Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1882)
- Date
- 1882-01-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ה unserer sozialen Stellung von geradezu eminenter Bedeutung ist. Während nämlich die jüdischen Gemeinden, wie auch Rabbiner, Prediger, Lehrer 2c. schon seit Jahrzehnten ihre Fachblätter besitzen, war es lediglich den Cantoren vorenthalten, in einer der Gemeinschaft ungehörigen Zeitschrift durch Austausch der Gedanken die eigenen Anschauungen zu klären, durch Kundgebung der Ansichten hervorragender, intelligenter Fachgenossen auf den Minderbegabten belehrend oder anregend einzuwirken. Diese beklagenswerthe Thatsache brachte unserem Stande tiefe Wunden bei, indem das Nichtvorhandensein dieses geistigen Bindemittels der Mitwelt den Beweis zu liefern schien, daß dort, wo nichts gesagt wird, auch nicht viel zu ändern sein dürfte; — hie und da die Vorrede zu den Werken eines Componisten, eine Flugschrift, die zumeist das Jndividium und selten die Sache behandelte, was wollte das sagen? — Hätten nicht bisweilen Laien oder Glichtjuden über Synagogenmnsik, hebräischer Melodie 2c. geschrieben, — es wäre niemals ein Wörtchen über Cantoren und Cantorfach in die Oeffentlichkeit gedrungen. Allein wie die Wirkungen jedweder bedeutsamen Institution, wenngleich nur in stiller Abgeschiedenheit schaffend, durch Anerkennung der Mit- und Nachwelt sich dennoch äußern, so müßte es auch mit den Bestrebungen derjenigen kommen, denen als Träger des jüdischen Gottesdienstes ein hochwichtiges, hochheiliges Amt übertragen ist. Kaum drei Jahre sind es her, als ein unternehmender klarsehender College in Deutschland mit Hintansetzung feiner eigenen Vortheile es unternahm, die Zeitschrift für israel. Gemeindebeamte ins Leben zu rufen, und nun bringen warmfühlende Coltegen unseres Vaterlandes Oesterreich gleichfalls die mannigfachsten Opfer, uni uns all' die Segnungen zu erschließen, welche ein Fachblatt für die Mitglieder einer jeden Genossenschaft bringen muß. Sollen die Eröffnungen einer solchen Zeitschrift jedoch nutzbringend werden, so dürfen wir keineswegs zwei hochwichtige Faktoren außer Acht lassen: ״Nachsicht u n d Einsicht." Nachsicht mäßen wir den Bestrebungen dieses jungen Blattes entgegenbringen, indem wir von demselben nicht sofort bei dessen Erscheinen ausschließlich gediegene Aufsätze erwarten; es muß auch, da dasselbe Gemeingut werden soll, dem Minderbegabten, wenn er nur für unsere Zwecke Ersprießliches zu Tage fördert, ermöglicht sein, sich aussprechen zu dürfen. Wir erwarten hiebei nur, daß die löbl. Redaktion, sei es durch Umarbeitung inhaltlich genügender aber sprachlich unvollkommener Aufsätze, sowie durch strenge Zurückweisung leeren Wortkrames für Aufrechthaltnng eines gewissermaßen guten Tones innerhalb der Spälten unserer Zeitschrift Sorge tragen werde. Indem wir hiefür an die Nachsicht der betreffenden Herren Mitarbeiter appelliren, fühlen wir uns veranlaßt, sofort auf eine uns Cantoren anhaftende Schwäche aufmerksam zu machen, die ein altes Sprichwort, ״ein Chasan sei ein Narr" zu motiviren geeignet istבלגו חבמי־ם das scheint der Wahlspruch zu sein, den Viele von uns im Munde führen, sich demgemäß aus Gebiete wagen, die ihnen gänzlich fremd sind, und mit ihren Bestrebungen dem Cantorfache tiefe, unheilbare Wunden beibringen. Unser Blatt darf nicht zur Versuchsstätte für stylistische Uebuugen gemacht werden: es kann jemand ein ausgezeichneter Cantor, ein gediegener Hebräer, ein anerkannter Charakter k. sein, ohne einen nur einigermaßen correkten deutschen