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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-12 · Heft 10 (12.3.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (12.3.1882)
Date
1882-03-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Musikbriefe. Von Obcrcantor Hermann Gold st ein. . UEr die menschliche Stimme rmS deren AMVendnng. (Fortsetzung.) . Die Lunge ist eines der wichtigsten Organe für den Lebensproceß und sind deren Functionen sür den Sänger von dem größten Interesse. Bergsteiger und Sänger nehmen dieses Organ in großem Maße in Anspruch und haben Letztere alle Ursache, eine zweckentsprechende Uebung, besonders Anfänger, mit demselben vorzunehmen, um ein verläßliches und ausdauerndes Hilfs- Werkzeug zu erhalten. Eine solche Uebung ist das Tiefathemholen, welches am besten in den Morgenstunden in reiner Luft vorgenommen wird. Man streckt zu diesem Behufe die Arme mehrmals kräftig aus, um dann drei- bis viermal langsam und tief Athem zu holen. Ein Zuviel in dieser Beziehung wirkt eben so schädlich wie jedes Zuviel; es entsteht da möglicherweise Lungenemphysem, eine oft schwere Krankheit, bei welcher sich die Lungenbläschen zu sehr ausdehnen. Beim Mangel an stickstoffhältiger Nahrung, bei sehr starken Gemüthszuständen, langem Aufenthalt in verdorbener Luft, Ausschweifungen, Trunksucht und durch Erbschaft entsteht oft die Lungentuberkulose, eine Krankheit, welcher ein Fünftheil der Menschheit zum Opfer fällt, sür welche die Sänger jedoch am wenigsten empfänglich sind. Es ist jedoch ein großes Vorurtheil, zu glauben, wenn Jemand mit starker Stimme singt, daß der auch eine gute Lunge hat. Es sind uns, freilich sehr selten, Leute untergekommen, welche gute Sänger und doch tuberkulös waren. Wenn Jemand entschiedene Anlagen zur Tuberkulose hat, besonders wenn die Tuberkel bereits aus der Haut herausgetreten sind, ist das Singen manchmal schädlich; da entscheidet der Arzt. Sehr wichtig ist auch der Raum, der der Lunge gegeben ist, sich auszudehnen. So hat das Pferd, dessen Lunge eine erstaunliche Leistung an den Tag legt, dieses Organ nicht in besonderer Größe, die Ausdehnungsfähigkeit ist jedoch eine enorme. Wir wählten dieses Beispiel der besonderen Anschaulichkeit wegen. Aus dem Obigen geht auch hervor, daß mancher Sänger, bei dem sich in der.Brust größere Fettmassen bilden, der nämlich dick wird, an leichter Athemholung und daher an Leichtigkeit des Gesanges bedeutend verliert. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß auch die Ernährung beim Sänger von einer nicht zu unterschätzenden Wesenheit ist; wir würden jedoch den uns gesteckten Rahmen bedeutend überschreiten, wenn wir auch dieses Gebiet betreten wollten. Zur Modificirung der Stimme sind noch nothwendig: die Stirn- und Mundhöhlen (sinus frontales et maxillares), die Nasenhöhlen, die Zunge, die Zähne u. s. w. Wir werden auf diese Organe und auf manches Andere noch zurückkommen. Die meisten der hier angeführten Organe sind mit Schleimhaut überzogen, daher deren große Empfindlichkeit und leichte Erkrankung auf der Hand liegt. Der Sänger muß sich vor dem Einathmen kalter und staubiger Luft, vor dem starken Tabakrauchen, dem Genüsse stark gewürzter Speisen und Spirituosen mehr enthalten, als der Nichtsänger. Der Sänger - ist gegen manche Einflüsse übrigens durch das Singen selbst gestärkt und hat sich vor dem Auftreten der Lungentuberkulose und anderer Consumtionskrankheiten weniger zu fürchten,- als der Nichtsänger, unterliegt jedoch, wenn er ein zu starker Trinker ist, früher der Brightischen Krankheit, bei welcher die feinen conischen Röhren der Niere sich derartig erweitern, daß durch dieselben auch die sonst zurückbleibenden Eiweiskügelchen durchgehen, als ein Anderer. Das Singen mit natürlichem Tone hat überhaupt auf den Organismus die wohlthätigsten Wirkungen; es beschäftigt, die Lunge, deren Sauerstoff zur Blutbildung äußerst nothwendig ist, in der erfolgreichsten Weise, es regulirt das Gemüth, so daß der aufgeregteste Mensch beruhigt, der Unglückliche ermuthigt wird. (Fortsetzung folgt.) Die sociale Stellung des Juden in der Gegenwart. Von Adolf Rotter. IV. Und für diese geringste der Begünstigungen, die ihm zufielen, hat sich der Jude gewiß nicht undankbar gezeigt. Mit einem bewundernswerthen Eifer warf er sich der neuen Strömung in die Arme und ließ sich nicht nur von derselben tragen, sondern, im Fluge wachsen ja die Schwingen, bald verstanden es Einzelne, sogar dieser Strömung auch die Richtung vorzuzeichnen. Und wir sagen gewiß nicht zu viel, wenn wir betonen, daß gerade Juden es waren, die der Größe der Zeit gewachsen waren und es auch verstanden, zum Heile des Staates und der Gesellschaft das Ueberströmen der hochgehenden Wogen zu verhüten und dabei dennoch den Ansprüchen des Zeitgeistes gerecht zu werden. Sie kämpften und rangen eben für die Welt und in erst in zweiter Linie für:sich selbst und für ihre Glaubens- und Leidensgenossen. War das vielleicht ihr Unrecht? Gewiß nicht, denn Diejenigen, die Solches im Stande waren, waren nicht allein. Sie kämpften an der Seite ihrer nichtjüdischen Genossen und bildeten mit diesen eine feste Brustwehr zum Schutze und zur Erhaltung des Staates, desselben Staates, der den Juden immer als Unterthanen zweiter oder noch niedrigerer Classe behandelte. Die Wohlfahrt des Staates, das wußte der Jude aller Zeiten, war auch seine Wohlfahrt. Wo wäre es auch vorgekommen, daß ein Jude gegen den Staat conspirirt hätte! Wo ist der Jude, der je auch nur den Versuch gemacht hätte, die Grundpfeiler des Staates zu untergraben? Ja, gerade in dem Juden besitzt der Staat einen nicht unbedeutenden Förderer seines Bestandes, weil der Jude der treueste An- Hänger des monarchischen Princips jederzeit war und sein wird ohne Hintergedanken und auch ohne die Absicht, hiefür irgend eine Entlohnung oder Bevorzugung zu. beanspruchen, Der Jude respectirt jederzeit die Autorität. In der Familie ist es der Hausvater, in der Gemeinde der Vorsteher,, um wie viel mehr im Staate die Obrigkeit und deren höchste Potenz, die dem Juden geheiligte Person des Monarchen. Wenn wir nun auf gewisse Eigenthümlichkeiten des Juden im Allgemeinen zurückkommen werden, so müssen wir zuvor bemerken, daß diese im Großen und Ganzen, nicht wie gewisse Kreise gerne behaupten, Eigenthümlichkeiten ״der Raye" bilden. ״Wo die Begriffe fehlen,, da stellt das Wort zur rechten Zeit

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