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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-04-03 · Heft 13 (3.4.1882) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 13 (3.4.1882)
Date
1882-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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im großen Raume gerade den umgekehrten Effect erzielen, so daß die früheren schönen Stimmen kaum höxbar und klanglos, die unscheinbaren oft schön klingen. Regel ist, daß sich die Intensität im größeren -Raume besser entwickelt, während sich die Größe im kleineren Rnume mehr bemerkbar macht. Diese Sätze sind dem großen Publicum nur wenig bekannt, es wird daher manchem schwachen Baß oder manchem dünnen Tenor, der sich da im kleinen Raum producirt, gesagt, er begehe ein Verbrechen an sich, wenn er seine Prachtstimme nicht verwerthe; unverständige oder gar gewissenlose Lehrkräfte, denen es nur um das Verdienen zu thun ist, bestärken einen solchen ״Stimmcrösus" vielleicht gar in dem ihm eingeimpften Wahne, und das Unglück ist fertig. Solch' ein bedauerlicher Mensch, dessen Stimme im großen Raume gar nicht hörbar ist, opfert nicht nur viel Geld, sondern gibt oft auch eine sichere Existenz auf. (Fortsetzung folgt.) Wegen UeberfnUc des Stoffes bleibt die Fortsetzung des Artikels ״Die sociale Stellung -es Inden in der Gegenwart" siir nächste Nummer. Kleine KHronik. Würzburg. Doppelt wohlthuend ist es, wenn hcutzutage aus nichtisraelitischen Kreisen Stimmen laut werden, die frei und offen für Juden und Judenthum cintreten. So sprach am vergangenen Mittwoch Herr Prof. Edel, kgl. Reallehrer, im polytechnischen Verein vor einer großen Versammlung fast 172 Stunden ״über die sociale und politische Stellung der Juden in Franken" mit großer Begeisterung. Er sagte ungefähr: Im Jahre 1119 werden die Juden in Würzburg zum ersten Male urkundlich erwähnt.׳ In diesem Jahre macht der Jude Jacob, ein Bruder Samsons und Nathans, einen Platz sammt dem darauf stehenden Hause, ״Lügerehlergatern" genannt, dem Kiliansstifte zinsbar. Aus den folgenden Urkunden des 12. Jahrhunderts ergibt sich, daß die Juden in rechtlicher Beziehung und mit Rücksicht auf den Erwerb liegender Güter den Christen gleichgestellt sind. Die Judengemeinde ist um diese Zeit in Würzburg schon sehr bedeutend. Sie besitzen jenen ' Theil der Stadt, der den heutigen grünen Mark mit der Mariencapette bis zum Kürschnerhof und die beiden Judengaffen, die heutige Schuster- und Augustinergasse, umfaßt. In der Judenverfolgung 1197 wird Rabbi Isaak als Lehrer von 21 Schülern erwähnt, was eine bedeutende Judengemeinde voraussetzt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Juden vom Schutz des Königs in den des Bischofs gekommen und zahlen demselben für die Gnade der Duldung 1000 Pfund Heller. Bald macht auch die Stadtverwaltung Ansprüche, die Juden mußten ihr 3 Pfund Wachtlohn jährlich entrichten. — Seit Rudolf von Habsburg erheben auch die Kaiser von den Juden 400 Pfund Schutzgeld, so daß dem Bischof nur 600 verbleiben. Die rechtlichen Verhältnisse der Juden um diese Zeit sind besonders aus der Diöcesansynode des Bischofs Wolfram׳ von Grumbach ersichtlich, welche die Juden in streng abgeschiedener Kastenabsonderung und unter der drückendsten Lage zeigt. Erst Bischof Johann von Egloffstein gelang es,, 1410 die Juden aus der Gerichtsbarkeit des Kaisers in seine eigene zu bringen. Einen