Auffatz liefern zu können. Hüten wir uns daher vor Veröffentlichung derlei unreifer Geistesprodukte, welche-unseren Gegnern eine mächtige Handhabe zur Bekämpfung unseres Unternehmens bieten würden. Ueberlaffen wir die öffentliche Kundgebung des Wortes, der die nöthigen Vorbedingungen hiefür besitzt, und wir werden in Bälde der erfreulichen Thatsache gegenüberstehen, daß unsere diesbezüglichen Bestrebungen von unseren Widersachern im vollsten Maße anerkannt werden. Josef Singer, Obercantor. Meine ßhrornk- P o r i s. — Obe r-R a b b i n e r L ct 3 a r d. — ״Wie mm kius Paris ineldci ist der in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte O b e r-R a b b i n e r L a z a r d vor einigen Tagen gestorben. Derselbe bekleidete sein Amt seit dem Jahre 1855, war Almonienier in der französischen Armee und zwar für die jüdischen 'Angehörigen derselben. — Während des französischen Krieges im Jahre 1870 dem Corps Bazaine attachirt, machte er mit diesem die Belagerung von Mel; durch und erhielt später in Anerkennung seiner Verdienste den Orden der Ehrenlegion." (Friede feiner Asche!) W a v s ch a u. — Z u d e u Jude n h e tz e 11. — Aus Warschau berichtet man uns: ״Der amtliche Bericht über die Warschauer Katasirophe lautet in seinem Hauptheile in der Ucbersetznng: ״Bei Anlas; der traurigen Katastrophe, welche sich am 25. Dezember in der Krcnzkirche er׳- eignete, wurde die Nachricht verbreitet, daß selbe ein Taschendieb, e i 1t I n d e, hervorgernfen, welcher in dem Augenblicke festgenommen wurde, als er einem Herrn die Uhr aus der Tasche stehlen wollte, sich durch den 'Ruf: ״ES brennt" befreien wollte. Diese Behauptung h a r s i ch bei der e i u g e l e i t e t e n Untersuch n u g n i ch t b e fr ä t i g r, dagegen ist es klargestellt, dag weder im Innern der -Kirche, noch auf den zu derselben führenden Treppen in der Zeit des Gottesdienstes Juden anwesend waren, und daß die ^Katastrophe, verursachr durch die falsch verstandene Bitte eines Mannes, welcher einer in Ohnmacht gefallenen Frau zu Hilfe eilte, die Meinung hervorrief, man brauche Wasser, um entstandenes Feuer zn löschen." B a M b e r g. — D e r R a b b i n e r v 0 n B a m b e r g. — Dem ״Fbl." schreibt man: ״Der Vorstand der israelitischen Cnltnsgeineinde in Bamberg hat vor einigen Tagen in einer Versammlung einstimmig beschlossen, in Folge eines Vorfalles in der Familie des Rabbiners Dr. K 0 b a cf (die Tochter desselben hat sich vor einigen Tagen in Folge der schlechten Behandlung, welche sie seitens ihrer Ltiefmutrer erfahren, znm Fenster hinabgestürzt), diesem eine einmalige Abdikationssumme von 10.000 Mark und eine jährliche Reute von 1200 Mark zn gewähren, wenn er ungesäuntt und freiwillig zurttckrreten würde. Dr. Koback soll sich jedoch für das Bleiben entschieden haben." 1 Ob man auch einem Cantor solche Conzessionen machen würde.) Der 10» HeöeLH des Jahres 5468. Aus Lundenburg in Mähren kommt uns unter obigen Titel die folgende nicht uninteressante Mittheilung ans der Chronik der dortigen israel. Gemeinde zu: ״Daß nicht nur der 10. sondern auch der 11. Tebeth als eilt Fasttag in unserer Gemeinde gehalten wird, dürfte nur wenigen Leuten bekannt sein, und hat es mit diesem Tage sein eigenes Bewandtniß." — ״Es war nämlich an! Nachmittage. des zehnten Tebeth im Jahre 0458 nach jüdischer Zeitrechnung und das ״Rüdl" stand (wie es noch heute nach 184 Jahren üblich ist) vor dem Gotteshause und machte zum Zeitvertreib in Politik und Tagesneuigkeiteu. Als das Thema endlich erschöpft war, sagte ein ehrenwerthes Mit-