Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 18 (15.5.1882)
- Date
- 1882-05-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Neuem zu prüfen, zu ändern, umzugestalten oder ganz zu derwerfen, hat den Mangel, daß das Erscheinen meiner Partituren verzögert wird; andererseits glaube ich durch diese Strenge gegen mich zu verhüten, daß — insoweit es menschlichem Schaffen gegönnt ist — Unfertiges nicht den Markt belastet und die Cantoren belästigt. Die Verbesserungen und Veränderungenin dieser Auflage werden dem Werke von Nutzen, die Erweiterung der Recitative, in Verbindung mit leicht ausführbaren, zweistimmigen, melodischen Chören, manchem Cantor eine willkommene Gabe sein. Mit dem freundlichen Hinweis auf das erste Vorwort, spreche ich nochmals die Bitte aus: den Tempi und Vortragszeichen. ganz besonders in den Recitativen. große Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen." Kleine GHronik. Goltsch Jenikau. Am 27. April war ein Vierteljahrhundert verstoffen, seitdem unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Zacharias Spitz in den Dienst des heil. Amtes in unserer Gemeinde trat. Aus diesem Grunde wurde dem Jubilar Mittwoch den 26. April eine solenne Feier im Gottes- Hause veranstaltet. An diesem Vorabende versammelte sich der Cultus- Vorstand und die Vorsteher der Vereine um 1/6״ Uhr Abends im Prüsungssaale des Schulgebäudes und begab stch von hier aus in die Wohnung des Jubilars, wo ihm der wackere Cultusvvrsteher Herr I. Schulhof ein sinniges Ehrengeschenk nebst einer Adresse überreichte und eine herzliche Ansprache hielt. Bald daraus erschien der Lehrkörper, dessen Wünschen Herr Lehrer Kantor Worte lieh; später hielten noch zwei Schüler im Namen aller Schüler kurze Ansprachen, welche von dem tiefbewegten Jubilar auf's Herzlichste erwidert wurden. Kein Auge blieb trocken. Dann wurde der Jubilar in das mit Blumen reich geschmückte, mit Zuhörern überfüllte Gotteshaus geführt, wo Mädchen, Blumen streuend, ihn zu seinem Sitze geleiteten. — Im Gotteshause wurde bei seinem Eintritte eine Jubelhymne von D. Rubin abgesung-'n, hieraus 21211 roivu. Mineha. Sodann recitirte Herr Obercantor Holzer Psalm 40 bis V. 13. — Psalm 117 — und vom Psalm 118 wurden die Verse 1, 2, 3, 4, 24 gesungen. Darauf bestieg Herr Obercantor und Bürgerschullehrer Holzer die Kanzel und hielt eine ergreifende, den Jubilar wahrhaft ehrende Festrede, welche mit einem warmen Gebete schloß. Sodann wurde׳ ein Gebet abgesungen, Männerterzettsolo und Chor, Text und Melodie von Holzer, welches auf jeden Einzelnen einen ergreifenden Eindruck übte und worüber Herr Holzer vom Vorstande beglückwünscht wurde. Nun hielt der Jubilar eine Ansprache, bei der kein Auge ttocken blieb. Mit einem innigen Gebete für seine Gem einde schloß er. Nach Absingen eines Jigdal wurde Maaribli gebetet und so sch loß dis wirklich solenne Feier würdig und ehrenvoll. — Donnerstag war die Wohnung des Gefeierten von Früh bis Abend von Gratulanten überfüllt. Briefe und Depeschen langten in Menge an. Am Abend versammelten sich, vom Jubilar geladen, der Cultusvvrstand, die Vorsteher der Vereine, der Lehrkörper und die Herren Cantoren mit den Frauen in der höchst festlich geschmückt-n Wohnung des Gefeierten, wo es bis nach Mitternacht sehr animirt herging. Auch wurden b:i dieser Gelegenheit 56 Gulden für die russischen Juden gesammelt. — Als am Samstag der Jubilar zur Thora gerufen wurde, wurde ihm ein zu diesem Zwecke von unserem nach jeder Richtung vorzüglichen Cantor Holzer verfaßter Misc-lieberaeh gemacht. 