Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1882)
- Date
- 1882-01-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sollen, welches nicht nur den Stand unwürdig, sondern auch in vielen Fällen in moralischer Beziehung sehr nachteilig..auf die Vermögensverhällnisse eines Cantors wirkt. Es wäre überflüssig, die Details hier anzuführen, welche durch Cantor- Wanderschaften zu Tage gefördert werden. In der angenehmen Hoffnung, daß die geehrten Herren ׳ Collegen für das in's Lebentreten unseres Vereines meine Sympathie für denselben theilen werden, bin ich ein eifriges Mitglied und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung , S a m uel Kur z m a n n ׳ Obcrcautor der israel. Rcligionsgemciude in -Komoru. Kleine Khronik Men. (Zur 100jährigen Feier des Toleranzedikts). von Kaiser Josef II. haben am 31. Dezember in den israelitischen Tempeln in der Seitenstettengasse und in der Tempelgaffe in der Leopoldsladt Festgottesdienste stattgesunden. Beide Gotteshäuser waren in allen ihren Theilen von Andächtigen gefüllt. Dr. Jellinek hielt im Tempel in der Seitenstettengaffe eine Festpredigt. Nachdem er in der Einleitung die edlen Eigenschaften Josephs von Egypten, der sein Volk aus der Knechtschaft befreite, geschildert, ging er׳ aus die unglückliche Lage, in welcher sich das Judenthum, in Oesterreich vor einem Jahrhundert befunden hatte, über. Da stand plötzlich auch ihnen ein Joseph auf, der sie der Freiheit entgegenführte. Durch das Toleranzedikt vom 2. Jänner 1782, des großen Werkes des edlen Kaisers Joseph II. wurde die. Schmach und Erniedrigung von den Juden genommen, er ließ ihnen die Morgenröthe der Freiheit strahlen und deshalb sei Ehre,- Dank und Preis dem Andenken'des erhabenen Monarchen. Der Prediger führte alle Umstände an, welche den Werth und die Bedeutung jenes großen Regierungsakles des edlen Fürsten erhöhen; er wies darauf hin, daß das Befreiungswerk der eigensten Initiative des verewigten Kaisers entsprungen sei, und daß zur Schande unserer Zeit es jetzt noch Staaten gibt, in welchen die Bekenner der jüdischen Religion der Wohlthaten noch nicht theilhastig geworden sind, welche hie Juden Oesterreichs schon vor hundert Jahren besessen hatten. Aus der Morgenröthe einer besseren Zukunft, welche Kaiser Joseph II. den Juden erstehen ließ, hat Kaiser Franz Joseph I. den strahlenden Tag werden lassen und die Juden Oesterreichs sind nicht mehr tolerirte, sondern vollberechtigte Bürger des Staates. Gott mehre die Macht, den Einfluß, die Tage des Herrschers. Nach dieser mir hinreißendem Feuer gehaltenen Predigt, exekutirte Ober-Cantor Singer mir dem Tempetchor die österreichische Volkshymne. Im Leopoldstädter Tempel hielt Prediger Güdemann die Festpredigt und leitete Herr Ober- ' Cantor Goldstein den gesanglichen Theil. Anerkennungsschreiben. Wie wir nachträglich erfahren hat der Vorstand der israel. Cultusgemeinde in Wien auch die Quartettsänger der beiden Bethäuser in Anbetracht ihrer anstrengenden Mitwirkung bei der Leichenbestattungs-Feier der unglücklichen Opfer des Ringtheaterbrandes mit schmeichelhasten Schreiben ausgezeichnet, und gleichzeitig denselben Remunerationen angewiesen. — I H>rag, (Feier b' e s T o l e r a n z - E d i k L e s.) Am Samstag den 2. d. fand im großen Tempel der israel. > Cultusgemeinde anläßlich des vor hundert Jahren )urch Kaiser Josef II. erlassenen Toleranz-Edictes ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt statt. Der Prediger, Herr Dr. Kampf entwickelte in seiner Rede den Grundgedanken: ״Josef lebt noch und er ist Herrscher!