Wendepunkt für die Verhältnisse der fränkischen Juden bildet die Diöcesansynode von Bamberg 1451, deren Bestimmungen vom Cardinallegaten Nicolaus von Cusa auch auf den Würzburger Sprengel ausgedehnt wurden. Seit dieser Zeit sind die Würzburger Bischöfe bestrebt, die Juden aus dem Lande zu schaffen und zu diesem Zwecke lassen sie selbst die bisher gezogenen Vortheile fahren. Es folgen förmliche Judenjagden, mit Schätzung ihrer Güter verbunden, aber erst Julius Echter von Mespelbrunn gelingt es, eine größere Anzahl derselben zur Auswanderung zu bewegen. Seit dieser Zeit ziehen viele Juden bald einzeln, bald in Familie ohne Heimat durch Franken, um als Bettler von Profession ihre Stammesgenossen verächtlich zu machen. Erst unter der baierischen Regierung beginnt sich die Lage der Juden allmälich zu bessern, bis nach vielen Seiten die Politische Gleichberechtigung derselben mit den Christen endlich erkämpft wurde. Wir sagen erkämpft, denn aus eigenem Antriebe von Seite des christlichen Staates wäre den Juden noch lange nicht diese Gleichberechtigung zu Theil geworden, obschon es die Pflicht der Menschlichkeit und Gerechtigkeit geboten Hütte, um einigermaßen die Sünden der Voreltern zu sühnen, die sie gegen die Juden verschuldet hatten. ״Hoffen wir," schließt der Redner wörtlich, ״daß man unserem Jahrhundert den Ruhm nicht schmälern werde, eine Pflicht der Menschlichkeit- und Gerechtigkeit anerkannt und erfüllt zu haben." Zum-Schluffe wollen wir noch bemerken, daß der Vortrag, wie uns Herr Professor Edel mittheilt, in Druck erscheint. Aufruf! An unsere College» und Freunde! Ein Theil des Werkes, welches wir zu Stande bringen wollten, ist vollendet: der ״Oesterr.-ungar. Cantorenverein" beginnt mit 1. Mai 1882 seine Thätigkeit. Wir sagen ein Theil und wollen damit aussprechen, daß noch Manches zu thun übrig ist, doch die Hauptsache ist beendet, der Verein ist gegründet und Aufgabe der Mitglieder desselben soll es sein, daß dieser Verein znm Heile und Segen für uns Alle werde, mächtig gedeihe und blühe jetzt und immer.. Und darum, College« und Freunde, lasset uns innig Zusammenhalten, fest und unlösbar, lasset Euch durch etwaige böse Einflüsterungen nicht irre machen, lasset uns zusammen weiter arbeiten, gemeinschaftlich für das Wohl der Ur^crigen Sorge tragen. Schließet Euch Alle, Alle, Fern und Nah nuferem Vereine an und wenn die Wohlthaten desselben vielleicht Manchem heute unbedeutend erscheinen mögen, die Zukunft erst wird es Jedem klar machen, welch' erhabenes, großes Ziel wir verfolgen und das mit Gottes und Euerer Hilfe rasch erreicht werden soll. Wien, im März 1882. Vom Comits des ״Oesterr.-ungar. Cantorenvereines" in Wien. S. Sulzer, Josef Goldstein E h r e n P r ä s e s. Präses. Berichtigung. In Nummer 12 vom 28. März a. c., Seite 4, soll es in der Rubrik ״Kleine Chronik", Zeile 7, statt שוחני richtig שוכני und Zeile 15 statt ״Autoren" ״Cantoren" heißen. — Govrresporröenz. An die geehrten Herren College n. Da in neuerer Zeit bei der Zustellung der ״Oesterp.-ungar. Cantoren- Zeitung so häufige Unregelmäßigkeiten platzgegriffen, so bitten wir, uns sofort, ohne zu frankiren, nur mit der Ueberfchrift ״Zeitungsreclamation" dies gefälligst anzuzeigen, nachdem wir ״regelmäßig" expediren und der Post übergeben, welche einzig und allein Schuld trägt, wenn Blätter verspätet oder gar nicht anlangen.

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