Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 14 (13.4.1882)
- Date
- 1882-04-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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- 4 - jeder höhere Ton kleiner als sein vorhergehender, dafür aber auch intensivernst. Immer ist eine aneinander gereihte Anzahl von Tönen ähnlich (z. B. die tiefere Mittellage) im Einsätze und bildet eine solche Anzahl eine Einsatzreihe, gewöhnlich Register genannt. Wir haben absichtlich in diesem Falle eine Ausnahme gemacht und uns vor dem landläufigen Ausdrucke entfernt, weil wir unter Register bei der Stimme eine ähnliche Be- Zeichnung verstanden wissen wollen, als wie bei den Registern der Orgel und nennen daher z. B. das mezza voce der Stimme ein Register. Die sociale Stellung des Luden in der Gegenwart. Von Adolf Rotter. VII. Nicht minder sind es gewisse Gebräuche und Ceremonien, die zu kritisiren wir aus leicht begreiflichen Gründen unterlassen müssen, die aber nicht minder dazu beitragen, den Haß gegen den Juden zu schüren und was das Wort verschweigt, wird durch das Bild ergänzt. Uebrigens gestehen wir gerne, daß es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die für die Leiden ihrer Mitbrüder, seien diese nun welcher Confession immer, ein warmfühlendes Herz besaßen. Leid erzeugt Mitleid, wie der Druck Gegendruck hervorruft. Wäre dieses Vergißmeinnicht ״Mitleid" nicht auf Erden, es gäbe der schwarzen und weißen Sclaven in Menge. Wie gesagt, immer hat es Männer gegeben, die ihrer Zeit mit Siebenmeilenstiefeln vorauseilten und in dem Drange nach ״Vorwärts" jene Objectivität errangen, die eben nöthig, um Recht von Unrecht zu unterscheiden. Das Pflichtbewußtsein ist eben das Product ausgebildeten Rechtsinnes und wo Letzterer fehlt, kann auch nimmer der Grundsatz: ״Gleiches Recht für Alle" Wurzel fassen. Auch unsere Zeit darf sich eines Mannes rühmen, der in seiner hohen Stellung dennoch Objectivität und, sagen wir es nur heraus, auch Herz genug besaß, am Juden Vorzüge nicht nur zu finden, sondern auch öffentlich zu verkünden. Es ist dies kein Geringerer, als Seine kaiserliche Hoheit, unser vielgeliebter Kronprinz Rudolf. Es sei uns gestattet, aus dessen jüngstem Werke ״Eine Orientreise" nachfolgenden Auszug: ״Zwei Tage in Jerusalem" anzuschließen. ״Der erste Schritt auf dem Boden des gelobten Landes ruft in den Städten die Erinnerungen an die geordnete Macht des Judenreiches, an den weisen König Salomo oder auch an die Tage, wo Jesus inmitten seiner Apostel auf den steinernen Stufen der Hauptplätze predigend saß, lebhaft in's Gedächtniß und am Lande ziehen die Bilder am geistigen Auge vorüber, die uns in Kinderjahren beim Studium der heiligen Schrift umgaukelten. Abraham, der Patriarch, der Nomadenkönig, reich an Heerden, edlen Rossen, schönen Zelten und üppigen Weibern, der. sinnige Greis und Gelehrte, der Weise, in mystischen Sprüchen, doch voll Lebensweisheit redend, der Stamm- Vater eines edlen Volkes, er konnte nur im Morgenlande, nur in diesen Gegenden Hausen. Zeiten haben sich geändert, Religionen in den Formen auch; aus den vielen im Wesen gleichen, in den Hauptgedanken ähnlichen, nur im Ritus verschiedenen Glaubensbekenntnissen und Göttercultussen des morgenländischen Alterthums hat sich nur eine rein erhalten, .es ist die hebräische, die Lehre des alten Jehova, seines Propheten Moises. Doch das Volk, das auserwählte Volk der Juden, es hat Heimat und Staatsgewalt verloren und dev ewige Jude ist unsterblich, immer Typus und Glaube unverfälscht erhaltend, in alle Länder der Erde vertheilt. Unbewußt rächt er sich durch sein Wesen, bewußt vertritt er eine gewisse Macht, die ihm der scharfe Geist des Morgenländers verleiht. Das Abendland hat ihnen Alles genommen, sie über die Erde verstreut, doch ihr Wesen auszumerzen, war es nicht im Stande und so lebt das alte, vielgeprüfte Volk noch heute und hat Anspruch auf die unleugbare Gerechtigkeit der Weltgeschichte." Solche Worte, von solcher Höhe gesprochen, sagen mehr als unsere schwache Feder auszudrücken vermag. Freilich, mit der Höhe der Position wächst der Horizont. Wo wahre Geistesbildung mit Herzensgüte gepaart ist, dort kann auch die Schierlingspflanze der Unduldsamkeit keine Wurzel fassen, dort wird auch der moderne Semitismus als historische Antiquität aufgefaßt, für deren Wiederbelebung gewisse Dunkelmänner schwärmen mögen, die aber bei jedem aufgeklärten Geiste nur ein mitleidiges Lächeln hervorzuruseu vermag. Um so beklagenswerther aber ist es, wenn Männer, die durch ihren großen Geist und durch nie geahnten Erfolg die Augen der gebildeten Welt auf sich gerichtet sehen, Männer, deren Wort in der Wagschale des europäischen Gleichgewichtes ausschlaggebend ist, wenn solche Männer es nicht verschmähen, Leidenschaften zu erwecken, die Ln ihren Consequenzen unberechenbar, Doctrinen auf den geistigen Markt zu werfen, die uns weniger durch ihre allgemeine Verwerflichkeit empören, als uns vielmehr durch den Cynismus erschrecken, der unbedingt darin liegt, ganze Classen der Gesellschaft gegen einander zu Hetzen, nicht um die ewig ungelöste Frage der Religionen ihrer Lösung näher zu bringen, nicht als neuer Erlöser der Welt ein einiges Volk auch zum -freien Volke zu machen, nein, die ganze. ״Hetz" ist nur Mittel zum Zwecke, welch' Letzterer darin besteht, politische Gegner nach dem bekannten Recepte des ״Auf-den-Sack-Schlagens" unschädlich zu machen. Loyola ist neu auferstanden, mehr noch, er hat seinen Meister gefunden. Der Zweck heiligt die Mittel! Unserer Zeit blieb es Vorbehalten, graue Theorien mit neuem Firniß angestrichen zu lehren und wenn uns auch Auto-da־fe's in modernem Zuschnitt nicht erspart blieben, so haben wir wenigstens die Genügthuung erhalten, daß diese Strömungen gerade von dem Hcimätlandc der Inquisition mit dem Stigma der Verwerflichkeil gekennzeichnet wurden. Gerühmte Cantorem und Lompojlteure. In Nummer 11 unseres Journales erwähnten wir des mit vieler Mühe zufammengestellten hübsch, arrangirten Tableaux populärer Cantoren und Componisten. Die massenhaft! auf uns einstürmenden Arbeiten verhinderten uns; die Besprechung hierüber, welche wir damals begönnen, auch zu Ende zu führen. Ungeachtet wir auch heute, besonders durch die Neugründung des Cantorenvereines, sehr stark in ׳Anspruch-genommen׳sind, Halten wir es dennoch für unsere Pflicht, die gediegene Leistung unseres geehrten Collegen I. Wiesen in Osterode a. H. weiters, wie sie es auch wirklich verdient, zu besprechen.