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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-02-08 · Heft 6 (8.2.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 6 (8.2.1882)
Date
1882-02-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ober einen Wunsch, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes zu mischen, in Abrede stellt und begehrt, daß die freundschaftlichsten Beziehungen zwischen England und Rußland aufrecht erhalten werden, es für eine Pflicht erachtet, ihre Meinung auszudrücken, daß die Gesetze Rußlands in Bezug auf die Juden dazu dienen, dieselben in den Augen der christlichen Bevölkerung zu entehren und jüdische Unterthanen den Ausbrüchen fanatischer Unwissenheit auszusetzen. 3. Daß der Lordmayor ersucht werde, eine Abschrift dieser Resolutionen dem sehr ehrenwerthen W. E. Gladstone und dem sehr ehrenwerthen Earl Granville zu überreichen, in der Hoffnung, daß Ihrer Majestät Regierung im Stande sein dürfte, bei geeigneter Gelegenheit einen freundlichen Einfluß auf die russische Regierung in Uebereinstimmung mit dem Geiste der vorstehenden Resolutionen auszuüben. 4. Daß im Mansion House ein Unterstützungssonds für die durch die jüngsten Ausschreitungen geschädigten russischen Juden und Verbesserung ihrer Lage durch Auswanderung oder in sonstiger Weise zusammengebracht werde. Das Comitä soll aus dem Lordmayor, dem Erzbischof von Canterbury, Cardinal Manning, dem Bischof von London, Sir Nathaniel de Rothschild und Anderen bestehen. Kleine KHronik. Papa Sulzer tw türkischen rsrael. Tempel. Bekanntlich hat die türkische israel. Gemeinde in Wien schon vor einem Jahre eine bedeutende Reform durch die Einführung eines geregelten Choralgottesdienstes vorgenommen, welche Einrichtung in betheiligten Kreisen freudigst begrüßt wurde. Am verflossenen Freitag Abend erschien Papa Sulzer in dem genannten Gotteshause und wurde vom Vorstande freundlichst empfangen. Mit größter Aufmerksamkeit und sichtbarer Befriedigung verfolgte er den Verlauf des Gottesdienstes, wobei zumeist dessen eigene Compositionen exaet zur Aufführung gelangten. Nach Schluß des Gottesdienstes gratulirte derselbe dem Obercantor Jacob Bauer, sowie dem Vorstande mit herzlichen Worten. Schassa. Am 26. Jänner l. I. wurde der auf den hiesigen Rabbinatsposten berufene Herr Doctor Diamant in feierlicher Weise installirt. Die Ankunft des Rabbiners lockte eine zahlreiche Menge beider Confessionen auf den Hauptplatz. Nachdem die üblichen Begrüßungsreden verklungen waren, geleiteten die Spitzen des Ortes mit Hinzunahme des Trau- Himmels und zweier Thorarollen — Attribute des jüdischen Seelsorgers — Se. Ehrwürden in die Synagoge. Der Gottesdienst daselbst gestaltete sich zu einem solennen, weihevollen Acte, in dem Herr Obercantor Grünwald mit seiner schönen Vortragsweise die Gemeinde in hohem Grade zur Andacht stimmte. In gehobenster Stimmung verlleß man das Gotteshaus. Gulgocz. Dienstag den 31. Jänner haben wir hier ein seltenes Fest gefeiert, indem ein altes, in Ansehen und Würde stehendes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Hermann Weinberger, seine ״goldene Hochzeit" im Kreise zahlreich erschienener Kinder, Enkel und Verwandten beging. Das Jubelpaar begab sich Abends zum Minchagebet und fand noch außerdem ein Dankgottesdienst statt, wobei Herr Cantor Moses Hriener und sein Chor den Psalm 128 vortrugen. Pusewalk, im Jänner. In Anlaß eines hier gefeierten eigenthümlichen Jubiläums wird der ״N. Stett. Z." folgende Reminis.cenz mitgetheilt: Als in Pommern 1831 zum ersten Male die Cholera auftrat, herrschte der Glaube, daß auch die Leichen der an Cholera Gestorbenen ansteckend seien. Daraus erwuchsen oft arge Verlegenheiten, denn es hielt außerordentlich schwer, Personen zu finden, welche bereit waren, das Beerdigungsgeschäft zu besorgen. Als die Krankheit, immer mehr fortschreitend, aus dem Randow'schen Kreise endlich in den Ueckermünder übergetreten war, ergriff sie u. A. daselbst auch das Dorf Jatznick. Ein Einwohner starb, aber Niemand hatte den Muth, die