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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-04-29 · Heft 16 (29.4.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 16 (29.4.1882)
Date
1882-04-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ס Musikbriefe. Von Obercantor Hermann Goldstein. Ueber die menschliche Stimme und deren Anwendung. (Fortsetzung.) Eine kleine, öfters auch eine große Terz ober dem "tiefsten Ton der Mittellage ist nun mit Hellem a in derselben-Weise nach Unten zu üben, wie dies bei der h öheren^Mittellage geschehen ist. Bei besonders großen oder spröden und harten ״Stimmen soll man nicht gleich anfangen, höhere Töne der Mittellage zu üben, sondern mit einem Ton der Mittellage beginnen, der vollkommen beherrscht und.daher ohne wesentliche Mühe producirt wird. Bei Individuen jedoch, welche überhaupt nicht gelernt haben, richtige Vocale zu sprechen, ist oft eine wochenlange Vorübung nothwendig, bis man nur in der vorgeschriebenen Weise zu singen ansangen kann; ,denn es ist unumgänglich nothwendig, daß das a vollkommen richtig gebracht wird. Es empfiehlt sich in diesem Falle, daß der Lernende vorerst das a mit dem Halbvocal 1 in Verbindung bringt, also 1a sagt, das a dadurch nach vorne bringt und dann erst das amen in der früher angegebenen Form ausspricht. Wenn der Sänger die Töne sicher und mit vollem a hcrvorzubringen im Stande ist, so werden sowohl die Töne der höheren wie die der tieferen Mittellage, ohne vorher amen oder ein ähnliches Wort, z. B. Abend, gesprochen, zu haben,׳ gesungen. Die zu häufige Anwendung des grellen a wie im amen könnte die Sttmme leicht , hart, im Gegensatz zu weich, . bilden. Die einzelnen Töne werden dabei bestimmt angeschlagen und jeder mit einem ganz genauen a, vorausgesetzt, so lange es. der Athem zukäßt, gesüngen. Es wird auch jetzt die höhere Mittellage mit dem dunkleren, die tiefere mit dem helleren a geübt, und zwar auch von Oben nach Unten. Man kann bei den jetzt zu singendenUebungen der Stimme schon mehr Anstrengung zumuthen, als früher, da man noch .amen sagte. Nur möge man seine Kraft nach und nach versuchen. Man wird ja auch, um ein guter Fußgeher zu werden, nicht gleich im Anfang große Strecken zurücklegen, sondern erst eine kleinere, nach mehrmaligem Wiederholen eine größere Strecke und in diesem Sinne weiter üben, schließlich mehrere Stunden lang Bewegung machen. In Fällen, in denen das a im Verlaufe der Uebungen — es ist dies nicht immer zu vermeiden — von dem normalen abweicht, sollen wieder la-Scalen gesungen werden, bis das a wieder gesund au stritt. Diese Uebungen erzeugen eine ausgiebige Mittellage, die jedoch nicht jeder Sänger verwerthen kann, ohne die folgenden .Uebungen studirt zu haben. Um eine Sttmme modulationsfähig zu machen, ist es unbedingt nothwendig, auch mit anderen Registern zu üben, als die mit den bisher kennen gelernten, durch das lichte und das dunkle a erzeugten. Es muß nun gelernt werden, mit einer Stimme zu singen, bei der weniger Theile der Stimmbänder vibriren, als früher und kann dies auf verschiedene Art bewerkstelligt werden. Wir haben in einem unserer früheren Artikel das u und das ü als Vocale bezeichnet, welche Töne erzeugen, bei denen viel weniger Theile schwingen, als beim Brustton oder einem demselben nahe kommenden Tone. Bei der Bildung der Vocale o, ü und ü wird der Canal für den Luftstrom durch die Lippen verlmlZert, welche dabei die Mundöffnung verengern, bei dem 0 Weniger, bei dem u und ü mehr. Das i steht dem a viel näher, als dem 0 und dem u.' Bevor mit dem u und ü gesungen wird, soll man diese Vocale erst richtig^ sprechen lernen; wieder! werden : wir, um uns dies zu erleichtern, einen l)ie Sttmme nach vorne bringenden Consonanten, die vorNehmlichsten find das s, das 11 und das 1, auch das r, mit dem zu lernendenVocal in Verbindung bringen. Man spricht in einer Lage, inder man den Vocal vollkommen beherrschen kann, In oder hu, iü oder kü, mit der schon angegebenen Lippenstellung, welche den Canal verlängert. Das 1 ist als Halbvocal dem Vocale näher verwandt, als das h, welches den bei der natürlichen Ausathmüng erzeugten Luftstrom verstärkt und die Stimmritzen mehr verengt, als das 1. Bei den tieferen Stimmen werden wir daher öfter das 11 und bei den höheren öfter das 1 anwenden. Wir haben zwar die Mundstellung, bei diesen Tönen angegeben, auch den Vortheil gezeigt, womit diese Töne amrichtigsten, also nach vorne gebildet werden, müssen jedoch erwähnen, daß das Ohr diese Vocale auch ganz rein hören muß, weil man nur dadurch die Gewißheit von der richtigen Stellung der dabei betheiligten Stimmwerkzeuge hat. Wir bemerken jetzt schon, daß wir das 8 und das r mit den anderen Consonanten, denen wir eine größere Besprechung widmen, erklären werden. Wenn wir die verschieden ausgesprochenen Vocale. um uns besser ausdrücken zu können, , mit lichteren oder dunkleren 1 Farben verglichen haben, so sei uns ^gestattet, auch eim.a Mzugeben, welches noch lichter herauskommt, , als unser früheres im Worte amen. Wenn wir noch einen Schritt im Vergleichen mit Naturerscheinungen machen, so können wir das vom kleinen Kinde geschrieene a als ein ganz lichtes bezeichnen und nennen . ein ähnliches a des Erwachsenen ein ganz lichtes oder ganz kleines a. Alle diese beschriebenen Vocale u, ü und das ganz lichte a erzeugen Töne, bei welchen weniger Theile und in anderer Weise schwingen, als beim vollen a, also eben so viele Register noch mannigfaltiger werden diese, je nachdem man die Töne mit mehr oder weniger Hörbarkeit, mit diesem oder jenem Consonanten in Verbindung, singt. Um unsere neuen Vocale richtig singen zu können, müssen dieselben, wie schon gesagt, erst richtig gesprochen werden; erst dann wende man dieselben als Gesängston, anfangs mit Benützung eines entsprechenden Consonanten, später ohne einen solchen an. In der höheren Mittellage wird das ü, in der tieferen das u, bei den hohen Stimmen (Sopran, Alt und Tenor) mit 1, bei den tiefen (Bariton und Baß) mit 11 geübt, so daß die hohen Stimmen 1ü und 111, die tiefen kü und du singen. Spater singen alle Stimmen die entsprechenden Vocale ohne Consonanten. Das ganz lichte a wird, wenn u und ü genügend geübt sind, von demselben Tone der höheren Mittellage herunter angewendet (ohne Consonanten), von dem anfangs mit dem amen gesungen wurde, also beim Tenor vom k, beim Baryton vom ä und so weiter.

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