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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-05-07 · Heft 17 (7.5.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 17 (7.5.1882)
Date
1882-05-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Olmütz, 3 Mai. (Todesfall.) Einen der wackersten ־unb trefflichsten unserer Mitbürger, den Industriellen Herrn' Leopold. Hamburger, hat heute Nachts der Tod aus unserer Mitte gerissen. Ein langes, schmerzvolles Leiden hatte den im 68. Lebensjahre stehenden Mann vor Wochen auf's Krankenbett geworfen, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Mit Leopold Hamburger scheidet ein Mann.aus unserer Mitte, der alle Zeit Gutes und Nützliches zu schaffen bereit' war, der mit einem edlen Herzen einen klaren Verstand verband And mit beiden durch viele Jahre thätkräftig in der Oeffentlichkeit wirkte. In Proßnitz, seinem Geburtsorte, achtete man seine ׳allseitige Tüchtigkeit so hoch, daß man ihn im Alter von 24 Jahren zum Bürgermeister der dortigen Jsraelitengemeinde wählte. Als solcher bewies er Muth und Thatkraft und verhinderte im ״tollen Jahre" Ausschreitungen des Pöbels. Im Jahre 1853 übersiedelte er nach Olmütz, woselbst er seiner Tüchtigkeit halber zahlreiche Freunde sich erwarb. Hier wurde er bald zum Mitgliede der Handelskammer, zum Censor der Nationalbank u. s. w. gewählt. Später trat er in den hiesigen Ortsschulrath ein, dem er durch mehr als ein Jahrzehnt angehörte. Eben so lange war er Vorstand des hiesigen israelitischen Cultusvereins und Mitglied aller hiesigen wohlthätigen And deutschen Vereine. In allen diesen Stellungen wirkte er äußerst verdienstvoll und wo es galt, für die Stadt, deren Blüthe und Aufschwung ihm am Herzen lag, Schönes und Gutes zu schaffen, da konnte man auf Leopold Hamburge'r zählen. Was ihn besonders auszeichnete, war, daß er sich niemals scheute, seine Meinung offen und gerade auszusprechen. Einen Charakter in des Wortes bester Bedeutung und einen nimmermüden, stillen Wohlthäter der Armen verliert unsere Stadt in ihm. Die Armen kannten wohl das Haus am Ni'ederringe,' aus' welchem sie niemals unbeschenkt entlassen' wurden. Sie Alle trauern heute mit der Familie und den Freunden des Verstorbenen, dessen Leben eine Kette edler Thaten und unermüdeten Schaffens bildete. Möge er in Frie- Len ruhen! Freitag, den 5. d., Vormittags 10 Uhr, fand hier das Leichenbegängniß des verstorbenen Herrn Leopold Hamburg erstatt. Vor dem Trauerhause am Niederringe hatte sich lange vorher eine riesige Menge eingefunden,' um dem Tobten Las Geleite zur letzten Ruhestätte zu geben. Die Menschen- Wenge, die sich da versammelt hatte, war wohl der beste Beweis, daß der Verstorbene in unserer Stadt sich eine Schaar von Freunden durch sein Wirken gewonnen hatte. Unter den An- Wesenden bemerkten wir den Bürgermeister Herrn v. Engel, Herrn Statthaltereirath K habe, die Präsidenten der Handelskammer, die Mitglieder des Ortsschulrathes, die Vorstände der Vereine, Herrn evangelischen Pfarrer Dedie, Vertreter der Stadt und Handelskammer und viele hervorragende Bürger der Stadt. Um 10 Ühr wurde der Sarg, der mit einer Unzahl Aon prachtvollen Kränzen bedeckt war, gehoben. Es hatten unter Anderen Kränze gespendet: Herr'Bürgermeister v. Engel, der israelitische Cultusverein, die evangelische Kirchengemeinde, die Casinogesellschaft, der Frauenverein, das Handelskämmerpräsidium, die Collegen aus der