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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-01-15 · Heft 3 (15.1.1882) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 3 (15.1.1882)
Date
1882-01-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 glied des Rädels: ״Es ist doch merkwürdig, daß heutzutage keine Niffim mehr geschehen!" ״Sie geschehen nur dann, wenn sie nothwendig sind", belehrte ein älteres Club Mitglied. ״Wie kann man das sagen?" Vielleicht geschehen sie heut auch, wir wissen nur nichts davon", bemerkte ein Dritter. Unter solchen und ähnlichen geistreichen Gesprächen ״der guten alten Zeit" war die vierte Nachmittagsstunde herangerückt, und das Rädel schickte sich an, in die Synagoge zum Abendgebet zu gehen. An der Pforte des Bet- Hauses harrte heute eine größere Versammlung als sonst, da ja ein Fasttag war. Auch der Rabbiner und der Chäsen befanden sich dabei. Mit knurrenden! Magen erwartete man noch den ersehnten ,,Schulklopfer und Schames", welcher als Präludium zum Gebete zuerst die üblichen drei Hammerschläge an die Pforte des Bethauses zu geben hatte, der jedoch, trotzdem die Thurmuhr die vierte Stunde schon verkündet hatte, zum Aergerniß der hungrigen ״Balbatim" heute nicht erscheinen wollte. ״M'na" Hub Reb Jtzeg an, ״das heißt ein Schames! Wenn ich Roschhakohl wär' — wollt ich ihn schon Mores lehren. — Ein so ein Schikernik — zwei Gulden Knaß müßt' er zahlen!" — ״Wer weiß, was damehr ist" sagte ironisch ein Anderer, ^,vielleicht schlaft er ein bisst". So äußerte Jeder seinen Aerger, der Eine in ernster. Der Andere in hämischer Weise, aber mit all' ihrem Aer-. ger konnten sie nicht in die Synagoge hinein. — Es war beinahe dunkel geworden', als der Schames fast athem- Los gerannt kam und meldete, daß er den Schlüssel von der ״Schul'" nicht finden könne. ״Der Schlüssel — meinte er _ der doch immer an einem bestimmten Nagel hängt — ist wie Korach eingesunken — das ist mir noch nit pasfirt, was ich Schames bin. — Es blieb sonach nach diesem unliebsamen Zwischenfall nichts übrig, als sich in - die Wohnung des Rabbiners zu begeben um dort ״Wajechal" zu leinen. — Als der. CH äsen im ״Schemona esra-Gebete" bei der Stelle: ״סלח לנו אבינו פי חטאנו״ angelangt war, wurde die Zimmerthüre ungestüm geöffnet, und mit den! Ruse: ״Riboine schel 010m“ — das heißt, ״ein Masel, daß man den Schlüssel von Schul' nit. gesunden hat-" ״Schah! Schah!" — riefen mehrere Stimmen zugleich — ״werst's meschuge Rochel hinaus!" — das Weib ließ sich jedoch durch diesen nicht ״sehr freundlichen Empfang" nicht stören, sondern schrie aus vollen Leibeskräften: ״Ribone schel olom, was heißt' rauswerfen, wenn die Schul' ist eingestürzt"! Alle, alle, wie ihr da seid's, hätt's können ״cholile" derschlagen werden". — Ja, ja, seht's mich nur gut an!" Bleich und sprachlos vor Entsetzen sah nun Einer den Andern an und mit dem Beten war es bald vorbei, denn Alles stürzte fort. — Da wo man vor kaum einer halben Stunde noch auf den Einlaß in das Gotteshaus sehnsüchtig gewartet hatte — war nur noch ein Schutt- Haufen zu sehen, aus dem Balken, Sparren und Bretter hervorlugten. — Am nächstfolgenden Morgen, als man den Schutt weggeräumt hatte, fand man die Thorarollen und die heiligen.Gerüche unversehrt. ן Zur Erinnerung an diesen Tag wurde der bl. des- Monates Tebeth als Fasttag eingesetzt. Außerdem wird am. Abend dieses denkwürdigen Tages in der israeü Volksschule für die Schuljugend ein Fest veranstaltet und. arme Kinder aus einer Stiftung mit Winterkleidern betheilti — Kme Zuderrhehe tut stevzeßnterr Jahrhundert. (1. Fortsetzung..) Der drohende Sturm ging diesmal noch vorüber allein als es im August desselben Jahres hieß, daß die kaiserlichen Commissarien wieder kommen sollten, um all den Unordnungen ein Ende zu machen und die Juden zu schützen, beschlossen die ״Norärm", ihr Vorhaben gegen die-, selben auszuführen. Es ist am besten, ich lasse den reimenden Augenzeugen den Verlauf selber erzählend 20. Da Jom rischon (Sonntag) 26. Ein (August) 874: (1614) kam bei der Haut. Thaten mir denn nicks andersdenn schreyen und weinen. Denn die Lonoim (Feinde) hatten das Maul aufgespannt. Sie sollten sich hart wieder ausleihnen Zu Fasten hat man herum gefeit. Auf Jom Scheni (Montag) zu Morgens mit betrübten Hertzen. Den ganzen Tag Unmuth und Traurigkeit. Die Nacht wachten wir mit großen Schmertzen. 21. Da der Morgen Jom rischon kam herbei). Hatten mir Achtung auf gar eben. Alle Augenblicke kamen Z&ros (Trübsale), die waren neu. -Traffen an Leib und 'Leben. Die Häubt-Noräim kämen selbst daher. Mit große alitos. (Beschuldigungen), die waren Sckekorim (Lügen). Ihr habt gethon wieder unsre Ehr. Ihr habt geredt diese Devorim (Sachen). 22. Da es war Zeit Minclia oren (Abendgebet zu. Hallen). Verging uns Sehn und Hören. Denn das Volt versammelt sich vor den Thoren. Unser Trauern ward sich mehren. Zu der Gassen zu, waren sie dringen. Die Pforten thäten mir zuschließen. In die Schul mir doch gingen. Mw meinten der 1611a (Gebet) zu geniesen. 23. Wie man die Haftora (das Capitel aus den Propheten) hat uns thun sagen. Ein groß jämmerlich Geschrey mir hörten. Die 80n6im wieder die Pforten schlagen. Sie zu brechen an allen Orten. Der'80n6 (Feind) war uns auf dem Hals. Aus der Schul theten mir all lasen. Weh dem der das hat gesehen. Als wie die Sach is gewest geschaffen. , 24. Ein Theil fromme Weiber, Nosekim jekoros (vornehme Frauen). Ihre liebe Kinder sie Mitnahmen. Legten sich aus das Bes hekkevoros (Kirchhof). Hie wollen mir sterben mit asamen. Auch ein Theil laffen heim zu Haus. Und holten ihre Spies und Schryerdter. Leicht schlagen mir stk wieder erans. Eh der Krieg wert länger derter. 25. Ein Theil hatten sich. auf die Maur gestellt. Mit! Seil einem grosen. So sich die Noknma (Austauf) nit stillen wöllt. In einem Garten enab sie sich wollen losen. Etliche waren mazzil (gerettet) in ihrem Haus. Eh es die 80n6im theten erfahren. Ein Theil lieffen zur Gassen enaus. An Oerter da sie bekandt waren. ׳ 26. Ein köstlicher Eren (Rathsherr) in der Stadt. That sich über uns derbarmen. Einen grosen Garten, ' und hüpsch Hauß er hat. Er schloß es auf uns Armen. Mir gingen enein in Haus und Hoff. Man darft ihm darzu nicks

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