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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-05-15 · Heft 18 (15.5.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 18 (15.5.1882)
Date
1882-05-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Sehr viele Menschen lernen nur durch die Nachahmung, es dient daher oft wesentlich zur Erleichterung, wenn der Lehrende dem Lernenden entweder selbst vorsingt oder richtig vorsingen läßt. Das Sprechen ist während der Stimmbildung, wenn es nicht richtig angewendet wird, störend, ja oft zerstörend. Es muß, wenn man sich nicht oft enthalten kann, zu reden, mit der Mezza v066-Stimme möglichst in der höheren Mittellage gesprochen werden. Lehrer und solche Personen, deren Berus das viele Sprechen bedingt, haben daher meist dann eine ungenügende, spröde Stimme, wenn dieselben zu viel mit der Bruststimme sprechen. (Fortsetzung folgt.) Wie soll der Gesang in der Volksschule gepflegt werden? Lvii Professor Ein. lsroag. (Fortsetzung und Schluß.) Die Lieder müssen in Ton und Wort volksmäßig sein. Man wähle nur solche Lieder aus, die ansprechend sind, leicht erlernt werden, sittlich rein und leicht behaltbar sind, so daß weder der ästhetische Geschmack, noch der sittliche Sinn verletzt werde. Die Lieder müssen anregen, beleben und erheben. Die erlernten Gesänge sollen nicht nur für die Schuljahre sein, sondern über die Schulmauern hinaus weiterklingen. Sie sollen den Schüler als werthe, fromme und frische Jugendfreunde, in Freud' und Schmerz durch das Leben begleiten; die bösen Feinde in diesem Felde, die frivolen Gassenhauer, fernhalten und verdrängen. Neben dem Liede steht der Choralgesang. Ein schön ausgeführter Choralgesang ist ein treffliches Mittel, die innere Gluth der Andacht und Erhebung des Herzens zu dem Vater droben an den Tag zu legen. Da die Erfahrung lehrt, daß nicht alle Schüler die höheren Töne mit gleicher Leichtigkeit und Reinheit, ja manche Schüler dieselben gar 'nicht zu finden vermögen, so macht sich deshalb und wo heute die großen Spiegelscheiben prangen, dort guckten die Gäste durch kleine Fenster auf die Straße hinaus. Jahre vergingen, ein neues Publicum kam, zur Hälfte Wiener Bürger, zur Hälfte Cultus- und andere Beamten. Kunst und Literatur schickten nur noch hie und da ihre Vertreter zu Weiß Happel. Der alte Lang, der wegen Augenkrankheit das Theater aufgegeben, der journalistische Burggeist der ״Grünen Insel" und noch etliche Schauspieler, Kritiker u. dgl. tauchten manchmal auf. Dann kam die Zeit, in welcher das Geschäft schlecht ging und das Publicum zu klein war, um eine bestimmte Physiognomie zu zeigen. Wer, der nicht die Geschichte dieses Locales kennt, würde heute vermuthen, daß Raimund dort seine freie Zeit einstens verbrachte? Daß Saphir hier seine besten Witze vom Stapel ließ? Der gegenwärtige Cafetier Herr Sandner und dessen Frau, welche überaus freundliche und umsichtige Leute sind, haben das Geschäft, welches bereits stark im Argen lag, wieder sehr gehoben und ist auch das Local keine Filiale eines Kunstinstitutes mehr wie ehedem, so hört man dennoch nicht nur von einem ״sechsten Fuß", sondern auch noch viel mehr von Gesang und Musik sprechen. A. Kulka. schon ein mehrstimmiger Gesang nöthig; denn die Anstrengung, mit der die höheren Töne erzwungen werden, macht den Gesang sehr unrein. Hiezu kommt noch, daß fast in jedem Menschen ein Streben nach harmonischem Gesang sich kund thut und