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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-02-08 · Heft 6 (8.2.1882) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 6 (8.2.1882)
Date
1882-02-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ic1)1t zu halten hat, so soll auch für den Cantor ein Nachschlagebuch geschaffen werden, welches ihm den Grundriß des auszubauendcn Gebäudes oder mit anderen Worten, welches ihm die Form gibt, in welche er seine musikalische Gedanken einkleiden soll. Es wird hiermit keine Neuerung geschaffen und jeder College weiß, daß schon lange, lange Zeit früher etwas Aehnliches cxistirt hat. Ich meine die sogenannten ״Steiger". Die größten, berühmtesten und kchlenfertigsten Chasonim haben ihr Recitativ nach diesem oder jenem ״Steiger" modulirt. Die Idee, welche denselben zu Grunde lag, war eine systematische. Man wollte ebenfalls eine Basis, eine Einheitlichkeit für Recitativ anstreben. Freilich war der Zweck dieser ״Steiger" bei dem Mangel an Intelligenz und bei dem fast gar nicht entwickelten ästhetischen Sinne der früheren Chasonim bald vergessen oder mißverstanden und man griff zu andern, gleichfalls durch den Ohrenkitzel beifällig aufgenommenen Melodien und Arien aus Opern. Doch es liegt mir ferne, hier eine Geschichte des Chasonis zu schreiben: ich wollte nur erläutern, daß die sogenannten ״Steiger" nichts Anderes waren, als die Anstrebung eines einheitlichen Gottesdienstes. Und wer wollte cs leugnen, daß die herzustellende E i nheitlichkeit im Gottesdienste eine große Idee wäre? Soll diese wahrhaft erhabene Absicht ernstlich und ohnejedes Interesse zur Ausführung kommen, so hängt dies nicht von einzelnen, wenn auch großen Cantoren allein ab, sondern cs müßte hier, wie bei jedem großen Werke heißen: viribus unitis! Eine Versammlung aller Cantoren müßte einberufen werden, aller Cantoren, weit, weit über unseres Vaterlandes Grenzen hinaus und diese hätten sich der schweren, aber großen und erhabenen Aufgabe zu unterziehen, ein einheitliches Werk zu schaffen, ein Werk, welches einen dauernden Ehrenplatz in der Geschichte der Judenheil einnehmen würde. F .... 0. Gegen die Judenverfolgungen in Rußland. Mittwoch den 1. Februar fand in der Egyptianhalle des Mansion House das große Meeting statt, welches einen Protest gegen die in Rußland an den Juden verübten Greuel erlassen sollte. Sowohl die riesige Halle wie die Plattform waren dicht besetzt. Die Elite Londons hatte sich eingefunden, alle christlichen Confessionen waren vertreten. Weder Juden, noch ausgesprochen Conservative nahmen an dem Meeting theil, damit durchaus kein anderes Motiv als das der Humanität und Sympathie der Versammlung unterschoben werden könne. Der Lordmayor führte den Vorsitz. Neben ihm hatten ihre Plätze Cardinal Mann ing, Baronin Bürdett, der Bischof von London, Canonicus Farrar, und eine Anzahl der hervorragendsten englischen Geistlichen. Schriftliche Sympathiekundgebungen trafen ein von allen englischen Bischöfen, vielen hervorragenden Geistlichen, dann von Tennyson, Lord Roseberry u. A. Alle diese Zuschriften erklärten übereinstimmend, daß sich die ganze Christenheit, sowie jeder einzelne Christ durch die gegen die Juden verübten Schandthaten entehrt fühlen > müsse. Lord Shaftesbury, der die erste Reoslution beantragte, führte besonders ans, daß diese englische Bewegung durchaus nichts mit der Politik