Handelsbank, Familie Primavesi, Engelmann, Kuffner, Blumenzweig, Klob re. Die Zahl der Kränze war eine so große, daß sie nicht alle auf dem Sarge Platz fanden und in einem besonderen Wagen nachgeführt werden mußten. Der Tempelchor unter Leitung Les Cantors Herrn Bach rach, stimmte nun einen Trauerchoral an und der Leichenzug setzte sich in Bewegung. Unmittelbar hinter dem Leichenwagen folgten die Verwandten des Verstorbenen, dann die Vorstände der Vereine und die Freunde^ welche dem Tobten die letzte Ehre erwiesen und bis züm Mauthhause hinter dem Theresienthore geleiteten. Bon hier wurde der Tobte sodann nach Proßnitz überführt, woselbst er heute um 4 Uhr auf dem dortigen israelitischen Friedhofe bestattet wird. Friede seiner Asche! Offener Sprechsaal.' für Alle. Trebitsch, den 2. Mai 1882. Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, in Ihrem geschätzten Blatte eines verdienstvollen Collegen Erwähnung zu Lhun, der in bescheidener Zurückgezogenheit mustergiltrg und mit seltener Begeisterung seines Amtes waltet, obwohl ihn nur noch eine ganz kurze Spanne Zeit'von den siebenzig Jahren trennt. Es war im Jahre 1845, als der hiesige, allgemein verehrte Obercantor Herr Simon Beer wie so viele andere junge Männer den gesegneten Unterricht unseres gefeierten Altmeisters Professor Sulz er, dessen Liebling er bis zum heutigen Tage geblieben ist, genoß, um sich für den Cantorstand vorzubereiten. In seiner Heimatsgemeinde Trebitsch konnte die herrliche Stimme, das seltene Talent und die wissenschaftliche Befähigung, die den jungen Landsmann auszeichneten, sowie die Hoffnungen, zu welchen seine Anstellung als Cantor berechtigten, nicht verborgen bleiben und damit ja nicht eine andere Gemeinde den ״airgenehmen Sänger mit der Glockenstimme" ännectire, fand sich die damalige Cultusreprasentanz veranlaßt, ihn, wohl gegen den Willen des Meisters, der ihn ungern von sich scheiden sah, nach einem verhältnißmäßig kurzen Lehrcurse aus der Jüngerschaar herauszuheben, damit er sich selbst als Meister in seiner Stellung als Obercantor der Cultusgemeinde Trebitsch bewähre. Und wirklich war schon sein erster Vortrag in. der Synagoge geradezu epochemachend. Bald standen ihm Männer zur Seite, die heute Capacitäten in der Cantorenwelt zu nennen sind, wodurch natürlich der Gottesdienst in Trebitsch mit dem in den größten Gemeinden rivalisiren konnte. Die vortreffliche Stimme mit dem verständnißinnigen Vortrage, die Neuheit des Choralgesanges bewirkten, daß Cantor Beer weit über das Weichbild Trebitsch hinaus sich die vollsten Sympathien erwarb, die durch, sein leutseliges, stets von dem besten Humor gewürzten Benehmen nur noch erhöht wurden. Dieses ihm hauptsächlich in. seiner Gemeinde entgegengebrachte Wohlwollen und die Ächtung, die er allenthalben genoß, haben ihn auch theilweise entschädigt für so manch en harten Schicksalsschlag, den er erleiden mußte. Ich führe dav on nur den Brand an, der im Jahre 1868 seine ganze Habseligfett verzehrte und dem auch seine werthvollen Musikälien als sein theuerstes Kleinod zum Opfer sielen. Ich müßte weit die Grenzen überschreiten, die dem Berichterstatter in diesem geschätzten Blatte gesetzt sind, wollte ich alle die Thatsachen anführen, die. die Vorzüge des Geistes und des Herzens des wackeren Collegen manifestiren, daher ich mich blos darauf beschränke, zu behaupten, daß Obercan tor

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