nach vollbrachter schwieriger Arbeit von Wien wieder scheiden sahen. Wir lassen nun einen ausführlichen Bericht über den Cantorentag folgen: Vorbesprechung. Unter dem Vorsitze des Ehrenpräses Professor Sulz er und Präses I. Goldstein eröffnete der Gründer des ״österr.-ung ar. Cantorenvereines", ObercantorJacob Bauer, Montag den 29. v. M. eine Vorberathung in Bley's Restauration im k. k. Prater durch eine warme, -herzliche Anspräche an die zahlreich anwesenden Mitglieder des Vereines aus allen Theilen der Monarchie. College Holzer aus G.-Jenikau, Generalredner der böhmischen Cantoren, eine mit wunderbarem Rednertalente ausgestattete Persönlichkeit, brachte in wahrhaft herzergreifender, packender Rede einen Toast auf das Vorbild aller Cantoren — den greisen Nestor Sulz er — aus, einen zweiten Toast auf das Blühen und Gedeihen unseres Vereines und einen dritten Toast auf die abwesenden Collegen, denen es ihre precäre Stelle, ja sogar ihr tiefes Elend, ihre bittere Noth nicht gestatten, in unserer Mitte zu erscheinen, wenngleich sie mit warmem, fühlendem Herzen jederzeit für die heilige Sache einzustehen bereit wären. College R o t t e r aus T u r n a u toastirte auf die abwesenden Frauen und dann folgten noch so viele Toaste, daß wir es thatsächlich aufgeben mußten, sie alle zu verzeichnen. Sie waren alle herzlich, innig und Alle, die sich am Cantorentage betheiligten, brachten ein warmfühlendes Herz mit, das in Liebe und Freundschaft den Collegen herzlich und innig entgegenschlug. Feierlich und erhaben war der Moment, als Professor Sulz er, auf Wunsch der ganzen Versammlung, das Minchagebet anstimmte. Tief ergriffen lauschten Alle dem Vortrage des Altmeisters, der wieder einmal zeigte, daß er es wie kein Zweiter versteht, seine Zuhörer zur höchsten Andacht zu leiten. Sein Gebet kam vom Herzen und ging zu Herzen. Hierauf trug Obercantor Gold stein in seiner unübertrefflichen Weise das Maariwgebet vor. Nach vollendetem Gebete ging es dann an die Vorberathungen zur Generalversammlung, welche bis 1/21 Uhr Nachts dauerten. * * Des anderen Tages versammelten sich Vormittags die Collegen, um laut Programm das Panorama zu besuchen, in welchem sich zur selben Zeit Se. Majestät der Kaiser befand. Generalversammlung. Nachmittags um 3 Uhr fand im L6t-t13.-Niära86b der israelitischen Cultusgemeinde, welches Local in äußerst liebenswürdiger Weise vom Vorstande des L6t-ba-Niära8eb, Herrn Prediger Dr. Jellinek, dem Vereine zur Verfügung gestellt wurde und für welche große Bereitwilligkeit, ihm die Versammlung den Dank votirte, die Eröffnung der Generalversammlung unter dem Vorsitze des Ehrenpräses Prof. Sulzer und Präses I. Gold st ein, im Beisein des Regierungsvertreters Herrn Commissär Soyka und folgender Collegen statt: A. Adler, Ung,-Hrädisch. L. Ausspitz, Horitz. I. Bauer, Wien. M.'-Blatt, Wien. W. Brod, Prag. Baßl, Wien. Bernfeld, Preßburg. I. Duldner, Szentes, Eisenberger, Eisenstadt. A. Freisinger,^ Pilsen. Fleck, Wien. Frankel, .Strakonitz. Fischer, Wien. H. Goldstein, Fünfhaus. Grünwald, Wiem I. Grünstein, Waag-Bistritz. Goldstein, Ung.-Ostäu. Grünberger, Prerau. H. Goldstein, Reichenberg. Goldenstem, Wien. Holzer, G.- Jenikau, Hirsch, Wien. I. Herz, Prerau. Jwanowsky, Waag- ׳Bistritz. A. Kulka, Wien. Kohn, Lundenburg, M. Kraus, Planian. A. Kornitzet, Tapolcza. I. Kandl, Freistadl. Löw, Floridsdorf. Löwinger, Priwitz. Löwit, Wien. Lazarus, M.- Ostrau. Lippa, Wien. Lamm, Pohrlitz. S. Moor, Prag. S. Meißl, Gänserndorf, Meier, Wien. I. Neumann, St. Pölten. Neumann, Hollabrunn. Papo, Wien. Petersilka, Wien. D. . Rubin, Prag. M. Preßburger, Koritschan. A. Rotier, Turnau. M. Rosenfeld, Pisek. Rotier, Wien. H. Rosner, Herm. Mestez. Rosenfeld, Ungerreiden. I. Stransky, Prag. I. Singer, Wien. Schönfeld, Ragendorf. Schwalb, Stampfen. I. Steiner, Gr.-Meseritsch. Schönfeld, Tyrnau. S. Streicher, M. St. Johann. Schäffer, Simmering? S. Singer, Wien. Schlesinger, Hernals. M. Salzer, Tulln. Schwarzblatt, Pullitz. M. Wallerstein, Prag. I. Wertesheim, Stockerau. I. Weiß, Tobitschau. S. Weis, Ung.-Brod. Zempliner, Wien. Ehrenpräses Sulzer richtet folgende herzliche Ansprache an die Versammelten: Meine lieben Kinder! Als Ehrenpräses des österr.-ungar. Cantorenvereines liegt es mir ob, Sie zu begrüßen und Ihnen den Dank auszusprechen für alle Mühe, die Sie sich genommen und daß Sie so zahlreich erschienen und ich danke Ihnen auch hiefür recht warm, recht herzlich. Zuvor halte ich es, ehe wir weiter gehen, für meine Pflicht, den heutigen, für alle Cantoren unserer schönen Monarchie glorreichen Tag zu vergleichen mit jener Zeit vor 60 Jahren, als ich zum ersten Male zum Tische des Herrn trat. Damals, meine Herren, damals war eine solche Zusammenkunft wie die heutige ein Ding der Unmöglichkeit, damals waren noch gar traurige, düstere Zeiten. Heute aber ist es ein Anderes. Heute leben wir in einer glücklichen Zeit, heute leben wir in einem Staate, in welch em der allgeliebte Monarch Kaiser Franz Josef I. sein mildes Scepter führt, heute ist es ein Anderes und darum vor Allem, meine Herren, bringen wir ein dreimalig donnerndesHoch unserem gütigen Herrn und Kaiser Franz Josef I. — Er lebe hoch! (dreimalig donnerndes Hoch der Versammlung). So, meine Kinder, diese Pflicht haben wir erfüllt, wir waren es schuldig und jetzt will ich auch meinen Dank aussprechen den Nahen und Fernen und dann wollen wir gemeinschaftlich berathen, beschließen, — männlich und fest