Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 14 (13.4.1882)
- Date
- 1882-04-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Welttheil, es hat also einen cosmopolitischen Charakter nnd deshalb ist die babylonische Sprache, die nach Einigen die Mutter aller antiken und modernen Sprachen ist, die geeigneteste dafür, lind so möge es auch mir zu Gute gehalten werden, daß meine 6d. 6.-Betrachtung etwas verspätet erscheint, ״zu spät" kommt sie wahrlich nicht. Sie ist nicht blos angemessen ״für die Stunde, wo Mazoh und Moror vor uns liegen", sie.eignet sich auch für jeden anderen Tag, ״für jede andere Nacht". Ihr Hauptinhalt veranschaulicht uns die Zustände ״dieser Welt", der Jetztzeit und ihr Schlußsatz zeigt uns jene Zeit, die von allen Nichtantisemiten herbeigewünscht wird, es ist dies ״die Zeit des Moschiaeh". Miifikbriefc. Bon Obercanlor He׳.ma״n Goldstern. Uebcr die menschliche Stimme nnd deren Anwendung. (Fortsetzung.) Bezüglich der Stärke einer Stimme ist eine Täuschung überhaupt sehr leicht möglich. Zwei absolut gleich starke Stimmen können dem Hörer sehr ungleich Vorkommen, wenn eine davon schön und die andere minder schön ist. Die minder schöne wird scheinbar gegen die schöne. sehr stark erscheinen, da man vom minder Schönen bald zu viel bekommt, während man vom Schönen immer mehr haben will. Wir kommen nun zur Erzeugung und Bildung der Stimme. Die Vocale a, 6, i, 0, 11 und deren Umlaute sind vornehmlich dazu berufen, die Töne zu bilden, jedoch erzielt jeder derselben eine verschiedene Wirkung. Wenn man die einzelnen Vocale mit Tonschattirungen vergleicht, so hat man am a einen lichteren, am 6 einen dunkleren als das a, am i einen dunkleren als das 6 und schließlich am 11 einen dunkleren Vocal als das 0. Ebenso ist in diesem Sinne jeder Umlaut dunkler als dessen Stammlaut. Das a (wir benöthigen diese Unterscheidung später) kann auch in verschiedenen Schattirungen ausgesprochen werden. Das reine a, wie es im Worte amen gesagt wird, nennen wir ein lichtes, während wir das erste a des Ungars im Worte darätom, welches wie ao klingt, als dunkel bezeichnen. Wir haben in einem unserer früheren Artikel gesagt, daß bei den vollen Tönen der Mittellage — besonders bei den Männern — die Stimmbänder näher aneinander sind, als bei dem hohen 11 und dem tiefen; das lichte a nun hat die Eigenschaft, die größere Contrahirung der Stimmbänder, wodurch die Stimmritze enger wird, hervorzubringen, Wenn ein solches lichtes a mit einer großen Heftigkeit ohne jede Vorbereitung gesprochen wird, heißt dies Kehlschlag. Nebst dem Kehlschlag gibt es noch Gelltöne, welche auch dem Lernenden das Bewußtsein der Stimmritzencontrahirung beibringen, und zwar in größerem Maße, als dies beim ruhig ausgesprocheuen a bei amen geschieht. Die Anwendung des heroischen Kehlschlages können wir jedoch ausübenden Sängern durchaus nicht empfehlen, weil dadurch möglicher Weise Schädigungen eintreten können; nur zu Anfang der Stimmbildung kann dies geschehen. Je höher die Stimme von der oberen Mittellage an steigt, desto dunkler müssen die Vocale genommen werden, um dieselbe im Studium zu erzeugen. Bei den letzten zwei Tönen der Mittellage nimmt man schon das dunklere a, während zum Falset das u und zur Kopflage das ü genommen wird. Das Falset, das wir später noch näher beschreiben werden und das besonders beim Tenor vorkommt, klingt am eigentlichsten bis zu einer Quart über der Mittellage; Baryton und Baß haben in dieser hohen Lage ober ihrer Mittellage kein eigentliches Falset, sondern nur dünnere Töne, welche auch vom u befördert werden. Die Kopflage, bei welcher die Stimmritze noch weniger enge ist wie beim Falset, entsteht hauptsächlich durch Verschieben des Kehlkopfes nach Oben, daher einzelne Bestandtheile des Kopfes derselben, als Resonnanz dienen. Je mehr sich die Stimmritze erweitert, desto weniger tönen die Stimmbänder im Ganzen, desto mehr tönen die Ränder derselben. Man verschwendet viel mehr Luft bei den hohen und höchsten Tönen und kann daher dieselben auch nicht so lange erklingen lassen als die der Mittellage. Es stellt sich nun die Aufgabe, auch die. höheren Töne so zu bilden, daß dieselben länger, als oben beschrieben, austönen, um den Tönen der Mittellage näher zu kommen. Wir haben schon früher gesagt, daß das lichte a die Contrahirung der Stimmbänder mit sich bringt; wenn wir nun in den höheren Lagen das lichte a anfangs so offen als möglich anwenden, so bringen wir auch hier dem Anfänger im Studium die Contrahirung der Stimmbänder mehr oder weniger zum Bewußtsein. Um dies jedoch in den höchsten Lagen zu Stande zu bringen, muß man den Schüler lehren, bei der Stellung des 11 oder ü a zu singen. Man stellt sich nämlich z. B. ein n zu singen, bringt jedoch ein a hervor. Alle hier angegebenen Methoden gelten jedoch nur für die Stimmerzeugnng und werden angewendet, um beim Anfänger die verschiedenen Töne zum Bewußtsein zu bringen. Jede Stimme steht auf einer anderen Stufe, d. h. Jeder, der Sänger werden will, muß anders behandelt werden. Selbstverständlich hat der Baß eine andere Pflege zu erwarten als der Sopran, die größere Stimme eine andere als die kleinere, der Intelligentere eine andere als der langsam Begreifende. Wer alle Stimmen nach einer und derselben Methode schult, ruinirt viele Stimmen. Man darf in den seltensten Fällen sofort zur Schulung der hohen Töne schreiten; die Hauptsache bleibt bei allen Stimmen die Mittellage; diese muß zuerst zu einer entschiedenen Reife gebracht werden, um aus ihr um so leichter die Höhe bilden zu können. Letztere kann nun successive oder sprungweise erzeugt werden. Wir sind der Verständlichkeit wegen gezwungen, die früher und auch heute noch beliebten Ausdrücke für die verschiedenen Vorgänge zu gebrauchen und so sollten wir auch von einer Anwendung der ״Register" sprechen und haben der Mittellage, des Falsetes und der Kopstage, dieser Haupt-״Register", in neuerer Zeit Einsatzreihen genannt, bereits erwähnt; jeder Ton hat nämlich entsprechend seinem Verhältnisse der Größe zu der Intensität einen anderen Einsatz (Ansatz), nachdem