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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-04-29 · Heft 16 (29.4.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 16 (29.4.1882)
Date
1882-04-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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f- Den russischen Blättern ist üntkrfagt, über diese haarsträubenden Vorfälle Bericht zu erstatten. Zur Anlisrmitenbewrgmrg Allgemein bekannt׳ sind jene Vorgänge in den beschämen- - den Versammlungen bei den ״drei -Engeln", die, als erste Spuren einer gewaltigen Zeitkrankheit, unsere Glaubensbrüder in Oesterreich in nicht ׳ geringe Aufregung versetzten: Bald jedoch sollten diese Gemüther durch den bekannten Erlast des; hohen Mmjsteriums, daß jede Versammlung mit antisemitischer Tendenz von vornherein zu verbieten, eventuell aufzulösen sei, beruhigt werden. ׳ . Wie ich nun aus authentischer Quelle erfahre, verdanken wir Israeliten diesen mächtigen Schutz der höchsteigenen Jnitiative unseres erhabenen Monarchen Franz Josef I. — Dieser freisinnigste und menschenfreundlichste Fürst unserer Zeit berief nämlich sogleich nach besagter Versammlung den Minister des Innern zu sich und machte ihn für jede weitere derartige Erscheinung verantwortlich. »Ich will nicht" — dies die Worte unseres erhabenen Monarchen — ״daß in Meinem Reiche die Juden, die sich auf-allen Gebieten der Wissenschaft, des Handels, Gewerbes und Verkehres. als ruhige Bürger im Frieden, als tapfere Vaterlandsvertheidiger. im Felde, wie eben jetzt wieder in > Bosnien und der Herzegowina, so tüchtig bewähren, irgend- > wie beeinträchtigt oder , gekränkt werden."! Diese Worte-sind, ein neuer Demant in der glänzenden Krone unseres Monarchen und verdienen besonders von uns Israeliten wohl gemerkt und eingeprägt zu werden, um dadurch die heiligest Bände/ die uns schon bisher! mit unserem geliebten Vaterlande und dem Allerhöchsten Herrscherhause verbänden, noch mehr:zu stärken-und zu stählen. Möge der Allmächtige seine schützende Hand über das Haupt dieses gottbegnadeten Monarchen ansbreiten und ihn noch lange in Glück und Frieden, Ruhm und Ehre erhalten, uns und aller Mitmenschen zum Glück und Heile! A. L. Kleine Kbronik. lieber mehrere Anfragen. In letzterer Zeit kamen wiederholt von Collegen an uns Beschwerden, welche im Allgemeinen sich immer um ein Thema handelten und sonderbarer Weise nur aus Ungarn. ־' . So berichtet uns ein College aus Ungarn, er sei seines .Postens am 25. December v. I. verlustig geworden, habe jedoch in kurzer Zeit darauf einen anderen Posten gefunden und sei dort acceptirt worden. Als dies jedoch seine ^Gemeinde in Erfahrung gebracht, wurde in einer Generalsitzung von ihr beschlossen, den Cantor wiederum weiters zu behalten. Nun aber weigert sich die Gemeinde, in welcher er eintreten sollte, seine von ihm deponirten Documente herauszugeben und wir werden gefragt, was in diesem Falle zu thun. Die Sache ist ganz einfach; wenn die Gemeinde die Papiere zurückbehält und nicht ausfolgen will, so wende man sich eben an die Behörde, da Niemand das Recht besitzt, Documente, die nur für den Eigenthümer Werth haben, sich anzueignen oder zurückzubehalten. Die Redaction.. Lemberg, 26. April. Die Zahl der hier und in der Umgebung eingelangten jüdischen Flüchtlinge aus Rußland hat in den lehren Lagen ungeheuer zugenommen: alle Stationen zwischen Lemberg und Brody und zwischen Podwotoczyska und Lemberg sind mit Flüchlingen gefüllt, weil in einigen russischen Städten neue Ueberfälle befürchtet werden. In Lemberg hat sich ein Comitö gebildet, welches den Juden die nothwendige Hilfe leistet. Heute aus Podolien eingetroffene Reisende melden haarsträubende Details über die Judenmaffakres, welche in den letzten Tagen, 22., 23. und 24. April, in Kamienec-Podolski und in mehreren Orten der Umgebung, insbesondere in M o h i l e w, stattgesunden haben. Ein Reisender-erzählt mir Folgendes: In Kamienec hat ein wüthender Haufen von Kazapen, nachdem er zahlreiche Häuser geplündert hatte, -das Iud envi ertel an.g ez ü nd et: Während des Brandes feierte die Mordlust wahre Orgien. Der Pöbel, welcher aus den Kazapen besteht, welche zu Taglöbner- und Bauarbeiten nach Podolien kommen und die mit ihren Arbeitsgerärben bewaffnet waren, drangen mit einer wahren Raserei auf die flüchtenden Juden ein und erschlugen zahlreiche von ihnen. Mehrere Frauen und Kinder wurden in die Flammen geworsen. Bis in die späte Nacht dauerte das׳ Maffakre. Kamienec-Podolski ist eine Gubernialstadt und hat eine starke Garnison. Die dortige Bevölkerung (Rutbenen) ist erst in der letzten Zeit durch die eingewanderten Kazapen ausgehetzt worden. Auch in Mohilew sind jüdische Häuser angezündet und geplündert worden. Pilsen. Bei der am 23, d. Mvorgenommenen Rabbinerwahl wurde Herr Dr. S. Caro aus Erfurt einstimmig zum Rabbiner und Prediger der hiesigen israel. Cultusgemeinde gewählt. Wereinsnachrichten. Das gefertigte Comits ersucht alle Collegen, welche mit ihren Beitrittserklärungen noch ausständig sind, selbe umgehend einsenden zu wollend Ferners wollen alle jene Bereinsnntglieder, welche sich am Cantorentage betheiligeu werden, dies schriftlich bekannt geben. Was Gomilk des ״Gekerr.-mrgar. Kanlorernrereirrs^: I. Goldstein, S. Sulzer, Präses. Ehrenpräses. Ausruf au die verehrten Collegrn Mährens! Der Oesterr.-ungar. Cäntorenverein" hat sich constituirt.' Wir haben den Statutenentwurf gelesen, wir haben Gelegenheit gehabt, selben reiflich in Erwägung zu ziehen — zu prüfen. Der Generalversammlung die am 28., 29. und 30. Mai a. 6. in Wien tagen soll, ist es Vorbehalten, etwaige Aenderungen und Verbesserungen vorzunehmen. Collegen und.Freunde in. Mähren! Wir wollen fest Zusammenhalten, wollen uns Alle dem in Wien gegründeten Cantorenverein anschließen, wollen auch auf dem Cantorentage zu Wien erscheinen und unsere Ansichten und Meinungen über den Verein dortselbst klar legen. Um dies jedoch thun zu können, müssen wir uns in unseren Ansichten einigen und darum wäre es zweckmäßig und nothwendig. in den nächsten Tagen eine Vorbesprechung pflegen zu können, um die nöthig scheinenden Aenderungen durchbesprechen und sodann dem Cantorentage vorlegen zu können.

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