Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1882)
- Date
- 1882-01-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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I; F 1m! t:;■ jfa r: t•; t; r: Männer eventuell als zum Vereine gehörig betrachtet wissen wollen, so werden wir lediglich von der Ansicht geleitet, daß es eine Pflicht des Vereines sei, auch für Diejenigen Sorge zu tragen, die an der Verherrlichung des Gottesdienstes mitwirken und daß es im Interesse jeder Gemeinde gelegen sein müsse, tüchtige Chorsänger für die Dauer ihr Eigen nennen zu können, da der immer eintretende Wechsel des Personales keineswegs für das Ganze ersprießlich ist. Mit der Creirung dieser Unterstützungscasse ist jedoch nur vorerst die eine Hälfte unserer Aufgabe und zwar, die materielle gelöst; ungleich wichtiger hingegen erscheint uns dieHebung unseres Standes in ethisch-fachmännischer Beziehung. Zu diesem Be- Hufe ist es unabwcislich, in unserem,, lediglich der Sache dienendenVereinsorgane, der״Oesterr.-ungar.Cantorenzeitung", all' die Anschauungen und Vorschläge als das aus der langjährigen Erfahrung unserer bervorragenden, intelligenten Fachgenossen resultircnde Ergebniß den Mindererfahrenen und Minderbegabten mitzutheilen, hiedurch eine öffentliche, sachgemäße Polemik wachzurufen und auf diese Weise das Urtheil zu klären und der heiligen Sache die gebührende Bedeutung zu verschaffen. Zur Erreichung eines möglich hohen Grades von Gleichartigkeit des jüdischen Gottesdienstes erscheint es nöthig, eine Agende zur allgemeinen Annahme' beziehungsweise Darnachrichtung zu veröffentlichen, welche die Grundprincipien der synagogalen Recitations- und Responsorienweise enthält. — Die Herausgabe des Büchleins soll einem von der General- Versammlung einzusetzenden Somit« obliegen und dann allerdings als Norm für uns Alle gelten, ohne, daß hiemit der Phantasie des Beanlagteren irgend welche Fesseln auferlegt sein sollen. — Die Herstellungskosten dieser Agende, welche in der Form der bis nun nur wenig gewürdigten, aber vortrefflichen Sulzer'- fchenDudoim erscheint, hat in hochherziger Weise Papa Sulj zer übernommen, und soll in derselben sowohl der anerkannte Styl des Wiener Synagogengesanges gewahrt, wie nicht minder den Reminiscenzen des altehrwürdigen Chasonos in allerdings zeitgemäßer Form Rechnung gerragen werden. WereinsnacHrictzten. 3. Lümttssitzung am 23. Jänner 1882, 7'/, Ahr Abend. Änweseud dir Herren: Ehrenpräses Lut;er, Vorsitzender Singer, ViceprÜses Gold sie in und die Comitemitglirder Sauer, Statt, Lulka und Stern. Singer beantragt, an sämmtlichr israelitische Cantoren einen Aufruf ergehen;u lassen, behufs Gründung eines israelitischen Santorenvereines an dem nach Ostern abruhaltendcn allgemeinen Cantorentage zu erscheinen. (Angenommen.) Zweck des Vereines sei: I. Die Hebung des israelitischen Cantorstandes nach jeder Richtung. (Angenommen.) n. Gründung eines Anterstützungsfondes für leistungsunsöhig gewordene Cantoren» rrsp. deren Witwen und Waisen, sowie (Antrag Singer) der beim Synagogengesange stabil wirkenden Männer. (Angenommen.) Sub. 1, betreffend die Hebung -es israelitischen Cantorstandes nach jeder Richtung, wurden beantragt: a> Die Herausgabe einer Agende sür den Synagogengesang behufs Gleichartigkeit des Gottesdienstes (Goldstein), ohne jedoch den Segabten Fesseln auferlrgen;u wollen. (Angenommen.) Papa Sulxer erbietet sich, die Herstellungskosten der Agende aus Eigenem zu bestreiten und wird ihm hirfiir der Dank der Versammlung ausgrdrückt. Ir) (Antrag Lul;er). Errichtung einer Cantorschule;ur Heranbildung jüngerer Cantoren. (Nach längerer Debatte, bei