Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1882)
- Date
- 1882-02-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Paris. Herr Bardoux, der ehemalige Unterrichtsminister, nimmt sich im ״Journal des Debats“ mit Wärme der verfolgten russischen Israeliten an. Nachdem er die in verschiedenen Städten des Moskowiterreichs verübten Greuelthaten erzählt, fährt er fort: So hat denn diese stets bedrückte, stets in den Bann gethane Raye, der man es nicht einmal gönnt, ihr Dasein ohne gesetzlichen Schutz zu fristen, abermals .zum Wanderstabe greifen müssen. Vergebens haben einige aufgeklärte Köpfe, wie der Fürst N. A. Orlow, auf die Vortheile hingewiesen, welche es für Rußland hätte, durch;gerechte und gleichstellende Maßregeln die Capitalien und den Fleiß der Juden an sich zu fesseln. Die Vorurtheile behielten die Oberhand und die Auswanderung der Israeliten nach Amerika hat begonnen. Merkwürdiges Geschick! Mit welchem Unglücksmale ist denn diese Nation gestempelt, die ihrem Gott, ihrem Glauben, ihren Ueberlieferungen nnd Gewohnheiten so unerschütterlich treu geblieben ist? Wie unverwüstlich lebt in ihr die Hoffnung und welch' lange Liste von Märtyrern hat doch ihre Geschichte aufzuweisen. England ist auf die Kunde von diesen neuen Grausamkeiten in Bewegung gerathen. Man kennt den Protest des Lord Shaftcsbury. Frankreich kann nicht gleichgiltig bleiben. War es nicht nächst Holland das erfte unter den Völkern, welches die Duldsamkeit verkündete? Hat nicht unser ganzes achtzehntes Jahrhundert für die Humanität im wahren Sinne des Wortes gekämpft? Haben nicht unsere Väter das Princip der menschlichen Solidarität auf ihre Fahne obenan geschrieben? Die Seufzer und Schreckensrufe der Verfolgten, wer sie auch sein mögen, werden in den Gemüthern der Franzosen stets einen tiefen und nachhaltigen Widerhall finden. Petersburg. Am 20. v. M. sind die letzten Protocolle der Gouvcrnemcnts-Judencommissionen beim Ministerium des Innern eingelaufen und begann bereits heute deren Sichtung nach den verschiedenen Kategorien ihrer Vorschläge. Die meisten derselben sind für die Juden äußerst ungünstig. Viele Wolosti (Bezirke) verlangen die gänzliche Abschaffung der Juden, andere wieder die Sperrung der Gotteshäuser, die meisten die Schließung der jüdischen Talmudschulen und fast ohne Ausnähme die Abschaffung der specieü jüdischen Steuern. Fünf Gouvernement- und neun Wolostversammlungen petitionirtcit. darum, den Juden den Detailhandel mit Branntwein und den Haufirhandel im Allgemeinen zu verbieten. — Der Pristaw (Polizeichef) in Woloczyska hat befohlen, daß bis 15. Jänner sümmtliche österreichische Juden den Ort zu verlassen haben, sonst würde gegen dieselben eine gerichtliche Verfolgung eingeleitet werden. Im Befehle ist die Alternative gestellt, entweder ganz in's Ausland zu gehen oder 50 Werst innerhalb der russischen Grenze sich zurückzuziehen. Da bis zum 21. nicht alle Familien jüdischen Glaubens diesem Befehle nachkamen, wird gegen dieselben die Ausführung dieser Maßregel angedroht. — Das Counts, welches. zur Ermittlung des durch die letzten Judenhetzen verursachten Schadens eingesetzt wurde, hat sich seiner Aufgabe beinahe entledigt und Daten zusammengestellt, welche nun den Umfang der Katastrophe zu überblicken gestalten. Es haben sich im Ganzen 2011 beschädigte Familien (10.000 Personen) gemeldet, welche den ihnen zugefügten Schaden auf fl. 1,200.000 Rubel bezifferten. Das Untersuchungscomite hat das Ergebniß dieser Selbstschätzung auf 768.339 Rubel reducirt und die Beschädigten in vier Claffen eingetheilt. Die erste und die leider zu zahlreiche Classe bilden jene 'Personen, welche in der Hetze ihre ganze bescheidene Habe verloren haben und wenigstens vorläufig aller Existenzmittel beraubt sind. Hierher gehören 948 Familien <17 Procent) mit einem Verluste von 255.489 Rubel (33 Procent der reducirten Gesammtsummen). Auf je eine Familie entfällt somit ein Verlust von 269*/s Rubel. Die zweite Classe bilden Jene, denen wenigstens Möbel, Hauseinrichtung, eine Werkstätte oder irgend ein anderes Erwerbmittel unversehrt geblieben ist. Hieher gehören 475 Familien (23 Procent) mit einem Verluste von 146.818 Rubel (19.1 Procent). Die übrigen zwei Claffen bilden jene Personen, welche mehr oder weniger ruinirt, aber