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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-12 · Heft 10 (12.3.1882) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (12.3.1882)
Date
1882-03-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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lieber das Resultat der Wahl werden wir אי״ה Mittheilung machen. ' Gr.-Karrisza. (Orig.-Corr.) Die Freudengrüße an dieses geschätzte Blatt sind beendigt. Die Scheelsucht einiger Gegner scheint auch schon vernarbt zu sein und die dargebotene versöhnende Hand wird einen neuen Ausbruch verhüten und uns in Liebe und Eintracht zusammenführen. Eifrig schreitet der Cantorenvercin seinem Ziele entgegen, er wird, er muß es erreichen. Jedes gemeinnützige Vorhaben, jedes wohlwollende Unternehmen ist, wenn auch nach langen Widerwärtigkeiten, noch immer von seinen beschämt zurückweichenden Kämpfern siegreich hervorgegangen. Zu den schönsten Aufgaben dieses Vereines gehört wohl auch die, für die Anerkennung der mannigfachen Verdienste unserer geehrten Collegen einzutreteu und sie schon des nachstrebenden Beispieles halber kräftigst zu fördern. Gestatten Sie mir daher, geehrter Herr Redacteur, eine solche einem unserer würdigsten Herren Collegen bevorstehende Anerkennung hier in Anregung zu bringen. Herr David K o h n, Obercantor in Arad, feiert am 4. April d. I. א' דפסד־ו s e i n 25j ä h r i g e s A m t sj u bi l ä u m. Es genügt wohl diese einfache Bekanntgabe, um einen tausendstimmigen Ehrengruß aus allen Gauen des In- und Auslandes, von Gemeinden, Collegen und Kunstfreunden zur Huldigung des Jubilars hervorzurufen. Allein, Herr David Kohn verdient in Anbetracht der eminenten Vorzüge, die er nebst den hervorragenden Eigenschaften als Fachmann noch als wahrer Mensch in der moralischen Bedeutung des Wortes besitzt, besondere Anerkennung. Ich bin nicht berufen, meine Feder ist auch zu schwach, die glänzenden Verdienste dieses ״Sangmeister David's" aufzuzählen, aber eine 25jährige Functionszeit in einer der muster- Haftesten Gemeinden des Vaterlandes liefert den schönsten Beweis für die ausgezeichnete Wirksamkeit nnd für die ehrenhafte, seinem Berufe würdig entsprechende Lebensweise dieses werthgeschätzten Collegen. . Die Großgemeinde Arad, die stets die Verehrung und Hochachtung ihrer Beamten gewahrt, wird wohl in reichlichem Maße Alles aufbieten,, um die Verdienste eines ihrer, vorzüglichsten Beansten in würdigster Weise anzuerkennen. HLllfiirgfors. Die Geistlichkeit beantragte im . Landtage die Verleihung des Bürgerrechtes an eingeborene Juden. In Südrußland taucht eine neue Judensecte auf, welche die Abschaffung der מילה der Sabbathfeier und der Speisegebote wünscht. Um das Maß voll zu machen, soll auch die Mischehe eingeführt werden. Jostrow. Vor dem Landgericht zu Schneidemühl standen 12 Personen, die bei den Ruhestörungen gegen die Juden dahier betheiligt waren. Zwei erhielten-1 Jahr, resp^-9 Monate Gefängniß; die Uebrigen geringere Strafen: — Ein Arbeiter welcher jüdische Kaufleute in Motylewo durch den Ruf: ״Hepp, hepp, auf nach Palästina" beleidigt hatte, war zu 9 Mark Strafe, eventuell 3 Tage Haft verurtheilt worden. Die gegen dieses Urtheil eingelegte Berufung wurde verworfen. . Kaiserslautern. Die Schächtereifrage hat bekanntlich Hier die städtische Verwaltung, die Bürgerschaft und die Presse wiederholt beschäftigt. Neuerdings hat nun Herr Bezirksthierarzt Bauwerker von hier eine ״demThierschutzvereine gewidmete Brochure" herausgegeben