Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 18 (15.5.1882)
- Date
- 1882-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Mujilrbriefe. Von Obcrcantor Hermann Goldstein. Ueber die menschliche Stimme und deren Anwendung. ■ (Forrsetzung.) Die. neugewonnene Lage wird nun mit den anderen Lagen sorgfältig ausgeglichen. Bei Sopran- und Tenorstimmen gehe man noch einen Schritt weiter und singe vom hohen ä (Sopran vom dreigestrichenen, Tenor vom zweigestrichenen) mit ü oder mit dem früher angegebenen Worte ״Füße" nach Unten, wobei jedoch die Töne nicht mit Kraft angeschlagen werden dürfen; kommt der Sänger zum b, so verwende er schon das u, während die Töne der höheren Mittellage wie früher mit einem dunklen a gesungen werden. In einzelnen Fällen werden diese hohen Lagen auch bei Mezzosopran-, ja selbst bei Altstimmen geübt. Baryton und Baß haben diese Studien zu vermeiden. Die soeben beschriebene Kopflage wirkt auf die unteren Lagen sehr wohlthätig, wenn dieselbe nicht auf Kosten der Letzteren ausgebildet wird; sie bereitet das Mezza voce vor. in welchem Register auch bei stärkerem Singen die Brusttöne vermieden werden. Die Domäne des Mezza voce ist vornehmlich die Mittellage, in der sonst die Bruststimme dominirt. Die tiefen Töne bilden für sich eine Einsatzreihe und heißen verminderte Brusttöne. Bei Tönen unter der Mittellage find die Stimmbänder nicht mehr so gespannt, die Stimmritze erweitert sich und es wird bei denselben mehr Luft verwendet. Bei der Bildung der Tiefe müssen die Töne derselben mit großer Ruhe und ohne daß sich der Kehlkopf wesentlich senkt, gesungen werden. Wenn der Uebende hier sorcirt, entsteht ein scheinbar stärkerer, jedoch häßlicher Ton, der im Sängerjargon gequetschter Ton heißt. Man singe vom tiefsten Ton der Miticllage mit einem reinen, nicht starken a bis zn einer Quart hinunter in lang gehaltenen gleichmäßigen Tönen. Um diese Lage besser kräftigen zu können, übe man vorher einige Töne der höheren Mittellage in derselben Weise. Durch diese Uebung wird auch das Bewußtsein der Stimmbänderstellung bei der höheren Mittellage auf die Tiefe übertragen, da die Letztere mit der Ersteren nahe verwandt ist. Die verschiedenen Uebungen correct angewendet, machen die Stimmen nach und nach stark und gleichmäßig, nur müssen dieselben nicht in übertriebenem Maße vorgenommen werden und ist es besonders bei anstrengenden neuen, daher ungewohnten Studien nothwendig, Erholungspausen eintreten zu lassen. Zur Entfaltung der Stimme trägt der besonders nach der Höhe große Raum wesentlich bei. Im hohen Raume, in dem die Schallwellen leichter verfliehen, stellt der Sänger die Stimmorgane leichter und unbewußt so, daß der Ton kräftiger klingt, nur darf man nicht glauben, schreien zu müssen, sondern die Schönheit des Tones als erste Richtschnur betrachten. In verschiedenen großen Räumen bald da, bald dort zu singen, erhöht diesen Effect der Stimmkräftigung noch bedeutend, da sich die Stimme den verschiedenen Verhältnissen der Akustik anpaßt und -so nicht nur stark, sondern auch geschmeidig wird. An Sängern, welche viel gereist sind und an verschiedenen Orten gesungen haben, ist dies am besten zu bemerken. Auch die Anregung durch das Hören, besonders eines Sängers der gleichen Stimmgattung, wirkt stärkend und über- Haupt ausbildend. Der Stimmnerv des Hörers wird angeregt und stellen sich bei einem solchen, der schon einigermaßen Sänger ist, die inneren Theile des Organes unwillkürlich beinahe so, wie zur Erzeugung desselben Tones. Wenn jedoch der Hörer stark heiser ist oder wenn seine Mittellage noch nicht genügend geschult ist oder derselbe noch mutirt, kann das Anhören oft schädlich wirken. In vielen Fällen lernt der Hörende die Fehler leichter als ' die Vorzüge, daher auch hier manche Vorsicht anzuwenden ist, Ein historisches Kaffeehaus. Die letzten Tage des Wonnemonates Mai sind bekanntlich ausersehen worden, unsere lieben Collegen und Freunde aus Nah und Fern hier in der Metropole des Reiches zu vereinigen. Ernste Berathungen sollen gepflogen werden, denen, wie es üblich ist, gewiß auch Vorbesprechungen vorhergehen werden. Damit nun diese einerseits nicht zu ״trocken", anderseits aber auch als gesellige Zusammenkünfte betrachtet werden können, wo das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden wird, erlaube ich mir die Aufmerksamkeit unserer Collegen und Freunde, die den bisherigen Anmeldungen zufolge recht zahlreich hier vertreten sein werden, auf ein interessantes Local zu lenken. In der Praterstraße besindet sich ein Local, das ehedem ein urwienerisches Gepräge trug. Dasselbe hat sich modernisirt, aber dessen ״höchste" Eleganz — die ..höchste" nach den Begriffen vergangener Jahrzehnte — lebt nur noch in der Erinnerung einiger Greise. Ich spreche vom Cafe ״Concordia" (Sandner), Praterstraße Nr. 25. Dieses Cafe gehört der Wiener Geschichte an, freilich unter einem anderen Namen, unter der Firma Weiß- Happel. Das jetzige Schild trägt es erst vier Jahre. Vordem hieß es Cafe Margulis und noch früher Cafe Strauß und an diese Epoche — nach rückwärts datirt — reiht sich das Regime der Familie WeißHappel. Von der Mutter vererbte cs sich auf den Sohn, vom Sohne auf den Enkel, bis dieser ״kaffeehausmüde" wurde. Im Jahre 1827 wurde das Kaffeehaus eröffnet; von den Gästen, die sich damals dort einfanden, sind Viele in's Grab gestiegen, Viele haben sich zerstreut in alle Weltgegenden, nur ein Einziger ist geblieben: der witzige und geistreiche Uff en heim er, der heute wie vor 55 Jahren auf dem nämlichen Platze seinen ״Schwarzen" oder ״Kapuziner" trinkt. Dieser ״unwandelbare Stammgast" hat gar interessanten Leuten beim Weiß Happel begegnet. Raim u n d, S ch u st e r, Strauß, Lanner, Bäuerle, Saphir, Meisel — Künstler, Literaten, Mäcene, Alles, was sich für das.Theater interessirte, kam da zusammen! Im Cafe Weiß- Happel wurden die Erfolge neuer Stücke gemacht, von der Stimmung im Cafe Weißhappel hing gar oft die Zukunft einer jungen Debütantin ab. Das Local lag dem Leopoldstädter Theater (Carltheater) so nahe, daß es sich leicht zu einer Art Filiale dieses Kunstinstitutes entwickelte; und dadurch gelangte es zu großer Wichtigkeit, denn Wien politisirte noch nicht, es las die ״Theaterzeitung" und eine neue Posse war ihm wichtiger, als die Julirevolution. Das Kaffeehaus hatte damals nicht sein heutiges Aussehen; es war klein und rauchig ^&^5^(^^^CSSS!VSSysPS^SSS^!^^B^V3BVls!1!t>ssSKaae^a!ts^tT9‘aaamqBf^€1a1