״ dahin, daß der Geist des Rechtes und der Gerechtigkeit, das Princip der Humanität kurz alles Gute, das Kaiser Josef beseelte, in seinem Nachfolger, unserem allgeliebten Landesvater Kaiser Franz Joses in ungeschwächter Kraft fortlebe. Herr Obercantor M o o r leitete unter Assistenz seines Chorpersonales den gesanglichen Theil der Feier. ׳ (Hektograph.) Laut Erlasses des hohen k. k. Handelsmiuisteriums vom 30. April I. Z, 12391 werden die mittelst Hektograph hergestellten Abdrücke (Abzüge) im inneren Verkehre Oesterreich-Ungarns im Wechselverkehre mit Deutschland, sowie im Verkehre mit den übrigen dem Weltpostvereine augehörigen Ländern, gegen die, für Drucksorten festgesetzte ermäßigte Taxe, befördert. Welche großartige Dienste der ״Hektograph" zu leisten vermag, weiß nur derjenige zu erzählen, der sich dieses unentbehrlich gewordenen Vervielfältigungs-Apparates bedient. Der Hellograph fehlt heute in der That in keinem Bureau und wo es gilt, mehrere correcte und schöne Copien von einer Schrift, Zeichnung, Musiknoten ec. auf einfache Weise zu erzielen, da muß' der Hektograph herhalten. Der Wiener Magistrat hat;n seinem eigenen Gebrauche durch ein ganzes Jahr Praktische Versuche anstellen lassen und gelangte zu dem amtlich konstatirten Resultate, daß der Hektograph der entschieden beste und zugleich wohlfeilst arbeitende Vervielfältigungs-Apparat ist. Dieser ist übrigens in neuester Zeit vielfach verbessert worden. Die Masse ist so vervollkommn daß man von ihr das Negativ so leicht, wie die Kreide von der-Tafel weglöscht und die neue Tinte liefert. tiefschwarze Abdrücke. Für Aemter .und ׳Kanzleien ist.ein pr'äciser׳, leichter, tadelloser und wohlfeiler, arbeitender Vervielfältigungs-Apparat gar nicht denkbar. Der Brief- und Fakturen- Ordner, der Freund eines jeden Ordnungsliebenden,, ist fast ebenso nothwendig als der ״Hektograph", da man vermittelst desselben sofort allerlei Schriftstücke in alphabethischer Ordnung einreihen kann, ohne daß man dieselben erst beschreiben müßte. Diese unentbehrlichen Gegenstände wurden von den bedeutendsten europäischen Journalen rühmlichst besprochen und werden von der bekannten Firma Josef Lewitus, Wien, (I., Babenbergerstraße 9) bestens empfohlen.! Telegramme. Warschau. (Orig. Corr.) ״Hätte man gewollt, so hätten die Unruhen sofort im Keime erstickt werden können. Aber man wollte nicht; man gab vor, die Ankunft des von Warschau abwesenden Ober-Polizeimeisters Buturlin abwarten zu müssen. Er ist gestern angekommen; er kann jetzt Ruhe stiften, wo sie bereits eingetreten ist. Der. Gendarmerie- Chef, General Qrzewsky, ritt ruhig durch die Stadt, sah zu, wie jüdische Kaufläden geplündert und verwüstet wurden, und meint'.e, das gehe ihn gar nichts an! Sein nach Petersbürg abgesandter Bericht soll dahin lauten, daß die Sach- 1 läge eine ebensolche ist, wie im Jahre 1862 (nämlich wie vor dem letzten polnischen Aufstande). Im Augenblick, da man behördlicherseits Thätigkeit entwi: eln sollte, streiten Polizei und Gendarmerie unter einander herum!" Der angerichtete Schaden ist einstweilen unberechenbar; denn manche Gassen, ja ein ganzer Stadttheil, der nur aus einstöckigen Holzbauten besteht, sind bedeckt von der zertrümmerten Habe der Juden.