über ״Das rituelle Schächten der Israeliten im Lichte der Wissenschaft." und diese Schrift hat, wie der-״Stadtanzeiger" berichtet, den praktischen Erfolg gehabt, daß, obwohl der hiesige Stadtrath sich in der Frage noch nicht definitiv schlüssig machen konnte, Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg dahier in so ferne präjudieirend eingriff, als derselbe sich nun persönlich von den Vorgängen beim Btutauffangen geschlichteter Thiere im hiesigen Schlacht- Hause überzeugte und dann die Aufsaugung des Blutes verboten hat. London. Eine große Anzahl von jüdischen Flüchtlingen, welche sich über die russische Grenze gerettet haben, ■ ist aut 10. d. M. aus Hamburg in Liverpool angekommen, um von hier nach Amerika sich einzuschiffen. Es sind 250 Männer und Frauen, welche dem Handwerker- und Ackerbauftande angehören. Dieselben führten 95 Kinder und Säuglinge mit und werden mit dem Dampfer ״Illinois" nach Amerika sich einschiffen. Als man sie fragte, ob Jemand von ihnen Zeuge der Mordthaten gewesen, wie sie in den Londoner Blättern erzählt wurden, antworteten fast alle Flüchtlinge bejahend und 42 Personen hielten die Hand empor, wie um feierlich zu bestätigen, daß sie Zeugen von Ermordungen und Schändungen von Frauen gewesen seien. Ein Jude aus Kiew erzählte, daß eine Anzahl nackter Frauen nnd Mädchen von ihren Verfolgern durch die Straßen gepeitscht wurde, während die Soldaten ruhig zusahen und keine Miene machten, den Pöbel zurückzuhalten. Der Erzähler sagte,. er habe diese Scene vom Dache eines Hauses aus beobachtet. Ein anderer Flüchtling aus Kiew erzählte, er wisse, daß man einen jüdischen Mann betäubt und dessen Frau entehrt habe. Einer der Flüchtlinge, ein hübscher Mann von 23 Jahren, erzählte, er sei ein Soldat und mit seinem Regimente in dem Orte Nikolajew gestanden, wo gleichfalls Plünderungen der Juden stattfanden. Natürlich drängte es ihn, als Glaubensgenossen, den Bedrängten beistehen. Aber der commandirende Officier befahl ihm, sich nicht zu rühren und so mußte er stummer Zeuge sein, während seine Glaubensgenossen beraubt und geplündert wurden. Auf die Frage: ״Empfindet Ihr für den Czar Verehrung und beobachtet Ihr getreu die Gesetze von Rußland?" erhob sich ein lauter einstimmiger Ruf: ״Ja". Ein alter Mann trat vor und sagte, er habe in der kaiserlichen Armee Rußlands 20 Jahre gedient, drei Medaillen erhalten und sei im Dienste verwundet morden. Die Flüchtlinge erklärten, daß zu Hause in den Synagogen für den Czar gebetet werde, von welchem man glaube, daß er keine der verübten Gräuelthaten kenne. London. Herr Eduard Heneage (Christ) hat der jüdischen Gemeinde Grimsby einen Bauplatz zur Errichtung einer Synagoge geschenkt. ״■־־־ London. Die ״Times" macht die Mittheilung, daß die Consularberichte, welche das auswärtige Ministerium im Begriff stehe,׳ zu, veröffentlichen, keine Fälle Nachweisen, in denen die gemeldete Schändung von jüdischen Frauen und Mädchen wirklich klar bewiesen worden ist. Dagegen seien die Beweise über die Gewaltthätigkeiten der allerschlimmsten Art gegen Leben und Eigenthum klar und umständlich, sowie: auch darüber, daß, wenn die Behörden die nöthigen Vorkehrungen getroffen hätten oder mit dem erforderlichen Ernst und Nachdruck eingeschritten wären, all' die verübten Gewaltacte und Grausamkeiten auf einen׳ sehr geringen Umfang hätten beschränkt werden können. Die in Rußland zurückbleibenden Juden seien sehr zurückhaltend und ungeneigt, volle Auskunft

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