Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 13 (3.4.1882)
- Date
- 1882-04-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 zur Ertheilung des nöthigen Absolutoriums vor. — Die. Jahresrechnung bleibt jedem Mitgliede im Archive des Vereines 14 Tage nach dem Abschlüsse offen und. wird auch in der״Oestcrr.-ungar. Cantoren-Zeitung" publicirt. . §. 28. Sollte der Vorstand durch die Verhältnisse gezwungen werden, die Auslösung des Vereines zu beantragen, so hat er zur Beschlußfassung hierüber durch den Präses eine General- Versammlung einzuberufen und. in der Einladung den diesbezüglichen Antrag bekannt zu geben. Die Auflösung kann in dieser Generalversammlung nur dann beschlossen werden, wenn in derselben wenigstens ein Dritttheil der Vereinsmitglieder anwesend sind und zwei Dritttheil der Anwesenden für die Auflösung stimmen. Die Generalversammlung setzt sofort aus ihrer Mitte ein Liquidationscomits ein und bestimmt unter Einem, welchem Zwecke das Vereinsvermögen Angeführt werden soll. §-29. Auch Angehörige fremder Staaten können dem Vereine beitreten, soserne sie sich in allfälligen Streitigkeiten der Entscheidung der österreichischen Behörden zu unterziehen bereit erklären. §. 30. Aenderungen dieser Statuten können zwar durch die Majorität der Mitglieder des Cantorentages beschlossen werden, dürfen jedoch erst nach ertheilter behördlicher Genehmigung in Wirksamkeit treten. Das Comite des österr.-uügar. Cantorenvereins: S. Sulz er, I. Goldsteirr, Elirenpräses. Präses. Anmerkung. Beitrittserklärungen werden vom Tage der Publicirung dieses prov. Statuts vorläufig von der Redaction der ״Oesterr.-ungar. Cantoren - Zeitung" entgegen genommen. Der Modus betreffs Ernennung der Provinzvorstände, sowie deren Befugnisse bleibt dem Cantorentag Vorbehalten. Musikbriefe. ' Bon Obercantor Hermann G oldst ein. Uebcr die menschliche Stimme und deren Anwendung. (Fortsetzung.) Wir kommen wieder zum. Umfang der Stimme zurück und constatiren, daß jede der angeführten sechs Stimmen sowohl über als unter der vorhin präcisirten Mittellage (vorausgesetzt, daß von Haus aus ein natürlicher, unbewußt richtiger Anschlag besteht, oder daß die Stimme ausgebildet ist,) noch eine Quart circa erreicht. Ueberall gibt es Ausnahmen, so auch hier; einzelne seltene Stimmen überschreiten die angegebenen Grenzen in erstaunlichem Maße; manche nach der Höhe, wenigere nach der Tiefe. Im großen Raume sind eben die tieferen Töne viel weniger hörbar als die hohen. Die Stimmen sind je tiefer desto größer, so daß der Baß größer ist als der Baryton, dieser größer als der Tenor, der Tenor wieder größer als der Alt, der Alt größer als der Mezzosopran und dieser größer als der Sopran. Die Größe der Stimme ist jedoch innerhalb der einzelnen Stimmgattungen bei den einzelnen Individuen eine verschiedene. Die größere Stimme hat größere Tonwellen. Zur Erläuterung führen, wir an, daß Töne in einer größeren Röhre (siehe Geisler'sche Röhren) erzeugt, größer sind, als die von kleineren, engeren Röhren hervorgebrachten. Die Stimme besitzt ferner Intensität, das heißt׳ sie hat eine innere Klangfähigkeit.; Die Intensität nimmt im Gegensätze zur Größe von oben nach unten ab, so daß der Sopran die größte, der Baß. die geringste Intensität besitzt. Auch darin sind bei den einzelnen Stimmgattungen größere Unterschiede bemerkbar. Bei der intensiveren Stimme schwingen die tonerzeugenden Theile schneller als bei der minder intensiven. Bei der richtigen Stimme steht die Intensität zu der Größe im richtigen Verhältniß. Das Zusammenwirken der Intensität und der Größe heißt das Moment der Stimme. Häufig wird die Intensität mit der Größe verwechselt; es werden dünne Stimmen, welche jedoch vermöge ihrer entschiedenen Intensität stark hörbar sind, oft auch von sogenannten Fachleuten mit großen Stimmen verwechselt; überhaupt bestehen bezüglich der Stärke der Stimmen im großen Publicum die verkehrtesten Ansichten. Um die Stärke einer Stimme zu constatiren, gibt es heute noch nur ein Mittel, das ist die Prüfung auf Hörbarkeit in die Ferne. Wenn man in einer windfreien Ebene das zu bestimmende Individuum aufstellt, dasselbe mit kräftiger Stimme die Scala singen läßt und sich bei jedem Tone so weit entfernt, daß man denselben kaum noch hört, so hat man in dieser Entsernung den Maßstab für die Stärke jedes einzelnen Tones. Wenn man nun bei jedem einzelnen Tone, allenfalls der 6-äür Scala, , einer Barytonstimme die Entfernung mißt, mittelst dieser Daten eine graphische Darstellung macht, wobei die acht Entfernungen der einzelnen gemessenen Töne gleich weit auseinander gestellt werden, erhält man bei Verbindung der Enden eine Curve, deren Regelmäßigkeit im geraden Verhältnisse zu der Richtigkeit der Stimme steht. Ist die Stimme gut, auch wenn sie nicht ausgebildet ist, so werden in unserem Barytonfalle, das 618 und das 11 nicht wesentlich kürzere Entfernungen aufweisen, als die vorher gesungenen höheren Töne, das 6 und das dis. Beim Tenor und Sopran ist es jedoch noch häufiger, daß der vierte und der fünfte Ton der Mittellage VM oben herab, das ist das ä und das 6 (es wird bemerkt, daß man gewöhnlich nicht vom höchsten Tone der Mittellage, sondern um einen Ton tiefer als dieser, hier beim Tenor vom f herunter singt) wesentlich schwächer klingt. Eine Stimme, bei der die beschriebenen Töne (der vierte und fünfte von oben) der Mittellage viel schwächer sind, ist in den seltensten Fällen (eine Ausnahme machte hier die berühmte Sängerin Jenny Lind) in eine für den großen Raum geeignete zu erziehen. Die wenigsten Stimmen lassen sich in einem Zimmer oder überhaupt in einem kleineren Raume richtig beurtheilen. Die großen Stimmen also, die Baß-, die Baryton- und die tieferen weiblichen Stimmen, machen einen Effect, der den Laien meist in ein ganz unnöthiges Staunen versetzt, während derselbe Laie bei derselben Stimme im großen Raume meist eines Hörrohres bedarf, um auch nur Einiges zu vernehmen. Tenore, welche im kleinen Raume nur mäßig klingen, können