wenigstens vorläufig nicht dem Elende preisgegeben sind. Den größten Schaden erlitten kleine Kaufleute, welche Kaufläden mit Consumartikeln besaßen, Schänker, Krämer u. dgl. Hierauf folgen Handwerker, Dienstnehmer verschiedener Kategorien, In- Haber von Kleider- und Möbeln^agazinen, bis zu den Hauseigenthümern, welche, sowohl was dre Zahl als auch die Verlusiziffer anbelangt, den letzten Platz einnehmen. In dieser letzten Categorie der Beschädigten befindet sich die Mehrzahl der durch die Excesse mitgenommenen Christen, deren Gesammtheit jedoch selbstverständlich nur ein unbedeutendes Procent der Eingangs angegebenen Ziffer bildet. Es sind dies die amtlich und nach Möglichkeit genau erhobenen und unter Theilnahme der hierzu ein geladenen Vertrauensmänner geprüften und verificirten Daten. Aus Cottbus schreibt man uns vom 14. Februar: Heute wurde hier ein Knabe aus gemischter Ehe in den heiligen Bund Israels in feierlichster Weise ausgenommen. Herr Paul Hirschlaf, der בעל ברית, ist nämlich mit einer kaiholischen Christin verheiratet und ist es gewiß bemerkenswerth. daß die noch sehr junge Mutter nicht nur ihre volle Zustimmung zu diesem heiligen Acte gab, sondern es sogar vom Herzen wünscht, daß ihr Söhnchen eine streng jüdische Erziehung erhalten solle. — Zu gleicher Zeit wurde auch Herrn Lagowitz hier, der ebenfalls mit einer Christin verheiratet ist. eine Tochter geboren, die in Uebereinstimmung beider Eltern in der hiesigen Synagoge nach jüdischer Vorschrift eingesegnet werden wird. Krcrtul'crLiorren sind uns zugekommen von den Herren: Frisch in Parabuty; Reich in Raudnitz; Heftern in Paco; Landau in Wartberg; Goldstein in Diakovar; Schulhof in Kladno; Weiß in Kula; Beinkeles in Frauenberg; Katz in Litten; Blum in Troppau; Singer in Diakovar; Baß in Amschelberg; Weiß inUngvar, Sonntag inTotis; Ungermann in Nagy-Megyer; Rosenhaupt in Nürnberg; Jwanowsky in Waag-Bistritz; Rosengarten in Kronstadt; Polnauer in Putzau; Baer in Gothenburg; Schwarz in Beszprim; Friedländer in Szillas; Wittenberg in Leitmeritz; Rosner in Wessely; Brust in Arad; Strauß in B. Gyarma; Domber in Szill; Blau in Mooz; Kohn in Neuhaus; Läsinger in Kcszthely; Schönfeld in Ragendors; Bo er in Gothenburg (Schweden);Kornitzerin Tapolcza; S ch ö n s e l d in Bekesz; Weiß in Dombovar; Weiß in H^ M. Vasarhely; Friedmann in Bucske; Duldner in Lzentes. Gorrvesporröenz. College S. in T. Sie sprechen ein großes Wort gelassen aus! Wir könnten Ihnen eine große Zahl von an uns gelangten Zuschriften;eigen, die das Gegentheil behaupten. Nicht genug wundern können wir uns, d a ß S i e e s u n s v e r a r g e n, d a ß w i r — wie Sie sich ausdrücken — ״d i e Spalten unseres Blattes Jedem s r e i st e l l e 11,; u p o l e in i s i r e n". Wie Sie sehen, machen wir auch Ausnahmen. College Sam. M. i n G. Sie können unbesorgt sein, wir werden mit Gottes Hilfe unsere Sache nach bestem Wissen und Gewitzen verfechten. Bezüglich Ihrer in Großwardein deponirten Originalzeugnisse können wir Ihnen leider keinen Rath geben, wie Sie wieder in den Besitz derselben gelangen könnten. Wenden Sie sich an den dortigen Cantor. ES ist übrigens eine Unvorsichtigkeit von Ihnen, nicht legalisirte Copien eingeschickt zu haben. College R o t t e r in T u r n a u. Angeregtes ist nicht gut möglich. College H e y m a 1111 in Amsterdam. Abonnement dankend erhalten. — College Baß i 11 A inschelberg. Besten Dank. College Schön feld in Bökesc. Der Verein wird lediglich für Cantoren (Chasanvorbeter) gegründet. College Weiß in H. M. V ä s ü r h e l y. Konnte nicht früher erscheinen. College Rausnitz in Karad. H׳rr Professor Sulzer hat uns Ihren Brief übergeben. Gewöhnlich ist es ״Sitte', ein Blatt, welches man nicht zugesendet erhält, zu reclamiren. Sie betreten da einen eigenthümlichen Weg. Was Sie als bejahend Ihren Collegen beantworten müssen, ob dies ein ״Schmuggel" ist, darüber wollen wir kein Wort mehr verlieren. Sie überhäufen uns eben mit Injurien, weil Sie es nicht besser verstehen. College Reiß in Pruskan. Bestens verwerthet. — Dank. College M o riz Ku lka in Ko lin. Was hat das Stillschweigen zu bedeuten? College Svartz, Berhida. Wir haben keine Zeitung an Sie expedirt, nachdem wir keinen Abonnementsbetrag erhielten. Wollen Sie diesbezüglich dortselbst reclamiren.