Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1882)
- Date
- 1882-01-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 ו y!״ : ן] zur Vergrößerung desselben ein kleines Schärflein beizutragen und dürfte sich auch nachstehende Einrichtung empfehlen. In Erwägung, daß der Cantorenpensionsfond auch den Gemeinden zur Altersversorgung ihrer Cultusbeamten zu Gute kömmt, dürften die geehrten Cultusvorstände es gerne gestatten, daß in den Gotteshäusern unter anderen Täfelchen, die die Namen der Wohlthätigkeitsinstitute den Spendern in's Gedächtniß rufen, auch ein Täfelchen mit dem Namen ״Cantorenpensionsfond" affichirt werde. Wir hoffen auf diesem Wege unser Ziel, wenn auch langsam, doch allmälig zu erreichen; darum nur rasch an's Werk! Wir sagen mit den Worten des Dichters: ״Der Worte sind genug gefallen, laßt uns Thaten sehen. — Die erste zweckmäßige That soll mit Jubel von uns Allen begrüßt werden. Leopold Auspitz, Cantor. Stuhlweitzenburg. (Orig.-Corr.) Betreff der Frage: ob gleichzeitig mit dem Cantorenverein auch eine Cantorenschule errichtet werden soll, erlaube ich mir zu bemerken, daß momentan unsere Aufgabe nur gute Gemeindeu, keineswegs aber tüchtige Cantoren heranzubilden sein soll. Vorläufig haben wir die Tendenz des Cantorenvereines mit Ruhe und reiflicher Ueberlegung zu besprechen. Ich erlaube mir daher, die diesbezügliche Discussion hiemit zu eröffnen. Wenn der Cantorenverein keine andere Aufgabe zu erfüllen haben soll, als nur Almosen zu vertheilen, so wird in Folge der Zeit die Theilnahme der gutsituirten Cantoren allmälig abnehmen, weil dieselben ihre Zukunft bei einer Lebensassecuranz besser als bei dem Cantorenverein versorgen können. Hingegen, wenn der Cantorenverein nebst Unterstützung an Hilfsbedürftige seine Wirksamkeit hauptsächlich dahin ausbreiten wird, daß dessen Vorstand als berechtigter Mandatar seine Vereinsmitglieder nach Innen und Außen׳ vertretenbei etwaiger unschuldiger Verfolgung eines Mitgliedes sein Recht, wenn nicht anders möglich, mindestens durch Besprechung des dem betreffenden Mitgliede zugefügten Unrechtes geißeln, bei den beiden hohen Regierungen petitioniren wird, damit uns die Gesetze beider Reichshälften als Cultusbeamten ersten Ranges, welche wir, vermöge unserer gottesdienstlichen Normen factisch find, anerkennen sollen, um auch an jenen gesetzlichen Begünstigungen theilhaftig zu werden , welche die Rabbiner und Lehrer betreff der stabilen Anstellungen, Militärpflichten u. m. dgl. genießen. Hiedurch wird alsdann nicht nur das Interesse sämmtlicher Cantoren stets rege erhalten werden, unsere Stellung sich moralisch und materiell heben, sondern auch consequenterweise die Zahl der Hilfsbedürftigen sich vermindern. Werden wir die gesetzliche Anerkennung erlangen, so dürften sich vielleicht hernach manche Gemeinden schon im eigenen Interesse veranlaßt finden, den Cantorenverein zu unterstützen. Das Hauptziel des Vereines wäre, in erster Reihe die gesetzliche Anerkennung unseres Standes zu erlangen. Den Weg hiezu hat schon der durch Bildung ^und Herzensgüte rühmlich bekannte Professor Obercantor Moriz Friedmann geebnet, indem durch seine Intervention die hohe k. ungarische Regierung vor vier Jahren bereits eine Cantorenschule in Budapest errichtet hat, somit bewiesen, daß dieselbe von der Nothwendigkeit und Unentbehrlichkeit der Cantoren für die israelischen Gemeinden fest überzeugt ist. Ich erlaube mir schließlich auch den folgenden Antrag zu stellen: ״Nachdem es Pietätpflicht aller Cantoren ist, jene verdienstvolle Person, welche dem Cantorate eine epochemachende wohlthätige Richtung gegeben hat, zu verewigen, soll der Cantorenverein unter dem Namen ״Cantor Sulzerverein" sich constituren." Eduard Freysinger. Raab. (Orig.