Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 17 (7.5.1882)
- Date
- 1882-05-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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toirb jedoch nur angewendet, um den Ton zum Bewußtsein Zu bringen. Ist dies geschehen, versuche man in derselben Lage biss Ä ZV fingen, LtzWMeide jedoch sorgfältig den Halston. (Fortsetzung folgt.) Wie soll Ser Gesang in Ser Volksschule gepflegt Werde»? Don Professor Em. Groag. (Fortsetzung.) Alle Volkslieder pflanzen sich durch Vor- und Nachsingen fort. Also durch ein schnelles, sicheres und reines Auffassen des Vernommenen mittelst des inneren Gehörsinnes, nicht durch äußere Tonzeichen erben sich diese Sangweisen weiter fort. Dies ist ein Fingerzeig für die Volksschule. Das Gehön.ist-׳ zunächst auszubilden. .Nicht D-er ist ein guter Musiker^ ,der gut singt, sondern Derjenige, der scharf und fein hört, richtig und schnell mit dem inneren Tonsinne auffaßt. " Um dieses zu erreichen, bedarf es einer der Natur abgewonneuen Methode. Diese Methode besteht in gewissen wohlgeordneten. Elementar- Übungen, darunter reine Gehörübungen und einem planmäßig ■ vertheilten Lieder-. und Choralcursus bei nur beschränktem- Gebrauch der Ziffern und Noten. Das Fortschrejten zu den einzelnen Hebungen sei naturgemäß. Man fange mit dem DreUsnge an, der tiefer in der Natur!gegründet, also dem Gehör leichter ist, als die Tonleiter.. Bei diesem Accorde halte sich der Lehrer sorgfältig auf,, da er die Grundlage des ganzen Gesanges ist. Wenn in der. Folge ein Stück gesungen werden soll, so muß der Zehrer jedesmal den . Grundton des Stückes entgehen und die Schüler singen den Grundaccord dazu. So unbedeutend dies such erscheinen mag, so wichtig ist es^doch Zur Förderung einer rejnen Intonation. ׳ Die Uebungen müssen so viel als möglich melodisch. sein, das Praktische überall vorherrschend. Der Lehrer sehe darauf, daß der Ton nicht kurz a b gestoßen, sondern lang ausgehalten werde. Diese Regel gilt für alle Uebungen, worin einzelne Töne gesungen werden,, weil nur auf diese Art eine reine und feste Intonation eingeübt werden kann. Es ist -daher bei den ersten Anfängen durchaus nothwendig, daß öftere Uebungen mit dem Anhalten eines Tones, so lange der Athem dauert, angestellt werden, um das gewöhnliche Schwanken und unleidliche. Sinken des Tones nach und nach fortzuschaffen. Die Töne werden ferner nicht nur nach Länge und Kürze, Höhe und Tiefe, sondern auch nach Stärke und Schwäche unterschieden. Dieses führt zur Dynamik. — Der Lehrer sehe, daß der Vortrag nicht schreiend und unrein sei, daß überhaupt Alles, was den Gesang der Schüler verunziere, verschwinde. Man übe den Schüler, einen einzelnen Ton mit allmälig abnehmender und zunehmender, dann mit zunehmender und abnehmender Stärke zu singen. Dann übt man ebenso ganze Tonreihan. Es ist wohl unnöthig, anzusühren, daß es Niemanden einfallen darf, in der Volksschule einen der drei Factoren des G.esangunterrichtes ausschließlich allein zu treiben, sondern daß die Rhythmik und Dynamik bei den zu erlernenden Liedern geübt werde. Der Lehrer sehe auf gute Aussprache des Textes, namentlich auf Reinheit der Vocale, jedoch ohne Uebertreibung, sonst wird die Sache lächerlich. Er lasse den Text des zu singenden Stückes jedesmal erst laut und langsam lesen und dringe auf eine richtige und deutliche Aussprache. Möge man doch hier nicht vergessen, was ein alter,׳ wackerer Meister über diesen Punkt sagt; nämlich: ״Gewiß ist es, daß ein Sänger, der seinen Text nicht mit Verstand zu lesen weiß, ihn auch nicht mit Verstand singen wird." ־ (Fortsetzung folgt.) Vom Samstage. Wir sind heute genöthigt, auf ein Thema zurückzukommen, welches zu besprechen wir absichtlich vermeiden wollten^ Wir sind es bereits gewöhnt, von dieser oder jener Seite einen kleinen Nadelstich zu erhalten, — wir fühlen es gar nicht mehr. Nun hatte vor wenigen Wochen der ״Mainzer Israelit", Organ für das orthodoxe Judenthum, die Freundlichkeit, uns einige Zeilen ״orthodoxer Freundschaft" zu ׳widmen. Er bekrittelt es nämlich, daß auf unserem Blatte zu lesen sei: Die nächste Nummer erscheint Samstag den ׳Wie man es schon von diesem Zelotenblatte gewohnt ist, ge- -braucht es Ausdrücke, welche uns damals veranlaßt hätten, ״zu antwo rten", wenn es eben nicht j enes B latt gewesen wäre. Wir haben es daher vorgezogen, zu schweigen. Nachdem uns jedoch von ungarischen Collegen berichtet wird, daß auch ein ungarisches Blatt (natürlich das emerirte Rabbinerblättchen) sich ebenfalls in schmutzigen Auslassungen ergeht (es wühlt gar gerne in Schlamm und Schmutz und hat gar große Aehnlichkeit mit jenen Thieren, dessen Fleisch zu essen uns verboten ist), sehen wir uns veranlaßt, um diesen ״liebenswürdigen Mensch enseelen" einfür allemal die Gelegenheit zu nehmen, uns zu begeifern, die Erklärung abzugebcn, daß wir dem Staatsgesetze entsprechen, wenn wir das-Datum eines Sabbaths auf unserer Zeitung habendidm׳ß> wir aber dessenungeachtet noch niemals Samstag drucken oder expediren ließen, weil wir jedenfalls auch wissen, was unsere Pflicht ist. __Die Redactio n. KLeine GHronik. Agram, am 3. Mai 1882. Nach dem Ableben unseres gottseligen Cantors, des Herrn Jacob W eiß, und nach Renovirung unseres Gotteshauses, das durch das Erdbeben hart beschädigt wurde, sah sich unsere löbl. israel. Cultusgemeinde genöthigt, die Stelle eines ersten Cantors wieder zu besetzen. Lange wurde gesucht und gewählt, bis man endlich Denjenigen, der den großen musikalischen und moralischen Anforderungen im vollsten Maße Genüge leistete, fand. Nicht weniger als acht Cantore wurden vom Vorstande zu einem Probevortrage berufen, doch keiner wurde, trotz der nicht zu unterschätzbaren Tüchtigkeit mancher unter ihnen, acceptirt. Da kam Herr Israel Chaloff, Obereantor aus Lodz in Russisch-Polen,-ganz zufällig hierher und hielt ebenfalls einen - Probevortrag. Da konnte man sagen: ״er kam, sang und siegte". Herr Chaloff wußte durch seinen wunderbaren Vortrag die ganze Gemeinde so sehr für sich zu gewinnen, daß er sofort acceptirt wurde. Unser nunmehriger Obereantor besitzt -eine wohlklingende, mit guter Coloratur ausgerüstete hohe Heldentenorstimme, welche vorzügliche Naturgabe er mit eben so vorzüglicher musikalischer Bildnng und ergreifender Vortragsweise vereinigt. J. G.