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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-28 · Heft 12 (28.3.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (28.3.1882)
Date
1882-03-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— <6 — e u tt X* 6 t o n ־ ־־• ־ י׳ ׳• ־ •־ . ל־ ■-־־״•׳•■׳■ ׳ Jehuda den Halem. Historische Erzählung-von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebcrsetzungsrecht Vorbehalten ) 1. Fortsetzung. - Jetzt steht sie vor der Thüre ihres Hauses .und jetzt erlahmt die übernatürliche Kraft, welche in dem Körper dieser Frau gewohnt hatte. Ihre Kniee wanken und;mit beiden Händen klammert sie -sich an die Pfosten der Thüre, . während ihr Kopf schwer auf die Mesusa auflehnt, die dörtselbst befestigt ist. Sie getraut sich nicht einzutreten. Findet sie in dem Gemache, welches sie vorher verlassen, den to-dten Sohn oder den lebenden, wie ihr jene geistige Stimme im Bet- Haufe zugerufen? . Da wird die Thüre geöffnet und die arme Mutter schlägt den Blick auf. Und wie sie hinschaut auf's Krankenbett, auf's Todtenlager, da sieht sie die blondgelockte, kleine Rebekka in der Nähe des Bettes sitzen und in diesem liegt Jehuda mit offenen Augen, athmend, lebend. ״Jehuda!" Dieser einzige Ton war es, der über ihre Lippen kam, dann schloffen sich ihre Augen und kraftlos brach sie in sich selbst zusammen. Und der zum Leben wiedererwachte Jehudn richtete seine Augen dem Himmel zu und mit einer Stimme, die aus der änderen Welt zu kommen schien, begann er zu sprechen. Es war eine unendlich klagende, wehmüthige Stimme und klagend wehwüthige Worte waren es auch, welche immer und immer wieder über die Lippen des bleichen Jünglings drangen. ״Zion! Du fragst nicht nach dem Wohl der Deinen, Die an Dich denken und gefesselt weinen. Wenn auch ver'prengt, es grüßt Dick Deine Heerde Bon Ost und West, von Nord und Süd der Erde." Was war das für ein Gesang? Niemand ans der Gemeinde hatte diese Worte noch gehört und aufmerksam, andächtig lauschen sie Alle, die aus dem Bethause hiehergeeilt waren, diesen wundervollen Worten. Und immer und immer wieder wiederholte Jehuda diese Worte. Es war der Beginn jener unsterblichen Elegie, die damals erst im Entstehen begriffen war, es war die erste Strophe zu der so berühmten ״Zionade", die noch heutigen Tages an! 9. Ab in allen Tempeln Israels gesungen wird, — gedichtet von diesem so wunderbar dem Tode entrückten Jünglinge, dem später hochberühmten — Jehuda ben Halevi! 3. Ein Verbrechen. Jene Zeit, in welcher unsere Erzählung handelt, es war um das Jahr 1101, hatte der Civilisation und dem menschlichen Sittengesetze noch so wenig abgelauscht, noch so wenig abgerungen, daß sie fast ausschließlich nur von Rohheiten und Gewaltthaten aller Art Zeuge war. Ausschweifungen und ungezügelte, leidenschaftliche Ausfchreitungen standen auf der Tagesordnung und kaum ein Tag verging, an dem nicht neue Schandthaten erzählt wurden. -l-7״ ׳'f Hauptsächlich/ ׳ waren es die׳ Patrizier, ׳vielche׳ än dem Marke des Bürgers, :zehrten und: durch ihre Frevelthaten berüchtigte Namen erwarben. ' - - , ''.'יי ׳ /In einem .Schankhause auf׳ dem Marktplatze von ׳Toledo hatte sich eine Gesellschaft toller, zügelloser - Edelleute- Äst gefunden, welchedie Macht zum Tage machten und wacker darauf loszechten.; ■־.v5;־ -; Gar manche Kanne.Wein war schon geleert und noch wollte dem Zechen kein Ende gemacht werden. ״ ־Hört!" rief plötzlich einer von ihnen — c& war Hugo von Crema mit weinschwerer ׳Zunge, ״wir haben heute des Nectars genug verkostet, lasset uns jetzt diese Müde verlassest und versuchen, nach Bacchus auch der Venus ein wenig •jtt,־ fröhnen." ״Ei, fürwahr, er spricht wie Cicero," entgegnete Cenciy Montecasso; ״suchen wir dieses vielbegehrte Glück auf. — Oder noch besser, warum uns mit Suchen befassen, ich glaube, Ihr kennt den Gegenstand, dem wir unsere Huldigungen darbringen wollen, vollkommen/ Und wenn ich den Namen nenne, so seid Ihr gewiß einverstanden." ' ״Lass' hören!" ״Kennt Ihr die schöne Sarah, das Weib des Juden, der uns sein Geld leiht, wenn das unsere den Weg alles Fleisches gegangen ist, was wohl leider nur zu häufig .vorzukommen pflegt? Doch, Unsinn, was frage ich noch, wer von Euch Hütte diese großen schwarzen, so begehrlich d'reinschauenden Augen, .die in der Nacht gleich Gtühkäfern leuchten, nicht gesehen? Wer von Euch hätte sich nicht schon hundertmal gewünscht, diesen kleinen Purpurmund mit seinen zwei Reihen weißer Perlenzähne zu küssen und wieder zu küssen und so fort bis in alle Ewigkeit? — Ei, was soll ich Euch beschreiben, Euch, die Ihr dies Ebenbild weiblicher Schönheit und Tugend kennt. — ״Hört meinen Plan! Ihr sindet sie jedenfalls ebenso begehrenswerth, wie ich und deshalb soll sie Demjenigen zufallen, der sie gewinnt und alle Andern müssen ihr Wort geben, getreulich mitzuwirken, um den Glücklichen zu seinem Treffer zu verhelfen, ob durch List, ob durch Gewalt, gleichviel! Seid Ihr einverstanden?" ״Einverstanden!" jubelten sie Alle, diese betrunkenen Edelleute. Und sie machten sich an's Werk, diese Elenden, an's Werk, dessen Ziel das Elend mehrerer Menschenleben, die Zerstörung eines reinen, glücklichen, vom Hauche des Lasters noch nnberührten Familienlebens sein sollte. Schwarze Kugeln wurden' in einen leeren Weinstechcr geworfen, darunter eine weiße gemengt und das Spiel um Glück und Ehre einer Frau begann. Ein Ausruf des Fluches und der Verwünschung folgte jedesmal, sobald eine schwarze Kugel gezogen wurde, den auch regelmäßig ein homerisches Gelächter der Anderen begleitete; endlich kam die weiße Kugel zum Vorschein und anfjubetten sie Alle. ״Hab' Dank, Frau Fortuna!" frohlockte Derjenige, dem der Treffer zugefallen war; es war Graf Guido von Burgund, Erzbischof-von Vienne-in Frankreich; ״Hab' Dank, daß Du mir die Palme des Sieges zuerkennst, es soll mein letztes Abenteuer sein als lustiger Cavalier, denn wisset, Freunde, der Zweck unserer heutigen Zusammenkunft ist der, Euch mitzntheilen, daß ich von jetzt an gezwungen

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