Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 16 (29.4.1882)
- Date
- 1882-04-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Alle diese Uebungen müssen mit mäßigem, nicht forcirtem Tone gesungen werden und kann dies um so leichter bemerkstelligt werden, wenn das ganz lichte a zuerst und gut geübt wurde Die u- und ü-Register nebst dem des ganz lichten a Müssen nun unter sich und mit dem vollen Register in Verbindung gebracht werden.,׳■.■/ Zu diesem Behufe wird in der oberen Mittellage zuerst das ü, gleich darauf das ganz lichte a, in der unteren Mittelläge das u und unmittelbar nach demselben wieder das ganz, lichte a auf einem und demselben Ton geübt. Ebenso werden Ton für Ton immer nach dem ü, dem n und dem ganz lichten a die vollen a, in der höheren Mittellage das dunklere, in der tieferen das. lichtere a geübt. Selbstverständlich muß auf die verschiedenen Stimmencharaktere Rücksicht genommen werden, daher auch häufig Variationen dieser Uebungen geboten sind. (Fortsetzung folgt.) Wie soll der Gesang in der Volksschule gepflegt werden? Von Professor Em. Groag. (Fortsetzung.) Beim Gesangunterricht ist auf drei Hauptmomente Rücksicht zu nehmen: 1. auf die Rhythmik oder die Lehre vom musikalischen Zeitmaße; 2. auf die Melodik oder die Lehre vom Treffen der Töne und von ihrer Folge; 3. auf die Dynamik oder die Lehre vom guten Ausdrucke. Ob der Rhythmus mehr geistiger Natur oder ob die Anlage zum Tact eigentlich körperlich sei, das bedarf an dieser Stelle keiner besonderen Erörterung. Wenn der Rhythmus zur''Erscheinung'kommt','׳ iverden die Kräfte des Körpers leicht und munter angespornt zu ausdauernder Thätigkeit. Die Lebensgeister sind reger beseelt, Freude durchströmt unser ganzes Sein. Ganz natürlich erleichtert der Rhythmus die schwere Arbeit der Ruderer, der Drescher und Schmiede und andere gleichweilige Beschäftigungen. Eine Kraft nun aber, die sich überall im Leben so mächtig bewährt, muß auch von nicht geringer Wirksamkeit im Gesänge sein. Wollte man in der Volksschule den Schülern erzählen von den verschiedenen Tactarten und ihrer Entstehungsart, so hieße das leeres Stroh dreschen. In der Musik gibt es etwa, wie mich Fachmänner belehrten, vierzehn verschiedene Tactarten, aber, mit den einfachsten derselben kommt man in der Schule hinreichend aus. Der Lehrer übe das Tactiren des "/4-, %6 ,־־/s* und 4/4-Tactes. Sowie man Zeichen hat zum Singen (nämlich Noten, resp. Ziffern), so hat man auch Zeichen zum Schweigen, die man Pausen nennt; auf diese Zeichen mache man die Schüler aufmerksam. Man nnterscheidet aber an den Tönen nicht nur Länge und Kürze, sondern auch Höhe und Tiefe; dieses führt uns zur Melodik. — Es kann nicht Aufgabe und Ziel der Volksschule sein, ein Stück nach Noten vom Blatte singen zu lehren und zu lernen, wohl aber den Schülern einen Schatz guter Gesänge beizubringen. Das wird erreicht durch ein Singen nach Noten, aber doch vorherrschendes Gehörsingen. Beim Einüben eines Stückes kann man diejenigen Tonzeichen zu Hilfe nehmen, welche von anerkanntem Werthe find. Die Tonzeichen werden von den Schülern doch nur als rein I äußerliche Anhaltspunkte benutzt und sie singen hauptsächlich nach dem Gehör. Was hilft dem Schüler alle Notenkenntniß, wenn er kein einziges, auch nicht das bekannteste Volkslied singen, keine Choralmelodie sein eigen nennen kann? , Die von der Schule entlassenen Schüler sollen einen möglichst großen Schatz, von Liedern und Choralgesängen haben, über die sie jederzeit mit.Sicherheit verfügen können׳ Das Leben fragt nicht nach Gesängen. Einzelne haben das Gehörsingen ein Abrichten genannt und beziehen sich darin auf die ersten Anfänge des Lese- und Schreibunterrichtes. Diese Auffaffungsweise zeigt von einer gänzlichen Verkennungder Natur dieser Untcrrichtsgegenstände. Lesen und Schreiben haben es in ihren Anfängen mit dem äußeren Auge, Gesang mit dem inneren Gehör zu thun. Die ersteren Gegenstände sind mehr sinnlicher, letzterer mehr geistiger Natur. Taubstumme lernen das Lesen durch's äußere Auge Blinde das Singen durch's innere Gehör. Was sollte miteinem Kinde auf der untersten Stufe einer Schule, da es noch keine Noten oder Ziffern kennt, in der Singstunde geschehen? Soll es so lange müßig sitzeu, bis es die Tonzeichen kennt?. Es gibt da nur einen Rath, der heißt Vorsingen und Nach sin gen. Daß man auf diese Art auch große Gesangstücke ausführen kann, lehrt die Erfahrung. (Fortsetzung folgt.) Die soriale Stellung des Juden in der Gegenwart. Bon Adolf Rotter. IX. (Schluß.) Nicht minder auffällig ist die Gesticulation, die der Jude beim Sprechen anwenden zu müssen glaubt.. DiesesDociren. mit den ausgespreizten Fingern, das Verrenken des Daumens bei Herbeiführung von Beweisgründen, womit das Gezwungene derselben buchstäblich demonstrirt wird, die Unart, den Partnerbeim Barte oder mindestens am Rockknopfe zu fassen, dies Alles sind Erscheinungen, die dem Juden ohne jede tiefere Begründung anhaften. Wenn wir sagten, der Jude anerkenne die Autorität, so trifft dies nur der Außenwelt gegenüber zu, denn dem Juden selbst gegenüber ist der Jude nicht nur nicht gefügig, sondern, geradezu unduldsam. Die Erfahrung, daß der zur Herrschaft gelangte Sclave der größte Tyrann ist, findet beim Juden ihre Bestätigung. Mag sein, daß hier das natürliche Bestreben des Gedrückten in der Weise zum Ausdrucke kommt, daß derselbe, gleichsam um sich für den Druck, den er als Amboß von oben erleidet, zu entschädigen, nach unten zum Hammer wird Schlägt der Meister den Gesellen, büßt es in der Regel der Lehrjunge. Andererseits sieht ein Jude in dem anderen aus bereits klar gelegten Gründen nur Seinesgleichen und die Folgen hiervon find, daß die vielgerühmte Tugend der Zusammengehörigkeit bereits sehr in die Krümpe gegangen ist. (Siehe beispielsweise die Gründung, des Cantorenvereines.) Dadurch, daß der Jude nicht mehr vogelfrei ist, wurde der engere Anschluß der Juden untereinander zerstört. Der Particularismus schoß wie Wildlinge rasch in die Höhe. War es früher unausgesprochenes Losungswort: Einer für Alle, Alle für Einen, so gilt jetzt die egoistische Formel: Jeder für sich. Waren früher jüdische Gemeinden in ihrer Wesenheit ein geschlossenes Ganzes, so wird es heute wenige Gemeinden geben, wo nicht die Zerfahrenheit und Uneinigkeit ihre Unwesen