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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-20 · Heft 11 (20.3.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (20.3.1882)
Date
1882-03-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Eine Kinderstinnne soll nur mit der größten Vorsicht behandelt werden; dieselbe darf über die vorhandenen Grenzen nicht erweitert, forcirt werden, da dieselbe, besonders wenn man deren Höhe, Kopflage, allzu sehr entwickelt, für die Zeit der Mannbarkeit zu Grunde gehr. Es entwickelt sich in einem solchen Falle allerdings eine oft schätzbare Höhe, jedoch auf Kosten der Mittelloge, welche dadurch zerstört wird. Eine solche Stimme hat dann Höhe und vielleicht auch Tiefe, entbehrt jedoch der diese Grenzen verbindenden Töne, welche wie wir später sehen werden, die nothwendige Basis zur Bildung einer Stimme für den großen Raum und überhaupt einer guten Stimme bilden. Während der Mutationszeit zu singen, ist gefährlich, es wird das Stimmorgan leicht in einem gewissen Sinne zerstört, und ein Organ, das vor oder während seiner Entwicklung zerstört wird, bleibt zerstört. Wir haben schon in dem anatomischen Theile unserer Nachrichten über die Stimmorgane mitgetheilt, daß die Stimmbänder verschiedene Dimensionen haben und daß davon die Höhe oder Tiefe der Stimme abhänge. Die Stimmorgane sind nämlich, im Gegensätze zu der früheren Anschauung, der zufolge man dieselben für ein Blasinstrument hielt, ganz einfach einem Saiteninstrumente zu vergleichen. Eine längere Saite wird bei gleicher Spannung einen tieferen Ton geben, als eine kürzere und können hinwieder mit kürzeren Saiten entsprechend höhere Töne erzeugt werden, als mit längeren. Ebenso werden Kinder und Weiber mit ihren 9 bis 11 m/m. langen Stimmbändern leicht höhere Töne erzeugen, als die Männer, deren Stimmbänder 13 bis 15 w/m. lang sind. Diese angeführten Dimensionen stehen in einem natürlichen proportionalen Verhältniß und daher klingen die Kinder- und Weiberstimmen um eine Octave höher, als die Männerstimmen. Die Kürze der Stimmritzen überhaupt macht die Thatsache zu einer erstaülichen, daß der Umfang der menschlichen Stimme — die Sopran- bis zur Baßstimme in die Berechnung einbezogen — ein so großer ist. Wie wir schon augedeutet, zerfällt die menschliche Stimme in zwei Hauptgattungen, in die weibliche (kindliche) und in die männliche; die Erstere wieder in Sopran- und Alt-, Letztere in Tenor- und Baßstimme: jede dieser Hauptgattungen wird durch die Länge der Stimmbänder an der Ritze, also durch die Länge der Stimmritze bedingt. (Forts, folgt.) Die sociale Stellung des Luden iu der Gegenwart. Von Adolf Rotrer. V. Betrachten wir nun die Stellung des Juden, speciell in unserem Vaterlande, in Oesterreich. Wenn der Oesterreicher sein Vaterland liebt — und ״er hat Ursache, es zu lieben" — so könnte dieses Wort in seiner ganzen Bedeutung vom Juden gelten. Ist doch dieses schöne Land wie kein zweites geeignet, seine Bewohner glücklich zn machen! Unsere Verfassung hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestandes so sehr eingelebt, daß sie bereits zum Gemeingute Aller geworden. Das Recht, welches sie verbürgt, hört täglich mehr auf, blos auf dem Papier zu stehen, es hat Fleisch und Blut angenommen und gewiß schon daran müssen wir ihre Festigkeit erkennen, wenn wir sehen, wie schwer es den Gegnern derselben wird, sie aus den Angeln zu heben. Und wird der Jude dieser gewährleisteten Rechte sim vollen Maße theilhaftig? Die Oeffentlichkeit ist ferner bei uns eine Macht geworden, die durch ihr Auftreten unser Erstaunen erregt. Welche Fülle von Geist wurde durch Freigebung der Presse auf den Lebensmarkt gebracht! Welche Größen werden hier in der Schmiede geistigen Schaffens herangebildet! Die freie Dresse ist die Vermittlerin und Interpretin sämmtlicher Erscheinungen aus dem mannigfachen Gebiete der Zeitgeschichte und der Wissenschaften einerseits und der schaffenden Kraft der großen Menge anderseits. Und nicht nur, daß es dieser Macht in solch' kurzer Zeit — was sind dreißig Jahre in dem Leben eines Volkes — gelungen ist, ein erst frei gewordenes Volk für die Errungenschaften unserer Zeit empfänglich zu machen, es war dieselbe Macht, die diesem Volke auch die politische Erziehung, die es heute in der That besitzt, übermittelte. Wenn heute der Oesterreicher das Recht der persönlichen Freiheit für sich geltend macht, wenn er wenigstens vor den: Gesetze alle Bürger gleich gestellt sieht, so dankt er dies zum größten Theile der Presse. Denn sie ist es, die ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Menge, der Allgemeinheit, mithin auch des Staates besitzt; sie führt aber auch eine beredte Zunge, um die gerechten Anforderungen derselben Allgemeinheit auch dort geltend zu machen, wo die Macht der Gewohnheit eine scheinbar unüberwindliche Schranke von Vorurtheilen aufgehäuft hat. Und merkwürdig genug, dieselbe Presse hat es verstanden, vielleicht gerade in der Erkenntniß ihrer Macht, sich von Auswüchsen niedriger Art fern zu halten. Frei steht die Presse in Oesterreich da, frei in dem Sinne, daß sie das öffentliche Leben mit aufmerksamen und, man muß gestehen, auch mit verständnißvollem Blicke bewacht, der Heuchelei und Tartüfferie, wo und wie sie sich im öffentlichen Leben blicken lassen, die gleißnerische Maske vom Gesichte reißt und sich weder im Dienste beschränkten Muckerthums entwürdigen, noch zum Ablagerungsorte der ebronniuo seandaleuse prostituiren läßt. Nur in Einem hat es die Presse bis heute noch nicht ehrlich versucht, die Menge, die sie ja so gut zu leiten versteht, auf das Unrecht aufmerksam zu machen, das täglich. Tausenden von Mitbürgern und darunter auch solchen, die ihr als treue Kämpen zur Seite stehen, zugefügt wird. Oder sollte es genügen, uns damit zu vertrösten, daß ja die ״Ritter vom Geiste" über solch' überwundene Standpunkte längst ״hinaus" sind? Liegt für den Juden vielleicht darin eine Beruhigung oder wird die ihm zugefügte Unbill dadurch geringer, daß es nur die sogenannte Menge ist, die den Judenhaß cuttivirt? Angenommen, aber nicht zugegeben, daß dem so. wäre, dann hätte die jüngste Geschichte unseres Vaterlandes den Beweis erbracht, daß -im Zeitalter der Majoritäten die Menge nicht gewogen, sondern gezählt wird. Und wer wollte dieser Theorie Beifall zollen? Die Mythe des ״ewigen Juden", sie wird ihre Lösung finden, bis die Menge dahin geleitet wird, wo das reine Princip der ״Menschheit" in seiner Vollkommenheit auf einer Höhe thront und wo der Mensch in dem Menschen nur den Menschen suchen und finden wird. ' ' Zu diesem Ziele zu führen vermag nur die Presse. Das zündende Wort, vom Herzen und darum zum Herzen gesprochen, es könnte keiner besseren Sache dienen, der erlösende Gedanke einmal nachdrücklich zum Ausdrucke gebracht, er würde, gleich

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