Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1882)
- Date
- 1882-03-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Heber diesen befinden sich noch zwei ähnliche Bänder, die falschen Stimmbänder genannt, welche auf die Erzeugung der Stimme keinen Einfluß haben. Auch die Stimmbänder sind mit Schleimhaut überzogen. Nach oben ist der Kehlkopf durch einen Deckel geschloffen, der es verhindert, daß Speisen re. in die Luftröhre (den Unrechten Schlund) gelangen. Beim Sprechen und Singen ist der Kehlkopf jedoch offen. Es sei hier schon erwähnt, daß die Stimmbänder die eigentlichen Tonerzeuger sind, indem man dieselben wie eine Saite anspannt, die Stimmritze (glottis) dadurch um mehr als ein fünftel Millimeter verengt und die Luft der Lunge darauf einwirken Läßt. Die Stimmbänder an der Ritze sind bei Frauen und Knaben 9 — 11, bei den Männern 13—15 Millimeter lang. An den Kehlkopf (larynx) schließt sich nach unten, wie schon früher erwähnt wurde, die sifft eylindrische, 20—26 Millimeter im Durchmesser enthaltende und 120—130 Millimeter lange Luftröhre an. Deren oberes Ende hängt durch ein sehniges Band mit dem Kehlkopfe zusammen, während das untere Ende sich in zwei Luftröhrenäste spaltet, welche in je einen Lungenflügel laufen und sich dort in viele feine Aestchen verzweigen. Auch die Luftröhre ist ganz mit Schleimhaut überzogen. An die feinen Aeste der Luftröhre schließen sich viele Lungenbläschen an. Die Lunge, welche bei der Stimmerzeugung nur als Blasbalg wirkt, besteht aus zwei nahezu gleich großen Hälften (Flügeln) und wird aus einer Unzahl von Bläschen, welche sich gewebeartig zusammensetzen, gebildet. (Fortsetzung folgt.) Die sociale Stellung -es Juden in der Gegenwart. Von Adolf Rotter. nr. Und wahrlich, sie waren gleichsam auserwählt, Leid zu tragen, herbes, unverschuldetes Leid. Allein in diesem bitteren Gefühle, Unrecht zu erleiden, lag zugleich der tröstende Balsam, daß es ihr Glaube sei, für den sie litten und darum schlossen sie sich diesem nur um so fester und inniger an, weil sie in ihrer Bedrängniß die richtige Erkenntniß fanden, daß sie nur in festem Zusammenhalten allenthalben dem heranziehenden Sturme zu trotzen vermochten und dieser Glaube war daher immer das Ziel der Verfolgungen, weil in ihm und mit ihm der Jude identisch war; indem er also seinen Glauben schützte, schützte er nur sich selbst. In erster Linie war es also das Gebet, in welchem sie Vereinigung und Einigung fanden. Daran anschließend waren es gewissermaßen geistige Exereitien, die bei den Häuptern der Gemeinde oder in einem hierzu bestimmten Locale abgehatten wurden. Dem Zwecke nach sollten es eigentlich religiöse Hebungen genannt werden, denn dieselben befaßten sich größtentheils mit der Auslegung (Interpretation) des Gesetzes. Allein, gerade in der Art und Weise, wie bei solchen Auslegungen der Geist und der Scharfsinn des Einzelnen sich geltend machen konnte, lag der mächtige Hebel intellectueller Prosperität. Durch Widerspruch wurden die entwickelten Ansichten und Meinungen geschärft und, wenn als richtig anerkannt, zum festen und endgiltigen Grundsatz statuirt. Es waren dies in gewissem Sinne Parlamente en miniature, in welchen Redefreiheit im weitesten Sinne gewahrt oder vielmehr in Anspruch genommen wurde, so daß heute noch beim Juden der Grundsatz: ״Jeder dürfe dreinreden" stillschweigend den größten Terrorismus ausübt. Freilich muß hinzugefügt werden, daß mit der Einseitigfeit dieser herangebildeten Grundsätze, einseitig deshalb, weil die Allgemeinheit derselben bei ihrer Feststellung nicht in Betracht gezogen wurde, auch die Deduction zu einer sophistischen hinaufgeschraubt wurde. Und diese Sophistik, sie hat sich zum guten Theil bis heute erhalten und wir dürfen es nicht leugnen, dieses Erbstück, das wir von unseren Alten mit überliefert erhielten, es hat nicht wenig dazu beigetragen, den Juden in ein schiefes Licht zu setzen, ja, geradezu als charakteristisches Merkmal desselben mit mehr oder weniger Unrecht zu gelten. Wird da nicht der Nutzen (?) vom Schaden ausgewogen. Au diesen Exercitien durfte Jeder theilnehmen. Der Reiche, wenn er sich nicht persönlich betheiligen wollte oder konnte, trug bestimmt die Sorge für die materiellen Bedürfniffe zu denselben. Er ging hierin mitunter noch weiter, indem er für den Unterhalt Derjenigen gerne sorgte, die sich ausschließlich dem Studium des Gesetzes widmeten. Wohl war hier mitunter der Umstand maßgebend, durch solche Munisicenz einerseits die eigene Unwissenheit zu verhüllen oder anderseits das Verständniß für die Errungenschaften auf dem Gebiete des reinen Judenthums zu documentiren. Es war ja unter den gegebenen Verhältnissen eine Schmach, Ignorant auch nur zu scheinen. In weiterer Consequenz solcher Umstände war jede andere Wissenschaft, wenn sie durch eine weltliche Sprache errungen werden konnte, auf das Strengste verpönt. Also selbst die Sprache wurde mit dem Glauben identifieirt. Es darf uns daher gar nicht wundern, wenn durch solche Auswüchse eine chinesische Mauer errichtet wurde, die den Juden in ein mysteriöses Dunkel hüllte und zu mancher -Anfeindung und Verdächtigung des Juden ebenfalls gerne als Vorwand benutzt wurde. Und diese Vorwände waren und sind ״die garstige Kohle, die glühend brennt, doch glutlos noch beschmutzt". Durch den engen Verkehr unter den Juden, hervorgerufen durch die allgemeine Hilflosigkeit derselben der äußeren Welt gegenüber, entstand auch das bindende und stärkende Gefühl der Zusammengehörigkeit. Einer für Alle, Alle für Einen mar das unausgesprochene Losungswort. Fest hielten sie zu einander, Thränen wurden getrocknet, Schmerzen gestillt. Armen das Elend gelindert, denn es gab keinen Unterschied im Range, sie waren Alle gleich, das gleiche Kainszeichen brannte auf der Stirn des Reichen wie des Armen, sie waren Juden. Da kam die Sturm- und Drangperiode. Throne wankten, Völker wurden mündig erklärt. Auch das Aschenbrödel der Gesellschaft wurde mit einigen Brocken aus der Schüssel freiheitlicher Errungenschaften bedacht. Der Jude wurde endlich als Das anerkannt, was eigentlich gar keiner Anerkennung bedurfte, als Mensch, d. h. es wurde ihm zugestanden, aus der Welt sein zu dürfen, aber immer nur als Jude. Der gelbe Fleck wurde nicht mehr als äußeres Abzeichen verlangt. Wozu auch? Hat doch der Jude Merkmale genug an sich, die ihn als solchen erkennen lassen. Man fing auch an, sich mit ihm zu beschäftigen, mit ihm, wenn auch nicht als Factor zu rechnen und das war nicht wenig; denn damit wurde in den Wall von Vorurtheilen, unter welchen der Jude seufzte, eine Bresche geschossen.