Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 15 (21.4.1882)
- Date
- 1882-04-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4jährigen Jubiläums in voller Kraft ertönen und seine andäch- Ligen Hörer noch ebenso entzücken möge, wie es im ersten Vierteljahrhundert seiner Amtirung bis zum heutigen Tage der Fall gewesen ist. Die sociale Stellung des Juden in der Gegenwart. Von Ad o lf R o t ter. VIII. Auch bei uns gibt es Männer, die. durch hohe Geburt, durch Geist oder durch staatsmännisches Wissen ausgezeichnet, hohe Stellungen im Reiche cinnehmen. Männer, die oft und sei es auch auf Kosten ihrer besseren Ueberzeugung erklären, über gewisse althergebrachte Vorurtheile erhaben zu sein; allein, wenn es gilt, dem Juden etwas am Zeug zu flicken, da ist jede Gelegenheit willkommen, selbst die einer — Blamage. Es muß wahrlich eine eigene Wonne sein für die Erklärung:׳ ״Man schwärme gewiß nicht für die Juden", seine wohlverdiente Popularität und vielleicht noch etwas mehr einzusetzen. Wir sind nun begierig, zu wissen, welcher Art die Erfahrungen dieses Lord-Antonius sind, die dem Hepp-Hepprufe ״eine gewisse Berechtigung nicht absprechen". Alle diese Erscheinungen sind nur Früchte vormärzlicher Erziehungsmethoden und diese Herren mögen noch so laut erklären, sie haben die josefinischen Ideen in sich ausgenommen und ״'s is Alles nit wahr". Uebrigens ist es ja. wie wir bereits darauf hingewiesen, mit der heutigen Erziehungs- Methode auch nicht besser bestellt. Als Beleg dessen sei es uns gestattet, einer Episode zu erwähnen, die sich in Gegenwart des Schreibers dieser Zeilen in dem Städtchen S. abspielte. Wir besuchten daselbst ein befreundetes Haus und beim Abschiede gab uns der Söhn des Hauses, ein netter, intelligenter Herr, das Geleite. Auf dem Wege zur Bahn mußten wir an dem Schulhause vorbei, wo wir, es war gerade Schluß der Schule, von der herausströmenden Schuljugend im Weitergehen einen Augenblick gehindert waren. Da ertönt dicht in unserer Nähe der Ruf: ״Jud, Jud"! Mein Begleiter, ein jovialer Mann, der immer Humor zur Verfügung hat, faßt den Rangen beim Kragen und fragt ihn, was wir ihm zu Leide gethan hätten? ״Mir nicht," stotterte er, ״aber Ihr habt unseren Heiland erschlagen." ״Nun, nun." sprach besänftigend mein Freund״ ׳Du glaubst doch nicht, daß ich es war. der dieses abscheuliche Verbrechen begangen?" ״Nein. Ihr nicht." ״Oder gar mein Vater, den Du doch kennst?" ״Nein, der auch nicht." ״Dann war es gewiß mein längst verstorbener Groß-. Vater, der diese Missethat begangen?" ״Das weiß ich nicht, der Herr Lehrer hat uns gesagt, die Juden." Verstimmt gingen wir und ließen den Verblüfften stehen. Ist das ״Religionslehre"? Wir fühlen uns versucht, auch auf gewisse kirchliche Ceremonien hinzuweisen, die nicht zum geringsten Theile dazu beitragen, den Haß gegen den Juden zu erhalten und womöglich zu verschärfen. Allein, wir enthalten uns dessen, weil hier eine Kritik unstatthaft und es Seelen- Hirten genug gibt, die in richtiger Auffassung ihres hohen Berufes solche Bloßstellungen vermeiden. Wir wollen der hohen Bedeutung der reinen und ünverfälschten Lehre Christi nicht nahe treten ׳ und können daher auch nicht annehmen, die Lehre der Nächstenliebe, die in ihrem Meister personificirt erscheint, sei mit dem Hasse gegen Mitmenschen in harmonischen Einklang zu bringen. Noch viel weniger können wir uns damit vertraut machen, daß der Haß gegen den Juden die Tragpfeiler des Christenthuins kräftige, daß also der Bestand des Christenthums um so fester sei, je mehr das Judenthum geschwächt würde. Wir glauben vielmehr, das Christenthum ist.in sich stark genug, um solch' verwerfliches Mittel verschmähen zu können, .ja, es würde gerade in dem Judenthume gewissermaßen einen Bundesgenosse!: finden, der ihm in Erhaltung des Bestehenden zu Gunsten Beider zur Seite stünde. Und nun wollen wir vor der eigenen Thüre kehren. Vor Allem dürfen wir es uns nicht verhehlen, daß Vieles faul ist unter den Juden. Schon sein Aeußeres! Wir meinen beileibe nicht das lockige Haar oder gar die öfter vorkommende lange Nase, für die man schließlich auch Niemanden verantwortlich machen kann. Vielmehr meinen wir das äußere Auftreten des Juden überhaupt. Seine Sprache vor Allem muß ihn mißliebig machen. Er spricht mehr mit dem Ton als mit dem Wort. Es ist barer Unsinn, dies auf Rechnung der Race zu stellen. Die ״künstliche Zuchtwahl" hat es längst zuwege gebracht, daß das semitische Blut längst seine Echtheit eingebüßt hat. Ungezogenheit und ein gewisser Grad von Bequemlichkeit, der Wiener würde sagen Schlamperei, ist es, im Sprechen einen Singsang anzuschlagen und dadurch in auffälliger Weise den Juden hervorzukehren. Damit erscheint der gelbe Fleck, den der Jude einmal gezwungen war, anzuheften, freiwillig angesteckt. Die ses Grundübcl muß Mit der Wurzel ausgerodet werden und täuschen wir uns nur nicht, es wird das ein gutes Stück Arbeit kosten, denn dieses Uebel ist ein erbgesessenes. In allen Ländern und in den verschiedensten Gesellschaftskreisen ist es heimisch. Hier kann nur die Schule helfen. Wenn auch lange Zeit dazu gehört, so sehen wir leider keinen anderen Ausweg, kein anderes Mittel, aber es führt sicher zum Ziele. Nur die Jugend kann helfen und vielleicht werden diese Zeilen für manchen Jüngling eine Anregung sein, die Modulation der Stimme beim Sprechen zu beherrschen und zu erkennen, daß man sich auch ohne Auf- und Ablaufen einer ganzen Tonleiter mit ruhiger Sprache verständlich machen kann. Es wird so Manchem die peinliche Situation erspart bleiben, in der er sich nothgedrungen befindet, wenn er im Verkehre mit Nichtjuden ein genäseltes ״Wie heißt" anzuhören erhält. Mit kurzen Worten also, der Jude spreche deutsch, ungarisch, czechisch, aber nie jüdisch. Wie soll der Gesang in der Volksschule gepflegt werden? Von Professor Em. Groag. Heutzutage dürfte kaum bei irgend Jemand mehr ein Zweifel herrschen, daß der Gesangunterricht in der Volksschule ein kräftiger und natürlicher Hebel für die Förderung der ästhetischen und gemüthlichen Bildung des Volkes sei. Ein gewiegter Schulmann spricht sich folgendermaßen darüber aus: ״Der Gesang übt. wie man schon längst anerkannt hat. einen großen und wesentlichen Einfluß auf die Bildung des