Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 15 (21.4.1882)
- Date
- 1882-04-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3452870-3452884--0131-3454137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Vác 1× ep/1048169
- Znojmo 1× ep/1046086
- Zrenjanin 1× ep/1046091
OCR text
unterschied gar nicht in dem Entwürfe aufkommen lassen, da es gar viele Cantoren gibt, die fünfzig Jahre alt sind und dessenungeachtet noch zwanzig und mehr Jahre fungiren können. Sollten wir diese von den Wohlthaten des Vereines' gänzlich ausschließen? Wir haben ferners berücksichtigt, daß nicht alle Cantoren gut situirt sind, denn wäre es, so brauchten wir ja gar keinen Verein; wir haben also die Zahlungen möglichst nieder gestellt, daß auch der Aermste dem Vereine beizutreten vermag; auch haben wir berücksichtigt, daß, was Gott verhüten möge, wenn Unglücksfälle in ersterer Zeit des Bestehens unseres Vereines Vorkommen sollten, für die Witwen gesorgt werden könne. Freilich, was Einzahlungen anbelangt, wurde in dem neu creirten ungarischen Journale für israelitische Cultusbeamte ein Antrag gestellt, welcher etwas günstiger gehalten ist. Da wird der Monatsbeitrag mit 10 kr. beantragt, welcher mittelst Postanweisung an die jeweiligen Zweigniederlassungen, deren Vorstand ein Rabbin er sein soll, allmonatlich einzusenden ist. Wenn ein Mitglied mit Tod abgeht, so haben die Mitglieder abermals einen Beitrag per 10 kr. zu leisten und die Witwe erhält im günstigsten Falle bei 800 Mitgliedern ein Capital von achtzig Gulden. Wir wollen dieses Absurdum nicht weiter illustriren. V ereiusinitglied er: Wcitcrs sind dem österreichisch-ungarischen Cantoren- Vereine Lcigetretcn: .Professor Sulzer,Wien. Kohn,2lrad. Schönfeld, Tyrnau. Weis, Dombodar. Weis, Waitzen. Friedmann, Pionitza. Kraus, Efsegg. Löwin, Groß-Becskerek. Blau, Essegg. Weis, Simontorny. Schlesinger, Essegg. Schwalb, Stampfen. Weift, Vasarhely. Steiner, Dunapentele. Mannheimer, Groft-Kikinda. Gottlieb, Hatssg. I. Weis, Kalocza. Kluger, Groft-Szt. Miklos. Hirsch, Wien. Fleck, Wien. Weis, Warschau. Pollak, Schwihan. I. Weiß, Tobitschau. Pctersilka, Wien. Zempliner, Wien. Lederer, Kaunowa bei Saaz. Notter, Wien. Papo, Wien. Bermann, Lcipa. Goldftein,' Oftrau. Wodak, Göding. Krämer, Freudeuthal. Grünwald, Wien. Reift, Znaim. Winterberg, Aussig. I. Bader, Pardubitz. Polnauer, Patzau. Musikbriefe. Bon Obercantor Hermann Goldstein. Ueber die menschliche Stimme und deren Anwendung. - (Fortsetzung.) Wir haben in einem unserer ersten Briefe gesagt, daß die Stimmbänder, von oben gesehen, einem quer durchschnittenen Trommelfell ähnlich sind. Die verschiedenen Register der Stimme entstehen nun dadurch, daß von diesem Trommelfell mehr oder weniger schwingt, sei es säst die ganzen Stimm- Länder oder blos die Ränder oder manchmal nur Theile der Letzteren. Wenn man die schwingenden Theile in Farbe darstellt, erhält man ein graphisches Bild der Register. Hat man sich, sei es durch die entsprechenden Vocale oder durch deren energische oder minder energische Anwendung, die Töne in den einzelnen Lagen zum Bewußtsein gebracht, so muß man dieselben mit den Tönen derselben .Einsatzreihe sowohl wie auch mit denen der anderen Einsatzreihen in eine solche Verbindung bringen, daß dadurch die Gleichmäßigkeit der Stimme gebildet wird. Die oberen Töne. üben auf die unteren, besonders bei Ansängern, eine wohlthätigere Wirkung aus, als die unteren auf die oberen, indem die Einsätze der Brusttöne der unteren Mittellage beim Singen nach oben nicht leicht vergessen und so auf die höheren Töne übertragen werden; die oberen Töne kommen daher zu grell heraus und die Stimme wird dadurch eher zerstört als gebildet. Aus diesem Grunde ist es geradezu geboten, die Stimme von oben herab zu bilden. Der ausübende Sänger wird also nach dem eben Gesagten bei zwei aufeinander folgenden, weiter entfernten Tönen, wenn von unten nach oben zu singen ist, den unteren Ton entsprechend dem oberen Einsätze zu singen haben. Wir haben jetzt besonders die Mittellage der verschiedenen Stimmen im Auge und erwähnen, daß diese Lage bei den verschiedenen Stimmen vom Hause aus verschieden geartet ist. Der Sopran hat in der Mittellage keine eigentliche Bruststimme und sind diese falsetartigen Töne eben so in zwei Lagen — Einsatzreihen — getheilt, wie die der anderen Stimmen; dasselbe gilt vom Mezzosopran, bei dem sich die Mitteltöne schon mehr der Bruststimme nähern, während der Alt, der in dieser Lage auch noch keine Bruststimme besitzt, sich der Bruststimme noch mehr nähert, als der Mezzosopran. Der Tenor hat Bruststimme bis zum eingestrichenen d, während die übrigen Tone — von diesem bis zum g — um uns so auszudrücken, der Bruststimme annähernde sind. Diese Stimmgattung hat jedoch an dem 28 und dem g schon Uebergangstöne in die nächst höhere Einsatzreihe, gewöhnlich Falset genannt.-; , Die nächste Stimmgattung, der'Baryton, ist viel derber angelegt, als die vorher aufgezählten. Sein Brustton geht bis zum kleinen 2 und sind die Töne 6, d und 6, wie schon früher erwähnt, dünner, als die Bruststtöne. Der Baß besitzt in der ganzen Lage, von 6 bis 6, Bruststimme, jedoch mit verschiedenen Einsätzen. Freilich nach längerem Studium ist es möglich, bei den Männerstimmen auch in der höheren Mittellage die echte Bruststimme zu erzeugen. Wir sind dem Leser noch schuldig, die Desinition des Begriffes Bruststimme zu bringen. Bei derselben schwingt, tönt durch die entschiedenere Contrahirung der Stimmbänder die Luft in der Luftröhre mehr, wie bei den anderen Tönen und kann man diese Erscheinung, besonders bei.Bassisten, selbst mit dem Tastsinn, indem man die Hand auf die Brust eiues solchen Sängers. legt, beobachten. Aus den vorstehenden Beschreibungen der einzelnen Stimmgattungen allein ist zu entnehmen, daß deren Ausbildung einer ganz verschiedenen Behandlung bedarf; so kann man den derben Baß ganz andere Anstrengungen durchmachen lassen, wie den zarten Tenor oder die noch zarteren weiblichen Stimmen. Die Mittellage, von der wir jetzt sprechen, ist, wie schon mehrmals gesagt, das Hauptcapital der Stimme und wird folgendermaßen gebildet: Der Sänger spricht mehrere Male nach einander allenfalls das Wort amen, wobei das wen nur leise gesprochen wird, so wie er es im gewöhnlichen Leben zu sagen Pstegt, aus und ist dadurch im Stande, ein richtiges reines a anzusetzen, doch darf er nicht a amen, wobei das erste