Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 17 (7.5.1882)
- Date
- 1882-05-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitglieder, aus denen klar zu ersehen, daß nebst den angefehensten Cantoren Oesterreichs auch die hervorragendsten Ungarns, vertreten sind. Freilich wohl, die ״fünf unparteiischeu Cantoren.Ungarns", die als Mitglieder ״dem Ung. - isr. Cultusbeamtenverein" beigetreten sind, bevor noch überhaupt die famosen ״Geheimstatuten" ausgearbeitet waren, diese fünf unparteiischen Cantoren sind nicht dabei. Unsere geehrten Collegen werden uns fragen, wer denn diese fünf Cantoren sind? Wer sie sind? Das sind die fünf Weisen Ungarns, — das sind Diejenigen, die Gedanken errathen, die Briefe lesen können, die an Andere geschrieben sind, ja, die selbst den Willen jedes Einzelnen bestimmen, mit ein em Worte, das Schicksal eorrigiren können. ... ,, Wie sie heißen? , . Sie haben keine Namen oder aber sie schänden, sich derselben. In unseren Händen befindet sich nämlich efir Stück bedrucktes Papier mit der Ueberschrift: ״An..die geehrten Herren Cantoren der israelitischen Gemeinden in Ungarn!" In diesem — wie sollen wir es nur nennen — in diesem schriftstellerischen Versuche einiger Herren werden wir in überaus schmeichelhafter Weise mit Schmähungen überhäuft. Wir haben dieses famose Schriftstück seit längerer Zeit schon in Händen, wollten selbes jedoch unberücksichtigt lassen.׳ Nachdem jedoch der Verein in West, welchen diese fünf Herren in ihren Schutz nahmen, bevor auch nur ein Buchstabe des Statutenentwurfes geschrieben war, sich auf so sonderbare Weise entpuppt und bei vielen ungarischen Collegen lebhafte Mißbilligung hervorgerüfen hat, halten wir es nun für eine unabweisbare Pflicht, diesem Circulare nähere Beachtung zu schenken; nicht etwa, weil es dieselbe verdient, sondern, weil wir unseren geehrten Collegen gerne zeigen wollen, daß wir friedliebend und durch eine etwaige Polemik nicht der Gründung des ״Ungar.-isr. Cultusbeamtenvereines" hinderlich sein wollten. Vor Allem wird von jener unerquicklichen Affaire gesprachen, die wir für längst abgethan hielten, nämlich die seinerzeitigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Wien und Pest und daß wir Unrecht hatten, ist doch selbstverständlich — nach jhrer Ausführung. Wie kamen diese 5״ Cantoren" in die Lage, den'Absatz eines Briefes wiederzugeben, den die Redaction an Herrn Profcssor Friedmann schrieb und der lautete: ״Wir sind nur zu gut überzeugt, welch'Wichtigkeit und Gewinn es für unser Blatt wäre, wenn sie, hochgeehrter Herr Professor, als eine von allen Cantoren der Monarchie anerkannte Coriphäe auf fachlichem Gebiete, uns mit Ihren als ausgezeichnet bekannten literarischenArbeiten freundlichstzu unterstützen." Entweder haben diese fünf namenlosen Verth eidiger einer verlorenen Sache diesen Brief ״escamotirt" oder aber derselbe wurde für diese schriftstellerische Aufgabe nebst anderen Daten zur Verfügung gestellt. Jedenfalls haben die. Schreiber die Oeffentlichkeit zu scheuen — oder vielleicht sind es gar nicht fünf und sie geniren sich deshalb!? Doch lassen wir dieses famose Schriftstück selbst sprechen , da heißt es unter Anderem: Nur noch ein Beispiel. Die"״Oesterr.