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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-28 · Heft 12 (28.3.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (28.3.1882)
Date
1882-03-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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bin, endlich nach Frankreich zurückzukehren und mein Amt ׳anzutreten, dort ein beschauliches Leben zu führen. Oh! ohne .Sorgen, Freunde, ich muß der Welt entsagen, nicht aber — ihren Freuden und Genüssen. Also tröstet. Euch, und ich hoffe .Euch dereinst als Herrscher der Christenheit meinen brühwärmen׳ Segen übersenden. zu können. Und wenn ich auch kein Papst werde — Bischof bin ich jedenfalls schon heute. Dank meinen glorreichen Ahnen und Dank dem Papste in Rom, der mehr auf einen Haufen Gold als auf ein in Schweinsleder gebundenes Brevier sieht und folglich bin ich auch ein ordentlicher Pfaffe, der die Güter dieser Erde vollkommen zu würdigen versteht, weil sie eben dazu geschaffen wurden, um arme Sterbliche zu beglücken, zu erquicken. ״Und darum freut es mich doppelt, daß dieses pieante Abenteuer gerade mir von der Glücksgöttin übertragen wurde." Und die Cavaliere verließen die Schänke, bogen nach rechts über den Marktplatz hinüber, um in jenen Theil der Stadt-zu gelangen, welcher den Juden zum Aufenthalte diente. v ■feodj hatten sie nicht besprochen, wie sie ihren schändlichen Plan ausführen wollten, als ihnen der kupplerische Zufall selbst zu Hilfe eilte. ״Seht!" rief einer Wüstlinge, ..dorr läuft uns das Wild entgegen, nach dem wir unsere.Netze auszuwerfen gedachten." Und in der That, Sarah, das Weib des Juden Jochai Carmo, kam eiligen Schrittes den Nachtschwärmern entgegen. ״Verschwindet jetzt!" rief der Graf von Burgund mit leiser Stimme, ״damit mein Treffer nicht verflüchtet." und alsbald befand er sich allein aus der Straße mit der-schönen Sarah. ״Wohin so eilig! schöne Frau, zu solch' nngewohnter, später Nachtstunde?" — redete er Sarah an. ״Darf ich Euch das. Geleite geben?" ׳ ״O! laßt mich, edler Herr, meines Weges ziehen, ohne Aufenthalt; mein armes Kind ist zu Hause plötzlich krank geworden und eilig muß ich Hilfe holen, soll mir mein Kind in Hitze nicht vergehen, soll ich das Aergste nicht befürchten." ״Und warum geht Ihr so allein, so ganz allein zu solch' später Nachtstunde? Warum begleitet Euch keine Magd oder warum bleibt Ihr nicht bei Eurem Kinde und Euer Mann holt Hilfe? ׳ ״Mein Mann! das ist ja eben das Unglück, er ist nicht hier, befindet sich auf Reisen, er sollte heute wieder zurückkehren, er kommt vielleicht erst morgen." ״Wie? Ihr habt keinen männlichen Schutz in Eurem Hause?" ״O! doch, meines Mannes Bruder wacht auch bei meinem Kinde. Elieh Carmo. versteht sich etwas auf die Heilkunde und wird wohl eher, wenn es meinem Kinde schlechter gehen sollte, was Gott behüten möge, das Geeignete Vorkehren — denn ich. — Aber jetzt, Herr, haltet mich nicht länger auf." ״Arme Frau," sagte der Graf, ״das Unglück sucht Euch schwer heim. — Habt Ihr nicht den Namen Carmo genannt?" ״Es ist der Name meines Mannes." ״Dann seid Ihr doppelt zu bedauern!" ״Zu bedauern, weil Carmo mein Gatte ist, und weshalb?" ״Sagt, ist es Euch nicht aufgefallen, mich hier in diesem Viertel zu treffen? ״Ich wollte Eure Behausung aufsuchen, um Euch eine Mittheilung zu machen, welche gewiß nicht dazu angethan ist, Euer Herz mit Freude zu erfüllen." ״Mein Gott, was sollen Eure, seltsamen Worte, Herr?, Was habt Ihr mir zu künden? Sprecht!" ״Ich will's Euch sagen, schöne Frau, doch erschreckt nicht. Jochai Carmo — ist — heute — von seiner Reise — zurück . . . ." ׳ ״Zurückgekehrt?" sagt Ihr; ״wo ist er? Warum kommt er nicht zu seinem Weibe, zu seinen Kindern? O, sagt's! Foltert mich nicht länger." ״So hört, arme Frau. Euer Gatte kam wohlgemuth heute gegen Abend in Toledo an, da plötzlich wurden die Pferde eines Wagens scheu, Jochai Carmo konnte nicht schnell genug ausweichen und wurde von den Hufen der Rosse zu Boden getreten,' ich glaube die Verletzungen sind sehr gefahrlicher Natur und wenn Ihr Euch nicht sehr beeilt, so —" ״So sehe ich ihn nimmer lebend wieder" -- schrie die getäuschte Frau mit bebender Stimme — ״und -woist er, mein Gatte?" ״Er befindet sich in guter Pflege in meinem Hause,.? im Hause des Grafen Guido von Burgund, des Erzbischofs von Vienne." ״Eilt, führt mich zu ihm, edler Herr, und Gottes Lohn sei Euch für diese edle That." Ein ironisches Lächeln umzog den Mund des Grafen Und Beide eilten vorwärts. Und sie, die Getäuschte, sie hörte nicht das übermüthige, höhnische Gelächter der zurückgebliebenen Edelleute, sie hörte nicht die Spottreden und unfläthigen Witze dieser Elenden, sie ließ sich willenlos, fast bewußtlos führen, sie betrat ohne Zögern das Haus des Grafen, des Erzbischofs, der sorgfältigdie Thüren hinter ihr verschloß. Sie merkte es nicht. Als sie eintrat, suchten ihre Augen nur Einen. ״Wo ist mein Gatte? mein Jochai?" — fragte sie, mit Hast sich überall amschauend. ״Euer Gatte? .... Schöne Sarah, der bin ich heute," erwiderte triumphirend der Wüstling. ״Ach, mein Gott! Wo bin ich hingerathen?׳ rief Sarah, bleich vor Entsetzen, ״in welche Falle bin ich Leichtgläubige gegangen?'׳ Das Entsetzliche ihrer Lage erkennend, fiel sie mit dem Ausrufe: ״Mein Gatte, meine Kinder, ich bin unrettbar verloren!" — ohnmächtig nieder. —-—- Der Mond mit seinem fahlen Lichte beschien die arme Unglückliche, die nach langem, vergeblichem Ringen, mit bleichen Lippen, mit schlotterndem, hinfälligem Gange, mit irren, glanzlosen Blicken das Haus des Verbrechers verließ. 4. Der neue Papst. Es war im Monate Juli des Jahres 1119. Wunderherrlich und schön war die Sonne aufgegangen ׳, immer höher stieg sie am Horizonte empor und immer heißer und immer drückender wurden ihrer Strahlen Wärme. Das fühlten nur zu sehr jene beiden Wanderer, die auf der staubigen, einsamen Landstraße dahinschritten, sich zeitweilig das Gesicht vom Schmeiße trockneten und dann rasch ihren Weg weiter fortsetzten. Eine bedeutende Strecke mochten die Beiden wohl schon zurückgelegt haben, das zeigten ihre beschmutzten Kleider und Schuhe, das zeigte auch ihr müder, immer langsamer werdender Gang. (Fortsetzung folgt.)

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