Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1882)
- Date
- 1882-02-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 liegt doch auf der Hand! Wenn nun die Cantoreu, zusammentreten und sagen, wir wollen durch Selbsthilfe, da wir ja durch kein Staatsgesetz geschützt sind und die Gemeinden für uns nichts thun könne, für uns und unsere Familie Etwas unternehmen, ist dieser Entschluß so absurd? Ist Herr Obercantor Friedmann berechtigt, solch' einer Humanitären Institution entgegenznarbeiten, einzig und allein nur deshalb, weiter nicht an der Spitze des Vereines steht? Nein, solch' ein Recht darf ihm niemals zngestanden werden! Wir wollen nicht in Feindschaft leben^ haben Herrn Collegen Friedmann durch ans nicht provocirt, doch wenn es sein mnß, werden wir zeigen, daß wir nicht Haarbreit zurürkweichen, daß wir unser vorgefterktes Ziel trotz Anfeindungen, trotz Spötteleien doch erreichen, als Männer von Ehre immer ansharren und am Platze bleiben werden. Doch wir wollen im Interesse der großen Sache den Frieden und deshalb bieten wir Herrn Eollcgen Fried mann die Hand der Bersöhnnng, möge er alles Andere bei Seite setzen und mit nns vereint wirken. Sollte jedoch unser Arierbieten mißverstanden oder gar ignorirt werden, sollten wir abermals von einem Manne angefeindet werden, dessen erste nnd heiligste Pflicht es sein sollte, mit nns zu gehen, dann werden wir eben thnn, was wir nicht lassen dürfen. Und stehen wir dann an der Spitze von tausend Cantoren, die uns zu ihrem Vertreter auserlesen, stehen wir dann, selbst geistig begabten und vielleicht sogar als Capacitä'teu bekannten Männern gegenüber, uns wird der Sieg, denn das Wort von tausend Collegen, und wenn es sogar die von Herrn Friedmann um ihre Stellung beneideten Provinzcollegen sind, das Wort von tausend Collegen ist unstreitig ein wenig mehr Werth. Und diese tausend Collegen stehen uns heute bereits getreulich zur Seite, wollen mit uns und für nns für die heilige Sache ein stehen. WereinsnacHrichten. Vorsitzender Vice-Präsident G o l d st e i n eröffnet die 4. Sitzung am 28. Jänner 1882 um ^8 Uhr Abends. Anwesend find: Ebrenpräses Snlzer und die Comitv- Mitglieder Herren Bauer, Blatt, Singer und Stern. Tagesordnung: Statutenentwurs. College Bauer beantragt die Wahl des Obercantors von Fünfhaus, Herrn Hermann (Hold ft ein, in's Comitv. Desgleichen beantragt Papa Snlzer die Wahl des Cantor Fischer als Comitv,nitglied. Beide Anträge werden mit Acclamation angenommen. (Fortsetzung folgt in der nächsten 'Jiumniev.) Ägendenbuch über Neritativ. Der vom Vicepräses Obercantor Goldstern eingebrachte und vom provisorischen Comitö angenommene Antrag, ein Agendenbuch über Recitativ zu schaffen, hat gewiß bei den meisten Cantoren, ob dieselben sich jetzt zu den großen oder kleinen zählen, seine Zustimmung gesunden. Ich sagte bei den meisten und nicht bei Allen, weil vorauszusetzen ist, daß viele sich von der falschen Ansicht werden leiten lassen, man wolle durch die Ausstellung einer Norm den.Selbstsch assungstrieb, die eigene Phantasie tödten. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. Ich verweise nur aus die besten Cantoren der Jetztzeit, daß dieselben, trotzdem sie sich streng an die mustergiltigen und noch von Niemandem übertroffenen Sulzer'schen Formen halten, Unübertreffliches leisten. Im Interesse der heiligen Sache, im Interesse der Würde unserer selbst, sind mir verpflichtet, ein derartiges gemeinnützliches Werk zu begrüßen. Dies ist ein Schritt weiter zur Hebung unseres Gottesdienstes, zur Hebung unseres Standes! So wie der Poet unbeschadet seiner Phantasie sich an I ein bestimmtes Versmaß, wie der Redner sich an die Formenmitgenommene emer. Rabbinerblatt aus und las: ״Ein Wort über ״Cantorenvereine", von Obercantor Professor Friedmann". ״Seit einiger Zeit wird in Deutsch- Land — und neuestens auch in Wien — die Gründung von ״Cantorenvereinen" und in Verbindung damit die Herausgabe von'Cantorenzeitungen mit einem Eifer betrieben, als Handelte es sich um die Unterdrückung eines Ausstand es. Und doch ist meines Wissens für die Beruss^enossen keine Gefahr vorhanden, die eine Mobilisirung nöthig machen würde" u. s. w. — (Der ״edle Autor", wie ihn der Redacteur des bezeichneten Blättchens schmeichelnd nennt, muß, dieser Einleitung nach zu schließen, sich in der letzten Zeit sehr viel mit der Lectüre vom ״Jnsnrrectionsschanplatze" beschäftigt haben.) Ich will die Leser dieses Blattes durch die Reproduction des Artikels, der säst so lange wie der ״edle Autor" selbst ist, nicht ermüden und beschränke mich nur darauf, zu bemerken, daß Herr Fried mann, am Schluffe dieses ellenlangen Artikels angelangt, ganz vergißt, was er in der Einleitung gesagt. Herr Fried mann erklärt, daß die Lage der Cantoren eine ausgezeichnete und deren Zukunst die rosigste sei, was nach dessen Meinung die ״Herren in Wien" angesichts der weltberühmten Munificenz und Noblesse der Wiener Gemeinde am besten wissen müssen. Wahrlich, eine crassere Idee kann man nicht mehr niederschreiben. Also die ״Herren in Wien" sollen ihre Stellung mit der ihrer Collegen in Holleschau, Tulln, Bnr-Szt. Miklos und anderer Gemeinden aus ein gleiches Niveau setzen? Nachdem Herr Friedmann noch ein Beispiel einer ansehnlichen Gemeinde (?) ansührte, wo Rabbi und Cantor in Zwist gerathen waren, der Rabbi seine Demission gab und dieselbe auch angenommen wurde, während der Cantor auf seinem Posten blieb, kommt er am Schluffe seines ״Leidartikels" — doch entschuldige, freundlicher Leser, daß ich mich hier selbst unterbreche, um auch meinerseits dem Herrn Professor mit einem kleinen Beispiel auszuwarten. Es dürste gewiß demselben nämlich nicht fremd sein, daß ein gewisser Cantor G.n viele Jahre bei der Pester Cultusgemeinde als Cantor in Amt und Stellung war — nun, dieser Cantor — ein 70jähriger Greis wurde dort entlassen — weil — nun weil er wahrscheinlich nicht mehr gefiel. Erwähnter Cantor, wäre gegenwärtig hiezu verurtheilt — zu darben, wenn er nicht von Collegen und Freunden hier in Wien unterstützt würde. Wahrlich, eine rosige Zukunst!! ״Der Satte glaubt dem Hungerigen nicht", ist ein altes, aber leider wahres Sprichwort, und nicht Jeder kann in Pest Obercantor sein, selbst wenn er die Fähigfeiten hiezu besäße. Und nun noch ein anderes Beispiel zur Beleuchtung der von dem Herrn Professor in so rosigem Lichte geschilderten Stellung der Cantoren.