8. D. Grundsteinlegung. Mittwoch den 10. Mai. als am Jahrestage der Vermälung des Kronprinzenpaares, fand um II Uhr Vormittags in Mariahilf die Grundsteinlegung zu einem israelitischen Tempel für den VI. und VII. Bezirk nach den Plänen des Präses, Architectsn Maxim ilian Fleischer, vor einem zahlreichen Publicum statt. Man bemerkte unter Anderen die Herren Prediger Dr. I e l l i n e k und Dr. G ü d e m a n n, die Vertreter der Wiener Cultusgemeinde, Brandeis, Biach, ferner Dr. Ludwig August von Frankl, Reichsrathsabgeordneten Dr. K o p p, Dr. Vogler, Vertreter der Behörde und der Wiener Journale. —' Der Festplatz war entsprechend dieser Feier decorirt. Die Feier wurde durch eine vom Prediger Dr. Ungar gehaltene Festrede eingeleitet. Dieser folgte die Ansprache vom Obmannn des Baucomiltz's, Herrn G r o ß m a n n. Der Redner schloß mit einem dreimaligen Hoch auf das Kaiserhaus, worauf der Chor die Volkshymne sang. Alsdann wurde der eigentliche Act der Grundsteinlegung vorgenommen. Mit einem unter der Leitung des Obercantors Herrn Alois Ku lka exactdurchgeführten Choralgesang (Psalm 118) schloß die schöne Feier. I. Bauer. euiLLeton. Lehuda den Halevi. Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersetzungsrecht vcrbcbalten ) 7. Fortsetzung. ״Verzeiht, HerrAbbs," entgegnete einer der Diener, ״dieser Mann, es ist der Jude Jochai aus dem Ghetto, der dort eine Taverne hält; er will durchaus mit Seiner Heiligkeit dem Papste sprechen, es handle sich um Leben und Tod. meint er." ״Gut, tretet einstweilen ab," sagte der Abbe kurz, ״den Juden laßt hier und erst, wenn ich rufe, tretet ein." Beide waren jetzt allein, der Jude und der Christ, Vater und Sohn. ״Ich wollte Euch schützen, weiter nichts," sagte der Abb6 mit bebender Stimme, d'rum sagt mir, was Euch hierher führt und dann geht." ״Euch, Herr Abbe, kann ich es nicht sagen, dem Papst allein theile ich es mit, Niemandem sonst; es handelt sich um ein schreckliches Geheimniß und Ihr, Herr Abbs, seid Mitwisser." .,Gut denn, so geht nach Hause, der Papst will Euer Geheimniß nicht wissen." ״O! doch, mein Sohn! Warum nicht? Wer weiß, was uns dieser Mann zu sagen hat." ließ sich plötzlich eine Stimme vernehmen. Erschrocken wendete sich der Abbe um. Der Papst war durch eine Tapetenthüre in das Zimmer seines Günstlings getreten. ״Das hat Gott gefügt," rief Jochai und eilte einige Schritte dem Papst entgegen. Der Abb6 stand zwischen Beiden. Ein einziges Wort nur, wenn es ausgesprochen wurde, konnte ihn und seinen Verbündeten das Leben kosten. Dieses Wort mußte unausgesprochen bleiben, um jeden Preis. ״Ich bin hierher gekommen," begann Jochai, indem er ängstliche Blicke auf den Abbe warf, ״um ein Geheimniß zu enthüllen, ein Geheimniß, welches fürchterlicher Natur ist. Es handelt sich um Mord, um grauenhaften, schrecklichen Mord." ״Und wer sind die Mörder? Wer ihr Opfer?" fragte der Papst gespannt. Mit Gewalt riß sich der Abbö aus der ihn gefangen haltenden Betäubung. Jetzt war der entscheidende Augenblick gekommen, nur außerordentliche Kühnheit und kalte Verachtung des menschliehen Herzens konnte hier retten. ״Euer Heiligkeit," sagte der Abbe, ״dieser Mann hier ist gekommen, nicht, um ein Geheimniß zu enthüllen, um einen Mord, wie er angibt, zu verhindern — sondern —-" ״Sondern?!-״ ״Sondern, um ihn auszuführen und die geheiligte Person des Papstes sollte das Ziel sein." Sprachlos vor Ueberraschung starrte Jochai den Abb6 an. ״Ich kenne ihn, diesen Mann. Schon längere Zeit hindurch ließ ich ihn durch meine Späher beobachten, da er mir gefährlich schien und ich habe mich nicht getäuscht. Gestern, Nachts, fand in seinem Hause eine Verschwörung statt gegen das Leben Eurer Heiligkeit und gerade deshalb ist er heute hier erschienen. Ist es so?" ״Es ist so," antwortete Jochai dumpf.