Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1882)
- Date
- 1882-01-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Krakau. (Orig. Corr.) Ober-Polizeimeifter Bnturlin hat sofort nach seiner Rückkehr aus -Petersburg einen Aufruf an die Bevölkerung von Warschauerlassen und die strengsten Maßregeln ergriffen. Militär wurde aus Piotrkow, Lodz und Lowicz herangezogen und in der Nähe von Wohnungen von Juden Militärposten' aufgestellt. Bisher wurden 2600 Personen arretirt, darunter auch solche, die schon einmal« verhaftet, aber wieder freigelassen worden waren. Die hiesigen Blatter bringen Schilderungen haarsträubender Szenen, die sich bei den Judenkrawallen abspielten. Noch vor Kurzem versuchten Banden, die Plünderung fortzusetzen, wurden aber insgesammt verhaftet. Bei dem Warschauer jüdischen Cultus-Vorstande haben sich bis jetzt 6000 jüdische Familen als zugrunde gerichtet angemeldet. Ein aus Christen und Juden gebildetes Unterstützungs-Comite wird den durch die Plünderungen verursachten Schaden abschätzen. Warschau. Die Exzedenten haben den Soldaten ״Hurrah!" zugerufen und wurden durch Gegenrufe seitens der Soldaten aufgemuntert. Als der Vertreter des Ober- Polizeimeisters, Generalmajor Polenow, durch die Stadt fuhr, rief ihm der Pöbel ein ״Hurrah!" zu, und Polenow erhob sich vom Sitze, um den Pöbel zu salutiren. Ein vom Pöbel verfolgter Jude rief um Hilfe, w u r d e ab e r von danebenstehenden Soldaten verhöhnt u n d beschimpft. In einigen Gassen drangen Soldaten in die vom Pöbel ausgeplünderten Gewölbe und Schanklokale, tranken dort Branntwein und nahmen Zigarren mit. Unter dem Pöbel herrschte die größte Zuversicht, das Militär werde keinen Gebrauch von den Waffen machen, weil dies hohenorts untersagt sei. Ein mit Schießen drohender Offizier wurde von Gassenbuben verhöhnt und insultirt und hat dennoch diese Drohnug nicht ausgeführt. Krakau. (3. Jänner) (Orig -Corr.) Die hiesigen israelitischen Kaufleute wurden durch ein hierorts seltenes Ereigniß in eine besondere Aufregung versetzt, welche leicht begreiflich ist, wenn man sich die letzten in Warschau gegen die jüdische Bevölkerung verübten Exzesse vor Augen hält. Es ׳wurden nämlich am 2. l. M. etliche 30 Drohbriefe — Annonzen — an mehrere am hiesigen Ringplatze etabilirten isr. Kaufleute abgesendet in denen den betreffenden Kaufleuten anbefohlen wurde, binnen einer Woche die innere Stadt zu verlaßen und sich in die Vorstädte zurückzuziehen, da man ihnen sonst ein gleiches Los — wie das der Glaubensgenossen in Warschau — zu bereiten gedenkt. Die erwähnten Briefe wurden sämmrlich der hiesigen k. k. Polizeidirektion übergeben. Die Nachforschungen nach den Urhebern dieser Briefe werden gepflogen. __ Korrespondenz. Der Raum unseres Blattes wäre viel zu klein, wollten wir all die freundlichen Worte wiedergeben, die uns von unseren geehrten Collegen geworden, und müssen wir uns darauf beschränkeu, diese uns so lieben Schreiben nur zu skizziren. College Blatt,. Wien, äußert die lebhafteste Freude über diese glückliche Idee und ist der festen Ueberzeugung, daß sich alle Collegen an dem Ullternehmen mit Rath und That betheiligen werden; College Reiß, Z u a i m : ״Ein längst gehegter Wunsch sei nun in Erfüllung gegangen, die Gründung des Vereines