Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1882)
- Date
- 1882-02-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Verein". (Nack längerer Debatte angenommen.) Die Minorität bchält sich vor, ihren Antrag, den Verein ״Cantorenverein" zu nennen, dem Cantorentage vorzulegen. College Singer legt einen Statutcncntwurf zur Berathung vor, welcher zunächst für ß. 1 und §. 2 besprochen wurde. §. 1. "gleßer den Zweck öes Wereines. Der Cantorenverein bezweckt in erster Reihe die Stiftung einer Pension^׳ und llntcrstützung^caffa für israelitische Cantoren, deren Witwen und Waisen und für stabil beim Synagogengcsange angeftellte Männer. (Der Antrag der Minoritär geht dahin, den Passus betreffs der Quartettmänner wegzulassen.) Die Cassa hat ihren Sitz und Geschäftsstand in Wien. §. 2. Mittel des Hte^eirres. I. In den Laufenden Beiträgen der Mitglieder. II. In den Eintrittsgeldern. III. In Schenkungen und sonstigen Zuwendungen. Um ein Vercinscapital zu schaffen, kann erst nach zwei Jahren, vom Tage der obrigkeitlichen Bestätigung der Statuten an, eine Unterstützung gewährt werden. Gleichzeitig wurde beschlossen, folgenden Aufruf ergehen zu lassen: A u ך X Xt f! In Folge der in letzter Zeit zu Tage getretenen verschiedenartigen Meinungen, die Gründung eines Cantorenvercines betreffend, sehen wir uns veranlaßt, an sämmtliche Collegen Cis- und Transleithanicns das Ansuchen zu richten, in kurzgefaßter Mitthcilung mit thunlichstcr Beschleunigung die Erklärung abzugeben: ״ob sie für die Creirung eines Vereines mit dem Sitze in Wien und Zweigniederlassungen in bcn größeren Städten stimmen" ׳׳). Zuschriften sind zu richten an das Präsidium: Herrn Proscsfor Sulz er, Wien, Seitcnstetteugaffe 4. Das Lomitö zur Gründung des ״Cantorenvercines". Wien, am 11. Februar 1882.;1 *) Selbstverständlich werden diese Zweigniederlaffungen mit selbstständigen Vorstehern versehen. Die sociale Stellung des Juden in der Gegenwart. Von Adolf No tter. I. Hundert Jahre nach der vielverheißendcn Morgenröthe, die aus Frankreich her den Aufgang der Sonne der Freiheit ankündigte, im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, dem Zeitalter des Dampfes, des Telegraphen und des electrischen Lichtes, erhebt die längst todtgeglaubte und oft pathetisch todtgesagte Hydra der confesfionellen Unduldsamkeit ihr Medusenhaupt. Hundert Jahre nach dem größten Herrscher, den je Europa auf dem Throne gesehen, nach dem ״Schätzer der Menschen", wie er sich selbst nannte, nach dem Wirken des ״Dichter- und Philosophenkönigs", den die Nachwelt den ״Großen" nennt und der Jeden nach seiner Fayon selig werden ließ, lebt das Gespenst der Judenhetzcn wieder auf. Und merkwürdiger Weise, nicht allein in den blutgetränkten Steppen nordischer Länder werden die greulichsten Scenen religiöser Verfolgung aufgeführt, sondern auch in den Gefilden des gebildeten Abendlandes verschmäht man es nicht, unserer Zeit zur Schmach, den großen wissenschaftlichen Errungenschaften zum Hohne, ein neues Mittelalter herauf zu beschwören. Fast kann man es nicht begreifen, daß ein Volk, in dessen Sprache ein Kant ״die reine Vernunft" kritisirte, ein Hegel die Theorie des »Jch"-Princips lehrte, ein Lessing den ״Nathan" schrieb, daß ein solches Volk der Denker zurückverfallen kann in den Wahnsinn längst entschwundener Zeit, ein Wahnsinn, welcher.— wäre er nicht so gemeingefährlich — gewiß unser innigstes Mitleid wachrufen müßte. Sonst, in früheren Zeiten, hatten solche Strömungen, richtiger geistige Störungen, im Leben der Völker wenigstens einen scheinbaren Grund. In erster Reihe war es jene Partei, die den Judenhaß predigte, die eigentlich von ihrem großen Meister die Devise erhielt, die Liebe zu predigen. Das gläubige Volk griff mit beiden Händen zu, wenn ihm einmal Gelegen- Iieuil't'eton. Bischof und Canto r. Von Alois Kulka. Im Palais des Sanitätsrathes Sterz in Wien herrschte eines Abends reges Leben. Equipage an Equipage rollte heran und die Creme der Aristokratie, Hofwürdenträger, sowie die Spitzen des Clerus, unter diesen Erzbischof. Johann Ladislaus Pyrker von Felso-Eor, entstiegen den Wagen und begaben sich über die mit Teppichen und exotischen Pflanzen reich geschmückte Stiege in die in einem Meere von Lichtern strahlenden Appartements zu der für diesen Abend angesagten Soiree. Im Gewoge der vielen illustren Gäste bemerkte man auch einen jungen Mann von etwas mehr als mittlerer Größe und kräftiger Gestalt. Kohlschwarze Locken umflatterten das schöne Haupt, Feuer der Jugend und des Geistes blitzte aus seinen ausdrucksvollen Augen. Es war — der Leser wird es gewiß schon errathen haben — Sulz er — unstr Papa Sulz er. Auch jetzt noch, hat wohl das Alter seine Haare gebleicht, sind die Züge ehemaliger Mannesschönheit unverkennbar. Die Zeit und die Stürme des Lebens haben zwar seinem Angesichte, ihre Furchen eingegraben, doch vermochten sie nicht den Ausdruck der Seele zu verlöschen. Sulz er, der Cantor, der damals schon berühmte Schubertsänger, war in diesen Kreisen kein Fremder, kein etwa blos Gelittener, sondern, wie aus den vielen freundlichen Grüßen und Händedrücken zu ersehen war, ein lieber, gerngesehener und ob seiner Gesangskunst auch hochgeschätzter Gast. In der bis dahin lebhaft geführtcen Conversation tritt plötzlich Ruhe ein und die Blicke aller Anwesenden sind auf den jungen Sänger gerichtet, der über Ersuchen des Festgebers Schuberts ״Allmacht" (Gedicht von Joh. Lad. Pyrker, Perlen des Orients) singen sollte, welcher Aufforderung er sich mm so bereitwilliger unterzog, da das Lied religiösen Inhalts ist und nicht blos zur Unterhaltung dient. Wer Sulz er noch vor wenigen Jahren singen hörte und dessen Stimme und Vortragsweise zu bewundern Gelegenheit hatte, kann sich ungefähr einen Begriff von seinem Gesänge in der Jugendzeit machen. Zu der Kraft und dem -Wohllaute seiner wunderbar schönen Stimme gesellte sich ein ausgezeichnetes Verständniß des Vortrages. Die ersten Accorde, die Einleitung zu dem Liede waren