Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1882)
- Date
- 1882-02-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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׳gegen die Juden verübten Greuel, auch wenn nur der zehnte Theil derselben Wahrheit wäre, Rußland schänden und entehren. Der Bischof von London unterstützte die Resolution, indem er betonte, jeder christliche Geistliche fühle die Schmach und ffeder Mayor in England sollte ein gleiches Meeting veranstalten. Cardinal Mann in g beantragte eine zweite Resolution. ׳Er-erklärte, niemals im Leben mit mehr Ueberzeugung für eine Sache gesprochen und gefühlt zu haben. Auch er weift jedes politische Motiv oder den Wunsch, sich in den inneren Ange- Äegenheiten Rußlands einmischen zu wollen, zurück. Die Humanität leite ihn und alle Anwesenden und da die Humanität überall dieselbe sei, könne er auch nicht die antisemitische Bewegung in Deutschland verstehen und er verurtheile dieselbe -Ebenso wie die Schandthaten in Rußland, welche vielleicht nur ׳eine Folge der deutschen antisemitischen Bewegung seien. Manning weist in eingehender Darlegung die Unwahrheit aller von russischer Seite gegen die Juden erhobenen Anklagen nach amd große Sensation erregt es, als der Cardinal erklärt, er wolle aus officiellen russischen Actenstücken beweisen, daß die russischen Behörden die Greuel nicht nur nicht bedauern, sondern direct Hervorrufen. Mann in g verliest hierauf und commentirt paragraphenweise den Erlaß des Grafen I g n a t i e f f vom August 1881, worin nicht die jüdischen Opfer, sondern die »Christen bedauert und Maßregeln angekündigt werden, um die Juden noch mehr zu unterdrücken. Rußland, führt der Cardinal fort, klagt über seine Juden, möge es ihnen die gleichen Rechte geben, welche die Juden in England und Frankreich ׳genießen und seine Juden werden dann wie die englischen und französischen Juden werden. In ergreifenden Worten schildert 'Manning die Verpflichtung, welche die ganze civilisirte Welt den Juden schuldet und beschwört den Czar, diese Greuel zu unterdrücken. Canonicus Farrar, einer der beredtesten anglikanischen^ Geistlichen, ein Liberaler und Freund Gladstone's, sowie einer der Hauptorganisatoren der seinerzeitigen Bewegung gegen die bulgarischen Greuel, führt ebenfalls aus, wie unwahr die russischen Behauptungen seien, daß diese Bewegung nur England und Rußland entzweien und Gladstone Verlegenheiten bereiten wolle. Männer wie Lord Roseberry, der Earl von Shaftesbury und der Redner selbst, sowie alle Unterzeichner des Aufrufes seien gerade liberale Freunde Rußlands und Bewunderer des Czars; allein eben deshalb besitzen sie das Recht, gegen diese Greuel zu remonstriren. England dürfe und müsse, und zwar nicht mit leiser Stimme, gegen diese Schandthaten protestiren. That es dies für die Bulgaren und für andere Nationen, um wie viel mehr müsse es für die Juden eintreten, denen das Christenthum seine herrlichsten Schätze verdankt. Das Parlamentsmitglied Bryce, ebenfalls einer der Hauptorganisatoren der Agitation zu Gunsten der Bulgaren, beantragt eine dritte Resolution. Der Verlauf des ganzen Meetings, der Tenor, sowie die Argumente aller Redner zeigten, daß jeder politische Nebengedanke demselben fernstehe, daß der Czar bedauerr werde und England mit Rußland gern befreundet bleiben wolle, daß jedoch das Verhalten der russischen Regierung in dieser Sache verabscheut und als die ärgste Schmach für jeden Christen in der ganzen Welt betrachtet werde. Die einstimmig angenommenen Resolutionen lauten wie folgt: 1״. Daß in der Meinung dieser Versammlung die Versolgungen und Ausschreitungen, denen die Juden in vielen Theilen des russischen Reiches seit mehreren Monaten unterworfen worden, ein tief zu bedauerndes Vorgehen gegen die Civilisation sind. 2. Daß diese Versammlung, während sie irgend ein Recht .gemacht, — dies bis nun verabsäumt zu haben, während .jüngere College» nun ihn hierin überflügelt haben und rüstig mit frischem Muth an's Werk gehen. — ״Yiribus unitis!״ ist der Wahlspruch unseres erhabenen 'Monarchen. Diesen Wahlspruch wollen auch wir stets be- Herzigen, denn nur Einigkeit macht stark. "וקרב אתם אחד אל אהד וכלי והיו לאחדים בידך* So die Kräfte sich vereinen, Alles glücket und gelingt, Wenn vereinzelt schwach sie scheinen, Sie verbunden mächtig sind. Sie aber, Herr Professor, wollen unsere Kräfte zersplittern. Das soll Ihnen mit-Gottes Hilfe nie und nimmer .gelingen. ״Most vagy soha“ (---- Jetzt oder nie!) lassen Sie uns durch ein — ein ״einer. Rabbinerblättchen" zurufen.- 'Warum denn gerade jetzt und nicht schon früher? Mußte erst durch die ״Oesterr.-ungar. Cantorenzeitung" ״die Liebe erregt und erweckt werden?" wie das bezügliche Blatt sich ausdrückt. Hatten Sie doch 24 Jahre lang Muße genug, um — wie der Redacteur Ihres Leibjournals sich ausdrückt — als edler Autor über den ״Gegenstand" zu discutiren und allseitige Beitrittserklärungen entgegen zu nehmen. Wenn Sie es mit den Cantoren so gut meinen, warum Haben Sie Ihre Ansichten nicht offen und ehrlich in diesem Blatte ausgesprochen? — Die Redaction geht meines Wissens von dem Princip aus: ״Audiatur 6t altora pars" und ich zweifle daher nicht im mindesten, daß man betreffenden Ortes gerne auch Ihre Meinung gehört und registrirt hätte: allein Sie zogen es vor, einen anderen Weg einzuschlagen. — Sie befinden sich aber auf deiH Holzwege, wenn Sie uns glauben machen wollen, daß Sie Ihren Hirtenbrief über ״Ersuchen all' der Collegen, Freunde und löbl. Bethausvorstände" ergehen ließen. — Die große Zahl der Abonnenten dieses Blattes in Oesterreich-Ungarn widersprich! dem vollends. — Also, ״Schreien hilft nichts, Thatsachen beweisen". Uebrigens bitte ich um Entschuldigung, lieber Herr Professor, wenn ich Ihnen meine Meinung über Ihre Meinung in solcher Weise gesagt habe. — Warum hat mich auch Freund H. so unsanft ans dem Schlafe geweckt? Ich hatte gerade so angenehm geträumt — geträumt von einem schon in's Leben gerufenen Cantorenverein, von versorgten Witwen und Waisen, von wohlgenährten, kugelrunden, pensionirten Cantoren und anderen schönen Dingen. — Auch Sie sah ich stolz an der Spitze eines langen, langen ״Cantorenzuges", Arm in Arm mit Herrn Obercantor K. in K. (vide Correspondenz der ״Neuzeit" vom 3. d.) bei der Favoritenlinie hereinspazieren — um an dem Cantorentag theilzunehmen. — Darum nichts für ״ungut"! A10 i s K111 k a. 1 yjwapgeggf ■•rzsrnm .»aaaggrjrr1