Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1882)
- Date
- 1882-01-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Are Tochter des ßhasan. O r i g i ri a l - E r z ä l u n g aus vergangenen Tagen von Kd. v. ZemlinszLy. (Alle Rechte Vorbehalte h.) 1. Fortsetzung. Ein lauter Zammerruf entschlüpfte ihren Lippen. 'Schnell fort jetzt — rief sie — schnell fort — und fofiig eilte sie ans dem Gemache hinaus. Leise öffnete sich die Thüre, die in's Schlafgemach des Blason führte nrd dieser 110t aus demselben, heraus. Mas war das für. ein Zammerruf, den ich gehört, oder l ate ich etwa schon geträumt? sagte er, das Gemach mit ihmi einzigen Blicke überschauend, die Lichter brennen, und 8 ow, wo ist Roia? Rosa — wie seltsam! Und der Körper des alten Mannes wurde. wie. vonl Ficberfroffe geschüttelt. ״Rosa l" rief er-mit starker Stimme, ״Rosa, wo.bist du?" Keine Antwort. — Mein Gott, mein Gott, was ist geschehen, wo ist mein Kind? schrie der unglückliche Bater plötzlich, ohne zu wissen, obne zu obren, welch' schreckliches Unglück über ihn hereingekommen war. Endlich gematzrte er -denvon Rosa geschriebenen auf dem Tiscke zurückgelassenen Papierstreifen. Mit stebe^hafter Hast nahm er denselben auf, las ihn, und liest ihn ebenioscknell entsetzt wieder zu Boden fallen. Sckira Israel! riet er mit markerschütternder Stimme, Gott, Du strafst mich schwer in meinem Kinde — schwerer, nr§ ich es vielleicht zu ertragen vermag. — Doch vielleicht ist noch Rettung möglich, vielleicht kann ich sie noch zurückhalten von ibren unseligen Entschluß. — Und drunten auf der Straße, einige Schritte vom Hause entfernt lag Rosa — die Tochter des Chasan laut weinend in den Armen eines jungen Mannes. Last mich zurück. Alfred, schluchzte fie — laß mich zurück in meines Vaters Havs — ich kann s o nicht fort von ihm, ich kann nicht— ich muß ihm noch einmal sehen —' einmal nur noch — ich trenne mich ja in dieser Stunde sür's ganze Leben von ihm. Tbörin die Du bist — suchte sie der junge Mann zu bervbigen —' in höchstens einem Jahre, wenn Du als =■ meine Gattin — an meinem Arme erscheinst — wird man Dich mit Freude und Jubel begrüßen — Dein Vater wird glücklich sein — Dich wieder zu empfangen — Dich wieder seben zu können — Dich seinen Liebling — als die Gattin eines Edelmannes( Meinst Du? Du täuschst Dich . Alfred, willst auch mich duschen, ich weiß es besser. Ich kenne meinen Vater, ich kenne mein Volk! Von den Augenblicke an, in welchem ich, diese Schwelle überschritten, um Dir zu folgen, bin ich eine Fremde; eine Fremde für meinen Vater, eine Verhöhnte, Verspottete von meinem Volke und dieß mit Recht. Ja, schau , mich nur so seltsam an, - ich sage es Dir nochmals, -sie sind im Rechte, und wenn sie mich mit. Koch urrd Steinen bewürfen, wenn sie mir ins Gesicht speien würden, sie'sind im Rechte, denn keine elendere, schändlichere That läßt sich denken, als die-— die ich im Begriffe bin zu begehen. -Ich verlasse meinen armen Vater, dessen Haare in Ehrend grau geworden sind und entehre ihm, ich verlasse meine armen׳ kleinen Geschwister, denen ich die selige Mutter ersetzen sollte und raube ihnen hiedurch, ihre Mutter, und doch ist dieß alles, alles so'wenig. Meinen Gott will ich verlassen, vergessen, meinen Gott, dem ich so treu so innig angehangen, meinen Gott, dessen Name die Mutter mich lehrte aussprechen, meine Mutter. O!. Mutter — Mutter — warum bist Du nicht bei mir, um mich zurückzuhalLen! Laß mich-zurück Alfred, ich muß zurück! ' ־ Komm jetzt, die Zeit drängt, wir müssen eilen, 1 denn — — —. — Wenn uns Jemand sehen würde, dann würde man uns verhöhnen, beschimpfen, so wolltest Du sagen, nicht wahr? Ja Dü hast recht, ich höre. Geräusch, schnell laß uns eilen damit wir aus dem Ghetto kommen. Und die Beiden entfernten sich-schnellen Schrittes vom Hause weg..! ■־... Haltet ein, um Gottes willen haltet ein, schrie plötzlich eine Stimme hinter ihnen, und Reb Schlome eilte aus, dem Hause Hörens, miltin auf die Straße. Unwillkürlich waren Beide stehen geblieben, während sich -ihnen der unglückliche Vater näherte. . Rosa,( sagte er mit zitternder Stimme, kehre zurück in Deines Vaters Haus, ich will Dir verzeihen, will vergessen was geschehen, doch gib diesen schrecklichen Gedanken aus. Geht fort Herr, geht nur fort, sie ist meine Tochter, ich allein habe sie zu schützen, ich habe das heiligste Anrecht an sie. Rosa — bist Du von Sinnen, weißt Du auch, was Du thusi, weißt Du auch, daß Du Noch und Elend entgegengehst, weißt Du, daß die Verläugnung, der Abfall vom Glauben unserer Väter, unseres, Gottes, des einzigen wahren Gottes niemals ungestraft bleibt. Wenn Tu heute zurückgehst Rosa, flüsterte der Edelmann!eise, Hann komme ich nimmer wieder, dann' sind wir! wieder auf ewig getrennt, dann hat Dein Kind kein en Vater. Gott .im Himmel wird sein Vater sein, ries der Chasan der die letzten Worte gehört hatte, mit starker Stimme, er beschützt jeden Wurm, der da mühsam kriecht, er wird auch gewiß dieses unschuldige Kind beschützen, dem er das Leben geben will. Komm Rosa, kehre zurück! Verzeih' mir Vater, auf den Knien flehe ich Dich an, mir zu verzeihen, Deinem unglücklichen Kinde. Laß mich ziehen, ich kann nicht anders, laß mich ziehen. So ziehe.hin, sagte Reb Schlome dumpf, ziehe hinaus in die Welt. Schwimme auf den unruhigen Wogell des betrügenschen Meeres dahin. Ich sehe Deine'Zukunft hell leuchtend vor mir flehen. Kummervoll verläßt Du mein Haus, doch freudigen Herzens folgst Du diesen Mann, und gebrochem» Herzens, beraubt um ein ganzes Leben wirft Du wieder heimkehren. Nicht fluchen will ich Dir, auch, keine bösen