-Corr.) Es kommt, leider sehr oft vor, daß Cantoren theils durch nnverschuldeten Verlust ihres.Postens und theils auch wegen körperlicher Leiden bemüssigt sind, denselben zu verlassen, um. mit dem Wanderstabe in der Hand von Ort zu Ort zu wandern, an die Thüren ihrer Collegen pochen und denselben die unglückliche Lage ihrer Familie an's Herz legen. Der College thut, was in seiner Macht steht. Dem Nomaden ist aber damit nicht geholfen und so erachtet es das menschliche Mitgefühl als heilige Pflicht, ihn, den ״Ersten" der Gemeinde, behufs Unterstützung zu empfehlen. — Daß dies der Würde der Cantoren höchst nachtheilig, ist wohl selbstverständlich. Nur durch einen Cantoren-Pensions- und Unterstützungsverein könnte dem Uebel gesteuert werden. Adolf Schmulowitz, Obercantor. Kleine KHronik. . Zur Answairderurig russischer Kinder. Ein Lloydarzt schildert in einem Privatbriefe die Fahrt der ausgewunderten russischen Kinder nach ihrem Bestimmungsorte Jaffa in ausführlicher Weise. Einige Stellen ihres Schreiben, mögen ob ihres allgemeineren Interesses hiehergesetzt werden: Der Wiener Postzug brachte die Kinder zuerst nach Triest. Sie wurden dann an Bord des Eildampfers ״Achille" geführt. Das Comits der Alliance J^raelite erhielt auf Verwendung des durch seine humanen Bestrebungen bekannten Barons Morpurgo vom Oesterreichisch-ungar. Lloyd alle möglichen Erleichterungen für die Ueberfahrt. Auf dem Molo San Carlo herrschte ein bewegtes Leben. Die Schuljugend Triests,begrüßte die russischen Kinder mit Hurrahrufen, welche Aufmerksamkeit die Auswanderer durch Absingung einiger russischer Lieder quittirten. Als die Anker gelichtet wurden und das Dampfschiff sich in Bewegung setzte, rief die auf dem Molo versammelte Triester Jugend den Scheidenden laute Vivatrufe zu. Die Fahrt nach Jaffa verlief ohne die geringste Störung. Daß die kleinen Reisenden wie ihre Begleiter mehr oder minder von der Seekrankheit zu leiden hatten, braucht wohl nicht besonders bemerkt zu werden. Nach fast achttägiger Fahrt landeten wir in Alexandrien, wo die Kinder frisch verproviantirt wurden. Bei dieser Gelegenheit muß die außerordentliche Munificenz rühmend anerkannt werden, womit das Comite die Aus- Wanderer verproviantirte. In Alexandrien machten die zahlreichen Kriegs- und Handelsschiffe aller Nationen, das Ein- und Ausladen auf den Schiffen, das turbulente Treiben der Araber und Neger, der Anblick der zahlreichen Palmen und Orangengärten auf die nordischen Kinder einen großen Eindruck. Nach eintägigem Verweilen in Alexandrien reisten wir mit dem Dampfer ״Flora" nach Jaffa ab,׳ wo die Kinder ohne jeden Unfall an's Land gesetzt und in die für sie bestimmte, außerhalb Jaffa's liegende Anstalt gebracht wurden. College Schlesinger, früher Cantor in Wottitz in Böhmen, hat in der isr. Gemeinde Hernals (Wien) kürzlich seinen Posten angetreten. (Wir gratuliren. Die Red.) Offener Sprechsaar für Alle. Prag, 17. Jänner 1882. An die löbl. Redaction der ״Oesterreichisch-ungar. Cantoren-Zeitung". Sehr geehrter Herr Redacteur! Die Zusendung Ihres geehrten Blattes hat uns unterzeichnete Cantoren zu einer Zusammenkunft veranlaßt und wir