Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1882)
- Date
- 1882-02-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Anzeige an die Centrale zu erfolgen hat und durch die zunächst erscheinende Nummer der ״Cantoren-Zeitung" den Gesammtcollegen zur Kenntnis; gebracht werde. Ein jedes Mitglied müßte hieraus einen Beitrag von fl. 2 an die Centrale schicken und diese hat nach Einlaus sämmtlicher Beiträge die ganze Summe dem Petenten zuzutyenden, so daß mitunter, nach Anzahl der Mitglieder, dieser Betrag zu einer Höhe von fl. 1000 bis 2000 anwachsen dürste. Und ich glaube, ein Jeder wird eine solche Abfindungssumme, mit der er sich noch eine anderweitige Existenz zu gründen im Stande ist, vorziehen, als eine, im günstigsten Falle aus ihn entfallende Pensionsquote von st. 100, die zum Sterben viel zu groß und zum Leben viel zu gering ist*). Musikbrrefe. Von Obercantör H. G oldst ei 11. Ueber die menschliche Stimme und deren Anwendung. Obwohl der Büchermarkt reich an theoretischen Musikwerken ist, so ist es dennoch nicht überflüssig, in diesen Blättern wohlgeprüfte und vielleicht auch speeiell interessante Bemerkungen über Musik und Gesangskunst zu veröffentlichen. Wer einigermaßen Gelegenheit hatte, die Verhältnisse der Gesangskunst zu beobachten, konnte sich der Ucberzeugung nicht verschließen, daß die Gesangsart seit ungefähr drei Decennien eine sehr wesentliche Umwandlung erfahren hat. War bei Rossini, Bellini, Donizetti re. das Orchester mehr Guitarre, das Theater ein mäßiger Saal, die Declamation in zweiter, die Melodie in erster Linie, so hören wir heute bei Verdi, Wagner und Anderen ein Blechgeräusch, das nicht den Sänger,, sondern das der Sänger begleitet. Die Räume meist unacustisch, haben heutzutage eine solche Ausdehnung, daß sie in der Regel um manchen Cubikmeter größer sind, als der Sänger auszufüllen vermag. War früher der Sänger ein Concertist, der eine einschmeichelnde Melodie zu Gehör brachte, so ist derselbe heute ein Schauspieler, welcher vor Allem zu einer sogenanntem Melodie, die das Orchester besorgt, declamirt. Etwas Aehnliches trifft auch bei unserem Gottesdienste zu. Die Synagogen sind heute viel größer, doch ist in den meisten Fällen die Musik nicht besser geworden. Die Melodie, das sogenannte Polnische, die unseren Groß- Vätern so viele Herzensfreuden bereitete, verschwindet naturgemäß immer mehr und mehr in dem streng harmonisirten Choralgesang. Der Cantor muß oft mit Chor und Orgel in einem riesigen Raum Recitative zu Gehör bringen, welche manchen andächtigen Zuhörer an ein Oratorium erinnern dürfte. Es ist überhaupt hier Manches zutreffend, was früher von der Oper gesagt wurde, so daß jetzt auch hier die Melodie häufig den den Text recitirenden Cantor begleitet, im Gegensatz zu den Zeiten, in denen vielleicht eine oft landläufige Melodie dem Texte als Folie diente. Aus dem Obigen kann nunmehr ersehen werden, daß die Gesangsart in den meisten Fällen eine andere geworden ist. *) In nächster Nummer werden wir im Gegensätze hiezu einen von einem Collegen eingesandten Statutenentwurf zur Gründung einer Pensionscaffa veröffentlichen. Die Red. Diese Umwandlung ist auch die Ursache, daß heute viel weniger gute Sänger zu finden sind, als früher. Es wird hier bemerkt, daß die jetzigen Anforderungen an die Stimme auch eine andere Schulung derselben erfordern, als in jenen Zeiten, in denen man sich bekanntlich darauf beschränkte, die gewöhnlichen Scalen mit dem do, re, mi, fa, so, la, si zu üben. Es ist heute auf die Ausbildung der Vocale in den Consonanten viel mehr Bedacht zu nehmen und dies wird im weiteren Verlaufe unserer musikalischen Nachrichten die entsprechenden Andeutungen erhalten. Wie schon erwähnt, ist die Vernachlässigung der Melodie im Sinne der italienischen Anschauung und das stärkere Betonen des Textes die Hauptursache des Niederganges der Gesangskunst. Wohl gibt es heute schon viele Sänger, welche die Vortheile, die benützt werden müssen, um den jetzigen An-, forderungen zu genügen, erkannt haben und solche Sänger erregen trotz der gesteigerten Anforderungen unsere Bewunderung in hohem Maße. Auch gibt es Methoden, welche die Gesangskunst fördern, indem selbe die Stimme für die Gesangsdeclamation entsprechend bilden. Diese Methoden zu besprechen, sei nun unsere Aufgabe. Es soll bei dieser Gelegenheit nun erwähnt werden, daß über die neuere Anschauung betreffs Stimme und deren Behandlung nur sehr wenige Werke bestehen und daß diese meist nur für Solche vollkommen verständlich sind, welche die dazu nöthigen anatomischen und physiologischen Vorkenntnisse haben, wie beispielsweise in den Werken Eirel, Schwarz und Anderen zu ersehen. (Fortsetzung folgt.) Der Gesang in -er Schule. Von Professor Emanuel Groag. (Fortsetzung und Schluß.) In jeden Menschen ist die Anlage zum Gesang gelegt, denn es sind dem ganzen Geschlecht, wie zur Rede, so auch zum Singen die Werkzeuge gegeben. Schon das Kind gefällt sich und unterhält sich mit seinen wenigen Tönen und sucht sie durch Tact und Melodie in Zusammenhang zu bringen und weil sich die Singfähigkeit, die Reinheit der Stimme, die Feinheit des Gehörs, die Richtigkeit des Vortrags bei jedem Menschen durch Uebung veredelt, so sind wir auf's Dringlichste veranlaßt, diese menschliche Kraft durch Bildung zu wecken und zur beglückenden Anwendung zu bringen. Das ist's auch, warum überall Gesangvereine zusammengetreten sind — sie sind ein natürlicher Ausfluß der erhöhten bürgerlichen Bildung und der Ueberzeugung von dem großen Werthe des Gesanges. Die Wirkung bleibt auch nicht aus; die bessere Unter- Haltung hat in den Abendgesellschaften Platz gefunden und die wüsten Gassenhauer haben zu entweichen angefangen und sind bereits durch anständige Gesänge auch auf dem Lande zum Th eile ersetzt. Das ist es auch, warum die Schulbehörden den Gesangsunterricht in den Schulen seit Jahren nicht nur dringend empfehlen und strenge Aufsicht darüber gesetzt, sondern auch die Ausführung, besonders in Landschulen, durch' unzählige öffentliche Belobungen gefördert haben. Der Zweck ist fast durchgängig erreicht, die Schuljugend führt sehr schöne zwei- und mehrstimmige, auch Figuralgesänge aus, wo gewissenhafter