sei eine Nothwendigkeit"; College Bachrach, O lmütz: ״Herzlichste Gratulation"; College JosefFischer, Trrb i t s ch, wünscht unserem Streben, sowie der Gründung des Cantoren, Vereines besten Erfolg, da hiedurch unzweifelhaft die Lage unser» Collegen verbessert wird; College Brandweiner, Austerlitz: ״Herzlichste Grüße"; College L. Auspitz, H o r i tz, begrüßt freudig das Unternehmen und wünscht glückliches Gedeihen; College Reichardt, Graz, gratulirt zu der äußerst glücklichen Idee; College Samuel Messet, Gansern-- darf; Collegen Weiß, U n g.-B r o d; Schwarzbart, P u l l i tz; Gold-- stein, D i a k o v a r; Schuchter, A p o n y; Unschuld, W e r s ch e tz; Wolf, A l s o-L e u d v a; Rasenberg, K o m o t a u, herzlichste Gratulationen; College H. Goldsteiu, F ünf h au s, haltet die Gründung des Cantoren- Vereines für sehr dringend, wünscht uns bestes Gedeihen; College Epstein, Proßnitz, äußert seine'wahrhafte Freude über das Erscheinen einer Cantoren- Zeitung und wünscht alles Glück hiezu. Indem wir für die dem Unternehme« gespendeten Glückwünsche bestens Dank sagen — können wir uns der Ueberzeugung nicht verschließen, daß, wenn wir so vereint und collegiat Vorgehen, der endliche Erfolg mit Gottes Hilfe nicht ausbleiben kann. College B. Wolf in Als o-L e n d v a, irrthümtich nur,75 kr. statt 1 ft. 50 kr. erhalten. College Jg. Kellner, S z i k l o s. Gratulation dankend erhalten, Anfrage beantworten wir dahin, daß es selbstverständlich, daß Cantoreu, die auch Lehrer sind, ebenfalls zum Vereine gehören. Äufruf. Einige Tage vor der so schauerlichen Katastrophe des Ringtheaters, stellte sich C a n t o r Chaluf aus Moskau hier in Wien bei Herrn Profeffor Sulzer vor, und wurde von diesem bei seinem Weggehen aus das freundlichste eingeladen, bald wiederzukommen. Bald darauf brannte das Ringtheater nieder, und mit diesem kamen bekanntlich leider Hunderte von Menschen um ihr Leben. Seit jenem Tage ist auch C a n t v r C h a l u f verschwunden. Zahlreiche briefliche Anfragen gelangtet! bereits an Professor Sulzer um Aufklärung über den Verbleib C h al u f 's, -dessen Familie ist in Verzweiflung, wegen des bis jetzt noch unaufgeklärten Schicksales ihres Ernährers. Wir bitten demnach alle unsere geehrten Collegett aus Nah und Fern, im Falle sie irgendwelche Anhaltspunkte geben können, die über den Verbleib C h a l u fls Aufklärung geben, uns selbe unversäumt mitthellen zu wollen, wodurch dessen Familie aus einer wahrhaft schrecklichen Ungewißheit befreit würde. Zur Nachricht. Mittwoch, den 11. Jänner 1882 um 6 Uhr Abends findet eine Versammlung der Herren Cantoren Singer, Goldstein, Fischer, Blatt, Bauer, Schiller, Kalka, Goldstein, Stern, Freisinger, Zempliner, Fleck, Deutsch, Päpo und Petersilka unter dem Vorsitze des Herrn Professor Salzer behufs Besprechung des Statuten - Entwurfes für den zu gründenden Cantorenyerein statt. Berichtigung. In unserer letzterschienenen Nummer haben sich in Folge der Eile mit welcher die Druckerei arbeitete, um vor Beginn des Sabbat fertig zu werden, einige Druckfehler eingeschlichen. So soll es unter Anderem auf der 2. Seite, 2. Spalte, Zeile 2 heißen : D i e S o r g e sü r das Wohlergehen unserer Familie. Wir bitten diesfalls fteuudlichst entschuldigen zu wollen. Are Ked actio».