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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-12 · Heft 10 (12.3.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (12.3.1882)
Date
1882-03-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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die ״GazeLa Narodowa", deren Chefredacteur die Leuchte, der 'Synode mit einer feierlichen Ansprache aufdem Bahnhöfe empfangen und sodann über die politischen Bestrebungen der ״altjüdischen Partei" interviewt hat, sich zu der diplomatischen Erklärung aufrafft, daß nur derjenigen Judenfraction eine wirksame Unterstützung von Seite der andersglarchigen Landesbewohner zu Theil werden soll, welche die Initiative zur Polonisirung der jüdischen Gemeindeämter ergreifen wird. Voilä tont! Das großmüthige Anerbieten des Pan Dobranski wird erst dann verständlich, wenn man erfährt, daß die Sitzungsprotocölle des Rabbinentages, auf welchem in einem für ein profanes Ohr ganz unverständlichen Kauderwälsch verhandelt wurde, polnisch, ja wahrhaftig— man lache nicht! — in einem echten Polnisch abgefaßt sind. Von den Theilnehmern des Concils ist freilich kein einziger der Sprache Piast's und Jagello's mächtig, das verschlägt aber nichts, wenn sich nur zwei gleichgesinnte Seelen, wie es die Herren Schreiber und Dobrzansky zweifelhaft find, verständnißinnig zusammengefunden haben. Aufruf! Aus Ungarn erhalten wir das Schreiben eines Colleqen, welcher uns mitthcilt, daß er von seiner Gemeinde ciuen 14tä'gigcn Urlaub behufs dringender Angelegenheit erhalten habe. Nachdem er jedoch in Folge Krankheit diesen Urlanb um 5 Tage überschreiten muhte, wurde er sofort von allen Functionen und zugleich seines Postens enthoben. Die Folge hievon ist, daß College St. mit Frau und sieben Kindern nicht einmal die nöthigen Mittel besitzt, um sich Brod zu kaufen. Dies sind die so gerühmten Zustände in Ungarn. Schnelle Hilfe ist nöthig, um diese Familie dem Verderben zu entreißen. Die Nedactiom Abonuementsetnlavung. Mit 1. April a. c. beginnt das II. Quartal dieses Jahrganges und eröffnen wir demnach auch ein neues Abonnement auf die .,GestevxsttnQav. GcrnLoven-DeiLrrng Der Abonnementsprcis beträgt : Für Wien, Umgebung und Provinz: Ganzjährig ..... st. 6.— Halbjäbrig ..... fl. 3.— Vierteljährig.... st. 1.50 Für das Älusland: Ganzjährig.fl. 7.— Halbjährig . .... fl. 3.50 Vierteljährig . ... fl. 1.75 incl. Zustellung in's Haus. Pie Uedaction. A y i s o. In nächster Nummer beginnen wir mit der Veröffentlichung einer hochinteressanten historischen Erzählung unter dem Titel: JeHuda ben Katern aus der Feder des bekannten Schriftstellers Ad. v. Z em l i n s z k y. Die Redaktion. Howesponöenz. College S. D. in W. Ihr Alter schließt Sie nicht aus. Im §. 2 steht 1%, welche Sie jedoch irrthümlich für 10°/o gelesen haben. College H. U. in W. Ihre beiden Artikel langten nicht ein. College M. B. in B.-Csaba. Wir haben die Nr. 9 pünktlich cxpedirt nnd ist es nur Verschulden der Post. Betreffs Ihrer Anfrage, wollen Sie uns nähere Daten geben, wie Quantum,' Preis und womöglich einige Muster übersenden, wir Höffen dann Absatz zu finden. College A. Sch. in P. Bitte den heutigen Leitartikel ״zur Statutenfrage" zu beachten. Nach .zurückgclegter lOjähriger Dienstzeit" muß dahin verstanden werden. Laß der Betreffende bereits 10 Jahre dem Vereine angehört. e u Mioion Die Tochter des Chasan. Original-Erzählung aus vergangenen Tagen von Ad. V. Zemtinszky. (Alle Rechte Vorbehalten.) 9. Fortsetzung und Schluß. ״Du weißt nicht, Rafael, was es heißt, in der Brust eines armen Blinden derartige Hoffnungen zu erwecken, die sich nimmer erfüllen.-- Doch es sei. Ich wäre ja dann so namenlos glücklich, — ich könnte die ganze, große Allmacht Gottes wieder sehen, meine Kinder — Dich — nur sie nicht," sagte er leise. Und das Gemach des Chasan wurde sorgfältig verwahrt und verschlossen, daß Niemand sich demselben ungerufen nahe, daß. kein Lichtstrahl in dasselbe dringe. Und viele Tage vergingen in Angst und Spannung und der Tag war endlich herangekommen, welcher die Entscheidung Der Schnee im Gebirge war theilweise geschmolzen, die Wege fahrbar geworden und Rafael schrieb an seine Angehörigen: ״Kommt Alle hieher nach Prag, Gott ist mit mir." Und sie hatten sich aufgemacht und waren in's Prager Ghetto gekommen und hatten das Haus des Chasan betreten, — sie, die drei Frauen. Und jetzt weilten sie in einem vom Gemache des Blinden abseits gelegenen Stübchen — harrten mit Angst der Entscheidüng. Die Thüre öffnete sich und Rafael trat ein, todtenbleich, mit fieberhaft glänzenden Augen, doch mit vor Freude und Glück stolz erhobenem Haupte. ,-Ich bin vorausgeeilt," sagte er mit vor Aufregung zitternder Stimme, ״um Euch zu sagen, daß Gott das Füll- Horn feiner Gnade über dieses Haus ausgeschüttet. Doch leider muß ich Euch mittheilen," sagte er zu Rosa gewendet, ״daß jede Aufregung ihn tödten würde und. darum — dürft — Ihr ihn nicht sehen." ״Ich wußte es. ja," sagte sie schmerzlich und verließ das Haus des Chasan. Seit mehreren Tagen war die Operation vorüber. Rafael befand sich bei dem Kranken. ״Siehst Du," sagte der Chasan schmerzlich, ״Deine Vorhersagung ist nicht eingetroffen." ״Wer sagt Euch dies, Meister?" ״Wer es mir sagt? Mein Gefühl. Wäre ich nicht blind, müßte ich doch sehen und ich sehe nicht." ״Ihr könnt nicht sehen, weil Ihr eine Binde vor den Augen habt, doch will ich diese entfernen," und langsam, vorsichtigbefreite Rafael die Augen des Chasan von ihrer Umhüllung. ״Licht!" schrie der Chasan mit markiger Stimme,— ״Licht, Licht, strahlendes Licht, — ich sehe, — die Nacht ist gebrochen. Allmächtiger, ewiger Gott in hohen Himmelsregionen, nimm gnadenvoll den Dank auf, der einer armen, fiebernden Menschenbrust entströmt. Allbarmherziger Gott, der Born Deiner Gnade ist unerschöpflich." Und der Chasan Schlome Meir sank zurück in seinen Lehnstuhl — seine Augen schlossen sich — er schlief. — Und leise entfernte sich Rafael--aus dem Gemache. —

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