-ungar. Cantoren- Zeitung" sagt in ihrer letzten Nummer: In den größeren Städten werden Zweigvereine mit' eigenen Vorstehern bestehen. In Bezug auf Ungarn kann das nicht mehr, der Fall ,sein, denn Pest- Ofen istz. B. die Hauptstadt Ungarns, in Pest kann aber kein Zweigverein bestehen, weil da nicht ein einziger Cautor existirt, der demWiener Vereine als Mitglied angehören wird. .Dasselbe ist in Groß- Kanizsa, in Baja, Veszprim, Neusatz und in vielen anderen Städten, der Fall, deren Cantoren bereits dem Ungar. Vereine beigetreten sind (?)*). Schließlich bitten wir um Entschuldigung, wenn wir unsere Namen (so lange es nicht nöthig ist) nicht nennen. Das hat. seinen guten Grund. Wir wollen nämlich aufklärend zur Sache׳ sprechen, ohne aber eine Polemik hervorzurufen und da leider die Erfahrung lehrt, daß immer nur gegen Perfönen p.olemisirt wird, so zogen wir es vor, einstweilen unseren Namen zu verschweigen und nur das nackte Object hinzustellen, das Object aber kann Niemanden zur Polemik provociren **). , Um aber zu zeigen, wie die ungarischen Cantoren über diesen Verein denken, veröffentlichen wir folgende, unter dem- Datum 3. Mai 1882 an uns gelangte Zuschrift: ״Nachdem der Cultusbeamtenv?rein ׳ in Budapest bereits getagt und ganz andere Absichten und Zwecke verfolgt, so erkläre ich mich hiermit, dem Oesterr.-ungar. Canto renverein zu Wien als Mitglied anzugehören. Zugleich ersuch t ich die löbl. Redaction, auch jene Cantoren als Mitglieder gefälligst aufzunehmen, die an- Budapest sich anschloffen und dies öffentlich zur Kenntniß zu bringen." Vereins Mitglied er: Wcrters sind dem ״Oesterreichisch-ungarischen Cantoren- Vereine" bcigetreten die Herren: I. Holzer, G.-Jenikau. S. Schreker, G.-Jenikan. S. Meisel, ,Gänserndorf. D. Engel, Fogarosch. Diamant, Kalocfa. H. Unschuld, Werfchetz. I. Spitzkopf, Werfchetz. S. Schwarzenberg, K. FsleghLza. I. Steiner, Szegsard. A. Singer, Neübitschof. A. Grünhut, II. C., Ungar.-Osträ. H. Grttnwald, Schaff«. I. Steiner. Groß-Meseritsch. 'S. Streicher, M. St. Johann. M. Stahlberg, Mägäcs. B. Haas, L. St. Miklos. I. Schiller, Wien. A. Kornitzer, Tapolcza. A. Türk, Leipnik. H. Pretzner, Leiprrik. A. Muneles, Prag. Jwanofsky, Waag-Bistriz. Löw, Mnko. I. Rosengarten, Kronstadt. S. Moor, Großwardein. S. Beinkeles, Frauenberg. D. Kohn, Lundenburg. H. Lemberger, Kuttenplan. Schulhof, Kladno. S. Löwinger, Keszthely. S. Samuylow, Tarnow. *) Das war nämlich im Monate März, in welcher Zeit von einem ungarischen Beamtenvereine noch nicht einmal ein Embryo existirte. Wie sehr sich die fünf Unparteiischen geirrt haben, ersieht man daraus, daß die Cantoren der genannten Städte unserem Vereinbereits beigetr-ten sind. **)Anonymität ist aber bekanntlich jeder guten Sache schädlich. Wenn . man begeifern will, muß man. auch den Much haben, mit seinem Namen, einzustehen. Wer schmäht und sich hinter Anonymus verkricht, h a nd e l t.f ei g e. Mag ma.i uns welch' immer für einen Vorwurf machen, wir haben vielleicht manchmal im Eifer für die gute Sache gefehlt, feige aber, wie die fünf Schreiber, haben wir noch nie gehandelt und sind jederzeit mit unserem vollen Namen für die Sache eingestanden. Die Redaction.