selbst Natursänger singen nicht einstimmig, vielmehr sucht immer die eine oder die andere Stimme solche Töne auf, die zwar von der Melodie abweichen, aber dennoch mit derselben harmoniren. Denn die Harmonie unterstützt nicht nur den. Ausdruck der Melodie, sondern dient auch zum besseren Verständnis derselben. Mit Recht muß auch beim Gesangunterricht in der Volksschule von einem mehrstimmigen Gesang die Rede sein. Werden daselbst mehrstimmige Lieder geübt, so wähle man solche, in denen die einzelnen Stimmen sehr fließend und leicht ausführbar sind. Schließlich noch einige Bemerkungen für den Lehrer. Er trachte sich und seine Schüler beim Gefangunterricht immer in heiterer Stimmung zu erhalten, er halte genau Ordnung, trübe aber nicht die jugendliche Heiterkeit. Unter den möglichen Unarten der Schüler sind Trägheit, Schläfrigkeit, schleppendes Wesen am nachtheiligsten von allen und daher auch am meisten zu verhindern. Hier ist gleich von Anfang an Strenge vonnöthen. Hingegen ist Voreiligkeit und selbst ungestümes Wesen beim Singen nicht so tadetnswerth, ja dem Lehrer müssen solche Schüler, die bisweilen etwas wagen, willkommen sein. Die Singstunde darf nicht zu einer Zeit gehalten werden, wo die Stimmen rauh oder erschöpft sind, also nicht des Morgens in der ersten Stunde, nicht gleich nach dem Mittagessen, nicht nach einer Stunde, worin die Schüler viel zu sprechen gehabt haben, am besten also in den letzten Vor- oder Nachmittagsstunden oder nach einer Schreibstunde. Der Lehrer verlasse ein Lied erst dann, wenn er überzeugt ist, daß die Schüler dasselbe inne haben und verliere den Muth nicht, wenn auch im Anfänge sich viel Ungeschick bei den Schülern an den Tag legt. Die Judenverfolgung in Salta. (Orkg.-Corr. der ״N. Fr. Pr.") Ödes s a, 4. Mai. Die Befürchtungen, mit denen die jüdische Bevölkerung Südrußlands diesmal den Osterfeiertagen entgegensehen mußte, und schrecklicher, als man ahnen konnte, in Erfüllung gegangen, besonders in Balta, wo mit den Fanatismus und der Raubsucht des Pöbels die Gewissenlosigkeit und Pflichtverletzung der Behörden Hand in Hand ging. Die erste Ursache dieser erneuten Gewaltthaten ist in den Repressivmaßregeln zu suchen, welche vom Ministerium des Innern in den letzten zwei Monaten gegen die Juden in's Werk gefetzt worden sind. Den studirenßen Jüdinnen wurde verboten, höhere Lehranstalten zu besuchen. Die Apotheker wurden ihres rechtlichen Besitzes und Verdienstes beraubt und es wurde ihnen das Recht genommen, sich in der Residenz ihrem Berufe widmen zu können. Mehr als 5000 Juden wurden aus Moskau vertrieben. Juden, welche 25 Jahre lang als Soldaten gedient hatten, wurde verboten, in der Residenz Handel zu treiben. Aus Kiew wurden die Juden größtentheils vertrieben; den Juden, welche bei der Bahn angestellt sind, wurde befohlen, ihre Posten aufzugeben. Diese und noch ähnliche Maßregeln mußten im Volke die Meinung erzeugen, daß die Regierung entschlossen sei, den Juden überhaupt den Aufenthalt in Rußland unmöglich zu machen und sie dadurch aus dem Lande zu vertreiben. Man kann sich vorstellen, wie demoralisirend solche Maßregeln auf den Pöbel und die niederen Organe der Administration wirken mußten und warum diese Letztere den Ausbruch der Exceffe gegen die Juden geradezu beförderten. Dies wurde allgemein so klar und deutlich erkannt, daß sogar die conservative Presse die Handlungsweise der Re-

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