zu schaffen habe, wie solches in ganz unbegründeter Weise von russischer Seite behauptet werde, daß nur die Humanität sie leite, kein andererals ein moralischer Einfluß auf Rußland ausgeübt werden solle und durchaus kein Haß. gegen Rußland die Versammlung beseele. Stürmischer Beifall durchbraustc den Saal, als Shaftesdurch erklärte, ebensowenig wie England Rußland haßt, ebensowenig fürchtet es, dem mächtigen Czar vorzuhalten, wie die Es ist noch nicht lange her, da besuchte mich der Cantor aus der kleinen Gemeinde T... n. Im Laufe des Gespräches beklagte er sich bitter darüber, welch' Unrecht ihm in seiner Gemeinde geschehen sei. ״Früher," meinte er, ״hatte ich ein ״Fixum" von 12 Gulden monatlich, seitdem aber der neue Vorsteher gewählt wurde, der mir nicht geneigt ist — (wahrscheinlich war er mit dessen Dienstboten beim Schlachten nicht höflich genüge oder hat er außer Acht lassen, demselben rechtzeitig ״guten Morgen״ zu wünschen), wurde mein ״Fixum" auf 8 Gulden, sage acht Gulden herabgesetzt. Als ich mich jüngst darüber beschwerte, erwiderte mir der ״Herr Vorsteher": ״Wenn es Ihnen nicht recht ist — können Sie gehen"!" — Was sagen Sie, Herr Professor, zu einer solchen Stellung? — Nach dieser Abschweifung kommen wir nun zum Schluß des Artikels, mit welchem Herr Obercantor und Professor Fried mann sich unsterblich gemacht hat. — Nachdem Herr Friedmann in seinem Artikel noch einen wahren Glorienschein um sein Haupt gewoben, indem er en passant erwähnt, was er für die Cantoren schon Alles gethan, sagt er wörtlich: daß man mit der Stellung der Cantoren in der Regel zufrieden sein kann; daß ein Verein (wohlgemerkt ein Verein) den vermeintlichen Uebeln nicht abhelfen könne; daß eine Verbrüderung in der Einbildung existiren mag, factisch aber nicht zu erreichen ist; daß ein Verein weder Altersversorgung, noch Pensionirung zu bieten vermag; daß endlich ein Verein für so viele Provinzen und Länder (und das ist wohl-des Pudels Kern) unpraktisch und unzweckmäßig sei.-Zuletzt läßt Herr Friedmann als Knalleffect noch einen Witz des ״Jll. Wr. Extrablattes" (die östcrr.-ungar. Cantoren haben kein Organ) als seinen eigenen auslenchtcn und schließt endlich: (wohlgemerkt!) ״Es sollen Ungarn separat für sich, — Oesterreich, dem er großmüthig Böhmen, Mähren und Schlesien zutheilt — wie jener jüdische ״Schnorrer" seinem zukünftigen Schwiegersohn die Provinz Posen — zum Abschnorren als Mitgift zusagte — und endlich Galizien, das sehr viele Gemeinden zählt, für sich allein Vereine!! bilden." Jeder dieser Vereine — die eigentlich ״Schnorrvereine" genannt werden könnten — soll für sich ein Blatt herausgeben und den Vereinsmitgliedern von vier zu vier Wochen mit ״Notenbeispielen", nöthigenfalls mit ״ganzen Piecen" gratis verabreichen. Also hinc illae lacrimae — oder populärer gesagt: ״Wir wissen schon, wo der Bartel den Most holt!" Ich meinestheils schmeichle mir, nicht so dumm zu sein, als daß ich der Sache nicht auf den Grund schauen könnte. Ich glaube es -recht gerne, daß es unserem lieben Collegen in Pest nun leid sei, trotzdem er während seiner 24jährigen Amtsthätigkeit und noch vieler anderen ״Thätigkeiten", wie er ja selbst zugesteht, schon oft von Collegen wegen Gründung eines Vereines interpellirt wurde und denen er immer sagte: ״Ver- [ schafft mir 100 Mitglieder und — der Verein ist

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