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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-05-07 · Heft 17 (7.5.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 17 (7.5.1882)
Date
1882-05-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Mnstktiriesc. Von Obkrcoutor Hermann Goldstern. Webet die menschliche Stimme und deren Anwendung. (Fortsetzung.) Der aufmerksame Sänger wird bei genauer Uebung der verschiedenen Register, von denen wir u- und ü-Register mit mäßigem Ton, das ganz lichte 3, nur andeutungsweise singen ließen, vor Allem gelernt haben, piano zu singen. Unter piano verstehen wir jedoch nicht etwa ein tonloses Säuseln, sondern einen weniger ausgiebigen, doch dabei bestimmten Ton. Das pian^o. conservirt die Stimme und heilt manche Erkrankung derselben. Es ist ein oberster Grundsatz der Pädagogik, immer wieder aus schon Gelerntes zurückzukommen, wenn man mittlerweile andere Gebiete desselben Stoffes kennen gelernt hat. Daher wird es, nachdem die verschiedenen Register' mit einander in Verbindung gebracht wurden,- wieder nothwendig sein, die Scala der Mittellage mit la, von Oben herab, in der früher angegebenen Weise zu singen; die Stimme wird jetzt voller, runder und angenehmer zu Gehör kommen. Man soll schon jetzt darauf achten, daß auch in der höheren Mittellage ein reines a tönt und dies ist nach den -11־ und n-Uebungen um so leichter, da man bei einiger Aufmerksamkeit in der Stellung für das dunkle a den Klang des lichteren zuproduciren vermag. Man singe nämlich ein dunkles a und gehe allmälig in ein lichtes über, bleibe jedoch immer in der genauen Mundstellung für das dunkle a. Diese Uebungen sind für den großen Raum nothwendig, dürfen jedoch nicht zu oft versucht werden. Das ganz lichte oder ganz kleine a wird jetzt nicht mehr angewendet. Die höheren Töne sollen mit etwas weniger .Kraft gesungen werden, wie die tieferen, damit Letztere keinen zu ungünstigen Eindruck auf Erstere ausüben. Bei jenen Tönen, welche den Uebergang von der höheren in die tiefere Mittellage markiren, singe man piano, um dieselben besser ausgleichen zu. können. Nach diesen Uebungen kann man . staccato (staccati sind kurz, aber bestimmt angeschlagene Töne), .jedoch in seltener Anwendung zu singen beginnen. Diese Uebungen sind nothwendig und haben auch zugleich den Vor- -theil, die durch Dehnen schwankend gewordenen Töne wieder .bestimmt zu machen. Die Stimme wird immer mehr ausgeglichen und es ist in einzelnen Fällen, besonders bei solchen!Stimmen, bei denen mehr Einsätze zu einer Einsatzreihe gehören (Baryton, Baß, auch einige Alte), gut, den besten Ton einer solchen.Einsatzreihe aus die anderen Töne einwirken zu lassen. Wenn dieser Ton gesungen ist, folgen die anderen Töne . entweder nach Oben oder nach Unten, wodurch der Glanz dieses einen Tones auf die anderen übertragen wird. Nach dem 8ta66ato ist das Legato, das Binden der Töne, wobei die Töne gleichsam in einander verschmelzen, zu üben. Zur weiteren Ausgleichung ist oft das Portamento, bei welchem die Stimme von einem Tone zum anderen gleitet .und wobei man den Ansatz des ersteren Tones erst dann ver- .läßt, wenn man beim zweiten angelangt ist, eine nothwendige Uebung; geschieht dies mit größerer Hörbarkeit, dann heißt es breites Portamento. . Von einem gut gebrachten Ton der höheren Mittellage ausgehend, schleift man denselben nach, einem Tone der unteren Mittellage herab, wobei man den höheren stark, den tieferen schwach singt.. Wer nicht gleich entferntere Töne zu verbinden vermagversuche sich zuerst an näher liegenden, nämlich an Secunden, Terzen rc.; hier sind beim Schleifen die klagenden Zwischentöne besonders zu vermeiden. Die kräftig nach Unten gesungene Scala ist jedoch nach jeder dieser Uebungen, Staecato, Legato, Portamento, immer wieder anzuwenden. Wir haben uns durch die Uebung des ü-Registers und des ganz lichten a unwillkürlich für das Hochfingen vorbereitet; denn die Höhe wird nur sehr selten durch das Ueben der hohen Töne, sondern viel öfter durch Anwendung des u und ü in der Mittellage gebildet. Man kann jetzt ganz leicht mit einem n oder einem kleinen (nicht ganz kleinen) a selbst einen halben Ton ober dem höchsten Tone der Mittellage zu singen beginnen und diesen neuen Ton durch die bekannten Methoden mit denen der Mittellage ausgleichen. Nach diesem nimmt man den nächst höheren halben Ton und so weiter, wobei 'immer die höheren Töne dunkler, statt ü, u genommen werden. Ein jeder solcher neuer Ton muß in die Mittellage eingewurzelt werden, indem man auf den frei angeschlagenen hohen Ton die Octave nach Unten singt. Die Octaven sind bezüglichdesEinsatzes quasi Aliquottöne, Nämlich zusammengehörig. '׳ Wenn man auf einem Clavier einen Ton anschlägt, so kli ngen dessen Terz, Quinte, klein Sept und Octave mit, weil alle diese Töne in einem bestimmten mathematischen Verhältnisse zu einander stehen; diese Töne heißt man Aliquottöne. .. Die neuen hohen Töne werdendurch getragene Scalen mit den anderen Lagen in Verbindung gebracht, wobei die Uebergangstöne piano genommen werden. Die successive Erweiterung der Stimme nach Oben wird bei großen Stimmen angewendet, während man bei kleinen Stimmen dies sprungweise vornehmen kann. Das geschieht, indem man gleich um eine Quart über den vorletzten Ton d er höheren Mittellage geht; bei Tenor und Sopran wird das d, bei den anderen Stimmen der verhältnißmäßige Ton mit einem ü oder wenn dies zu schwer ginge, mit dem Worte »Füße" gesungen. Das f im Worte Füße wurde darum gewählt, weil es die hier so nothwendige Verlängerung des Luftcanales befördert. Mit diesem ü oder mit dem Worte ״Füße" wird vom neu errungenen Tone bis zum vorletzten Tone der Mittellage herab geübt. Der Vocal ü muß bestimmt, jedoch nicht zu stark äugeschlagen werden, so daß er vollkommen beherrscht wird. Nachher wird von diesem neuen Tone bis zum tiefsten Tone der Mittellage mit ü oder ״Füße" und noch später vom vorvorletzten Tone der Mittellage, der Tenor von e, der Baryton von e u. s. w., bis zur tieferen Mittellage mit einem dunklen, in der tieferen selbst jedoch mit einem lichten a gesungen. Ohne besondere Anstrengung kann man jetzt schon in dieser Höhe mit a singen und wenn dieser Ton nicht ganz na ch Vorne zu bringen wäre, singe man ״na", wobei das a selbstverständlich mit dunkler Färbung zu nehmen ist. In dieser hohen Einsatzreihe schwingt schon die Luft der N asenhöhle mit; das n, welches diesen Vorgang erleichtert,

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