welcher geltend gemacht wurde, dass dieses Unternehmen uuabhängig vom Lantorenvrrrin sei, wurde Seschlußfassung vertagt.) Vorsitzender schließt dir Sitzung 91/* Ahr Abends. Nächste Sitzung Samstag den 28. Jänner 1882 (7 Ahr Abends). Gäste sind zu jeder Sitzung willkommen. Tagesordnung: Statutenentwurf. Andeutungen über das Recitativ. (Von A. Kulka.) (Fortsetzung und Schluß.) Unverblümter und schärfer als in irgend einer anderen musikalischen Form tritt der Text im Recitative hervor, daher er hier auch nie wiederholt wird, was in rhythmischen Gesangstücken fast durchgängig der Fall ist, um mehr Nachdruck und größere Vollendung in der Darstellung des betreffenden Gefühls zu erreichen undum eben dieser:Unverblümtheit wegen sollten die Compositeure den größtmöglichen Fleiß auf das Recitativ verwenden; denn es läßt sich darüber, wie über Alles, wobei Gefühl' und Genie so bedeutende Rollen spielen, keine definitive Theorie aufstellen und dann dient das Recitativ keineswegs nur dazu, um dem von den melodiösen Gesangstücken angestrengten Ohre zur Erholung zu dienen; es ist kein simpler Fort- und Nachklang des musikalischen Tones, des ganzen Werkes, nein, es ist die Stütze, die Einleitung, es ist der Wiesengrund, auf welchem die Gesangsrosen blühen. Das Recitativ wird gemeinhin in das Freie (Ungebundene), welches man mit einfachen AccorKen begleitet und in das Gebundene (Obligate), welches mit Jnsirumentalsätzen vereint ist, getheilt. Beide Arten sind an ihren Stellen von gleich großer Wirkung und verlangen gleiche Kenntniß der Prosodie und Deklamation, ja, die. erstere Art, welche gewöhnlich bei minder bewegten Stellen angewendet wird, sollte womöglich noch genauer construirt sein, da die Letztere schon allein durch den Affect, welchen sie darstellt, Hinzureißen vermag und durch das Mitwirken der Instrumente oder der Orgel, welche den Seelenzustand des Recitirenden noch weiter ausführen und darlegen, ein lebendiges Colorit erhält. Ferner theilen sich die Recitative, abgesehen von denjenigen, welche zuweilen in Liedern und.vorzüglich in Balladen Vorkommen, in die dramatischen und oratorischen, I welche sich dadurch von einander unterscheiden, daß das Zweite, da es jederzeit mehr betrachtend als handelnd ist, einen ruhigeren Gang und minder gewagte Ausweichungen hat und sich in weniger entfernten Intervallen bewegt. Was da überhaupt Recitativ heißt, sei selbst dann, wenn es in das liebenswürdige Arioso übergeht, ohne allen Zierrath, es sei keusch und rein - vestalisch — wenn ich so sagen darf; kein Triller, keine Fermate, keine Cadenz verunstalte das Letzte, meistens besonders wichtige Wort; das Recitativ ende prunklos,, wie es begann, denn es ist keine sprudelnde Fontaine, die um tausend und aber tausend Silberwellchen erglänzt, sondern ein See, der selbst dann, wenn er sich nur zu wiegen scheint, gewaltige, langgehaltene Wogen.schlägt. Es ist merkwürdig, daß das Recitative früher in'§ Leben trat, als die für sich abgeschlossene-Poesie oder Musik, ja, es ist für die Geschichte beider Künste von hoher Wichtigfeit, daß mit dem Erwachen des hier so schön doppelsinnig bezeichneten ״Gesanges" beide Künste zugleich und in derselben Seele entsprossen, wie Schwesterblüthen aus Einer Wurzel und aus Einem Stamme, — eine doppelte Morgenröthe, welche zwei gleich riesigen Sonnen zur Vorgängerin diente. König David sprach sie nicht seine gottbegeisterten Psalmen, nein, er sang sie zu seiner Githit, das Wort war noch zu gemein, die Sprache als solche zu gewöhnlich, zu schwunglos; die entflammte Brust müßte tönen, klingen, die Lüfte, erschüttern, wie das Gemüth des Dichters von seinen