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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-02-16 · Heft 7 (16.2.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (16.2.1882)
Date
1882-02-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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MWMWMWW — 3 — heit geboten war — sei es auch nur für kurze Zeit — anstatt Bedrückter, Bedrücker zu sein. Und gewiß, die Schläge, welche der zum Hammer gewordene Amboß führt, sind die wuchtigsten. Da jedes Uebel, dem Juden zugefügt, eine fromme That war, was Wunder, wenn die Gläubigen eifrig bemüht waren, ihren frommen Eifer recht oft und handgreiflich an den Tag zu legen. Mitunter war die Vertreibung der Juden von Haus und Hof auch ein gern angewandtes Mittel, ungelegene Gläubiger vom Halse zu schaffen. So war's früher. Allein heute, daß Gott erbarm'! Das Feigenblatt, welches heutzutage den Juden- Hetzen vorgehängt wird, ist nicht nur sehr fadenscheinig, es ist einfach unwahr. — Unwahr ist es, wenn man dem Juden nachsagt, er hasse den Nichtjuden. Wenn er auch zum Hasse geradezu gedrängt, der Jude haßt nicht, schon seine Religion verbietet ihm den Haß. Wenn er hassen wollte, hassen könnte, er würde dieses Gefühl tief in seiner Brust verbergen und nicht den Muth finden, sein tiefgekränktes Recht zu vertheidigen und für sich in Anspruch zu nehmen, wie er es nunmehr thut. Und dieser Muth, er ruht eben noch auf zu schwachen Füßen, um sich hervorzuwagen in die vorderen Reihen Derjenigen, die bis heute für ihn kämpften. Und wie anders auch? Muth ist nicht Tugend, die im Verborgenen keimt und wächst. Muth will Freiheit. Und die war dem Juden von jeher vorenthalten. Und selbst heute schleppt er noch ein gutes Stück der Sclavenkette mit sich. Um ferner seinen vermeinten Haß zu nähren, würde sich der Jude enger an seine Glaubens- und Leidensgenossen schließen, wie er es einst gethan und kein Interesse an der Gesellschaft nehmen, wie er es thatsächtich thut. Denn, wir glauben nicht zu viel zu sagen, daß es auf dem mannigfachen Gebiete des Wissens und Könnens keinen Zweig gibt, in dem nicht auch der Jude sein Scherflein beiträgt. ״Der Jude hat kein Vaterland." Das ist die zweite moderne Unwahrheit. Sehen wir uns diesen Vorwurf genauer verklungen. Langsam und feierlich begann der Gesang mit den Worten: ״Groß ist Jehova, der Herr! Denn Himmel und Erde verkünden seine Macht". Nach und nach wurde die Stimme mächtiger und bei der Stelle: ..Furchtbar tönt sie im Donnergervll und flammt in des Blitzes schnell hinzuckendem Flug", brauste sie einem Orcane gleich durch die hohen Räume. Wie vor dem Ausbruch eines Gewitters Ruhe in der Natur herrscht, kein Lüftchen sich bewegt, kein Blatt des Baumes sich regt, so saßen die Zuhörer, nachdem der Schluß des Liedes: ״Groß ist Jehova, der Herr!' verklungen und die Schlußaccorde schon vertönt waren, noch immer stumm, wie vom Banne des Zaubers umfangen. Da plötzlich erhob sich ein Beifallssturm, der nie enden zu wollen schien. — Als sich derselbe gelegt hatte, schritt der greise Erzbischof Pyrker, eine lange, hagere Gestalt, auf den von allen Seiten umdrängten Sänger zu, streckte die Hand wie segnend über dessen Haupt und war schon im Begriffe, das Zeichen des Kreuzes über ihn zu machen, besann sich jedoch noch rechtzeitig und — umarmte den Sänger. Das Lied ״Die Allmacht" bekundete also in wuchtigster Weise die Macht des Componisten Schubert und des Sängers Sulzer. an. Womit wird er begründet? Vielleicht damit, daß in der Erzählung vom Auszuge aus Egypten der Wunsch ausgedrückt wird, das ״gelobte Land" wieder zu sehen? Es kann hier nicht unser Zweck sein, zu deduciren, daß dieses Land auch jedes andere als das ״gelobte" sein kann, wenn sich der Jude in demselben nur heimisch fühlt. Auch darauf wollen wir nicht Hinweisen, daß die Wenigen, die mechanisch diesen Wunsch aussprechen (die meisten Juden beten ja wenig mehr), schwerkich geneigt sein dürften, diesen Wunsch buchstäblich erfüllt zu sehen. Vielmehr fragen wir: Erfüllt nicht der Jude die Pflichten eines Staatsbürgers mit derselben Freudigkeit, wie seine nichtjüdischen Mitbürger? Gehen nicht seine Söhne mit derselben Aufopferung in den Kampf, wenn es gilt, das Vaterland zu vertheidigen, wie die Söhne christlicher Eltern? Stellt nicht der Jude im Hinblick auf seine nummerische Minderheit ein sehr bedeutendes Procent geistiger Kraft dem Staate zur Verfügung, was nach unserer unmaßgeblichen Meinung für die Gcsammtheit eben auch kein Nachtheil sein dürfte? Welche Ironie liegt in diesem Vorwurfe, wenn man das geradezu patriarchalische Familienleben des Juden betrachtet. Und bildet nicht gerade die Familie die Stützpfeiler eines Staatengebäudes? Und hängt nicht der Jude mit jeder Faser seines Herzens an der Scholle? Gehet hin, Ihr, die Ihr das nicht wisset oder nicht wissen wollt, gehet hin und suchet zu gewissen Zeiten die jüdischen Stätten des Friedens und der ״ewigen Ruhe" auf, horchet dort, wie ihre Klagelieder Diejenigen beweinen, die ihnen in's bessere Jenseits vorangegangen und wie sie Trost finden in dem Gedanken, einst neben ihren Theuren in heimatlicher Erde zu ruhen. Forschet nach in den fremden Landen, die der Jude gezwungen war, aufzusuchen, um dem Drucke in der Heimat zu entgehen, ob er dieser vergessen, ob er nicht von demselben Heimweh wie Ihr gedrängt wird, die Stätte seiner Jugend, seinen heimatlichen Boden wieder zu sehen! Der Gesang in der Schule. Bon Professor Ein. Grong. Es wird wohl Niemand zweifeln, daß eine richtige und edle Kraft im Menschen unausgebildet bleiben würde, wenn die Musik nicht auch in den Kreis des Unterrichtes gezogen würde. Indessen ist das Erlernen der Instrumentalmusik zu individuell und eignet sich nicht zum geselligen oder gemeinschaftlichen Unterrichte. Um so mehr eignet sich dazu die Bocalmusik, der Gesang. * ״Ein Schulmeister muß singen können," sagt Pestalozzi, ״sonst sehe ich ihn nicht an." Er gibt aber auch den Grund an: ״Singen ist die beste Kunst und Uebung; es hat nichts zu thun mit der Welt, mit Gericht und Hadersache. Sänger sind fröhlich und schlagen die Sorgen mit Singen hinweg." Es war also der Gesang und die Musik nicht blos eine persönliche Liebhaberei des großen Pädagogen, sondern er gründete die Nothwendigkeit der Erlernung dieser Kunstfertigkeit auf ihre überaus wohlthätigen Wirkungen, wovon wir uns eines Näheren überzeugen wollen. 1. Der Gesang hat mächtigen Einfluß auf Sittlichkeit durch Hemmung roher Leidenschaft, darum macht er bei allen Völkern den Anfang der Bildung. Des Orpheus' Gesänge

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