Leiche zu berühren. Schon lag diese drei Tage in der Hütte und noch war nicht Hand angelegt worden, sie dem Schooß der Erde zu übergeben. Klagend irrten die Angehörigen durch den Ort, flehten, beschworen, weinten — Alles vergeblich. Da kam ein armer Handelsjudc seine Straße gezogen, wohlbekannt im Dorfe und von Jung und Alt als ein menschenfreundlicher Mann geehrt. ״Der Jude wird helfen!" sagten Alle, und sie hatten sich nicht geirrt. Kaum hatte er von der Noth der Gemeinde gehört, als er erklärte, das Bcgräbniß vornehmen zu wollen Ohne eine Spur von Furcht zu verrathen, lud er die Leiche auf einen Karren und fuhr sie nach dem Friedhofe. Während er dies that, forderte die Cholera ein zweites Opfer und wiederum siel dem Juden die Aufgabe zu, es dahin zu bringen,, wo es den Frieden suchte. Aber Michael Teb el — fo hieß der Brave — wies jede Belohnung der dankbaren Dorfbewohner zurück. ״Ich habe Euch einen Gefallen gethan," sagte er, ״und so ist es gut, Euer Geld will ich nicht; jetzt laßt mich gehen und nach Hause ziehen." Und er legte seinen Pack auf den Nacken und ging. Erstaunt sahen die Bewohner ihm nach. Wußten sie doch, daß er nicht zu den Reichen gehörte. Hatte er nicht daheim in Pasewalk eine Frau und neun Kinder zn ernähren und riesen diese Kinder nicht unaufhörlich nach Brod? Und doch verschmähte er die Gelegenheit, sich Gewinn zu verschaffen! Aber war es denn nicht möglich, sich ihm auf andere Weise dankbar zu zeigen? Glücklicherweise fand sich dieses Mittel. Schon seit dem Jahre 1822 wohnte Tebel, sich kümmerlich durchbringend, in Pasewalk. Wiederholt hatte er die Verleihung des Staatsbürgerrechts nachgesucht, aber immer war er abschläglich beschieden worden. War er doch ein Jude und noch dazu׳ ein armer, für Seinesgleichen gab es damals Ehrentitel nicht. Vielleicht aber war es möglich, durch seine That jetzt die Behörden umzustimmen. Diese Erwägung führte dazu, daß zunächst die königliche Regierung in Stettin davon in Kenntniß gesetzt wurde. Von. dort ging dann ein Bericht über die edle und muthige Handlung Teb ells an das Ministerium ab, zugleich mit dem Anträge,, ihm, obwohl dies nach Lage der Gesetzgebung eigentlich nicht zulässig sei, ausnahmsweise das Staatsbürgerrecht zu ertheilen. Dieses Gesuch wurde genehmigt, doch unter der Bedingung, daß Tebel den Familiennamen Keib el annehme. So waren denn erst wenige Wochen im Jahre 1832 dahingegegangen, als eines Tages ein Polizeidiener in die Wohnung des Juden kam und ihn ersuchte, auf das Rathhaus zu kommen. Tebel zog sogleich seinen Sabbatrock an und ging. Da waren die Väter der Stadt schon versammelt und bereit, den ״Staatsbürger" zu empfangen. Der Vorsitzende im Magistrat hielt eine Ansprache, lobte nochmals das Thun des Hebräers und überreichte ihm feierlich das auf seinen Namen K eib el ausgefertigte Naturalisationspatent. Gowesponöenz. College Brunner, D6va-Danya: Wir haben Ihrem Wunsche bereits entsprochen. College Po hau er, Patzau: Besten Dank für Ihre Freundliche keit, erwarten Zngesagtes. College Rausnitz, Karäd: Abonnement erhalten, Blätter abgeschickt. College Preßburger, Koritschan: Die Eheaufbietungen in den Wiener israelitischen Tempeln geschehen durch den Cantor. College Rofenhaupr, Nürnberg: Abonement beträgt 13Mk. College Sonntag, Totis: Zu spät eingelangt, war daher nicht mehr möglich, bitte zu entschuldigen. College Friedwald, Miskolcz: Nur provisorisch. Bewußter will überhaupt für die Collegen in der Provinz nichts thun; wir verweisen diesbezüglich auf den heutigen Leitartikel. Herr Sagan, Krakau: Beides sehr erwünscht. Manuscripte sollen mit deutscher Schrift geschrieben sein. Polnaur in Putz au: Danken bestens für Ihr freundliches Ver-, sprechen und sehen einer baldigen Einsendung entgegen. Baer in Gothenburg: Einverstanven. College Singer, Diakovar; College Heilpern, Torok-Szt. Miklos; College Zwanowsky, Waag-Bist ritz; College Schwarzthal, Acs; C o l l e g e W e i n st e i n, B u r - S z t. Miklos: Abonnement erhalten.

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