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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1881-12-30 · Heft 1 (30.12.1881) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 1 (30.12.1881)
Date
1881-12-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Ein Wink für Kanioren.) Geehrter Herr Redakteur! Sehr oft hört man in den Synagogen Gesänge aufführen, welche weit über dfe Kräfte des mitwirkenden Chorpersonales sind. Wie viel biebei die Zuhörer zu leiden haben, ist nur in Vergleich zu fetzen mit dem Nachrheil, dem der Eomponist dadurch ausgefetzt ist, der sich gewiß einen gut besetzten Chor zu Aufführung seiner Composition vorstellte und nun gar nicht verstanden werden, kann, weil das zur Aufführung bestimmte Personal, wenigstens dem größten Theile nach der hiezu nöthigen Virtuosität ermangelt. — Ter eitle Nukm, die besten Meisterwerke aufführen zu wollen, errcgt'oft das größte Aergerniß der zuhörenden Gemeinde. Viel mehr Erbauung könnte erreicht werden, wenn man nur solche Sachen wählte, die Len Kräften des Personales angemessen sind. Auch das Einfache Hai große Wirkung, wenn es schön und exakt gesungen wird. Nicht jede Haushaltung, soll cs fürstlichen Haushaltungen gleichthun wollen/ .aber der billige Gast wird mit einer reinlichen Zubereitung und dem guten Willen des Gastgebers zufrieden sein. — Cs wäre ' sonach Pflicht für jeden Cantor, die aufzuführenden Gesänge nur nach sorgfältigen Proben der Gemeinde zu Gehör zu briugen und so lange das Chorpersonal nicht genug eingeübt ist, lieber die leichteren Compositionen zu wählen, als mit den schwierigen sich selbst und den Componisten — zu Schanden zu machen. Es ist bekannt, daß vi.ele Cantoren aus Liebe zur Musik all' ihre freiexZeit dem Unterrichte des Chorpersonales widmen, um bald ihre innigsten Wünsche, die Aufführung bedeutender Compositiouen, bewerkstelligen zu können. Aber auch diesen Braven sollte man zurufen: „Uebereilt nichts" Führet lieber zuerst Piecen auf, welchen euer Chorpersonale gewachsen ist. Mit der Bitte, diese Zeilen im Interesse unserer College« in Ihrem werthen Blatte veröffentlichen zu wollen, zeichne Achtungsvoll F. Cantor. Korrespondenz. A. 8. in Pest: Wir bitten nnr einen furzen Berichr. W. L. in Krakau: Besten Dank. Wird demnächst erscheinen. 8. K. in Groß-Meseritsch: Wir sind darauf gefaßt. J. M. in St. M.: Sehr erwünscht. Aviso. v Wir bitten unsere geehrten Herren Collegen, im Falle sie das Blatt nicht zu abonniren gedenken, selbes sogleich an uns retourniren zu wollen, da wir Jene, an welche wir die erste Nummer senden, als Abonennten betrachten müssen. Die Medaktion. *) Obenstehende Zuschrift bringen wir ohne Aendernng wieder, behalten uns jedoch vor, hierüber eingehender zu sprechen. Aie Iochter des ßhajerr. Original-Erzälung >aus vergangenen Tagen von Ad. v. Iemtirrszky. <A l i e Ne ch t e vor b e h alte n.) 1. Are erste Sederrracht. Der Frühling war wieder in's Land ge^mmen, sonnighell und freundlich, machte Baum und Wald, Wies' und Flur ergrünen, sendete seine ersten Boten, seine lieblichsten Grüße, Schneeglöckchen und Veilchen, voraus, um seine Wiederkehr zu melden, denn nur zu wol wüßt^es der liebliche Gast, mit welcher Sehnsucht er herbeigesehnt wurde, wußte er ja, daß ihm die Müschen entgegenjubeften, mit freudigen Herzen, mit Bangen und Sehnen. - Jawol der Frühling war gekommen. .Die ganze Natur ist sonnentrunken, lechzt nach der goldenen Fluth des Frühlings die der Himmel spendet, in nnerschüttlicher Fülle, aus unergründlichem^Borne.! ’ Jawohl der Frühling war erschienen, hatte den kalten, strengen Winter sammt seinen wilden Genossen, Schnee und Eis, in die Flucht getrieben, war erschienen für alle Menschen, für alle Nationen, und darum war er auch eingezogen in die engen, dunkeln Massen des Ghettos der Prager „Judenstadt". ’ : Und d arum schien die Frühlingssonne eben so mild eben so freundlich aus die Bewohner des Prager Ghettos, wie sie aus alle andere Menschenkinder niederstrahlte, dennj sie, sie machte, sie kannte keinen Unterschied, keinen Natioüa-; litätenkeinen Glaubenshaß. " " .. Der Frühling war auch für die Juden, gekommen und' mit diesem, doch nur allein für sie „Pessach", die Erinnerungsfeier an den Auszug aus Egypten, an die Befreiung der Juden aus Pharaos Knechtschaft. Und deshalb war gestern ein Gelaufe, ein Gedränge, ein geschäftliches Hm- und Hergehen in den dunklen, engen Straßen und Gassen, des Ghettos zu Prag und deshalb drängte Älles, Männer und Frauen, jung und alt hinaus aus den engen, dumpfigen Ghetto der großen Moldaubrücke zu. Und gar sorgfältig kragen sie in den Händen kleine Päckchen, worin sich gar sorgsam ansbewahrt — Brodkrumen befinden. Brodkrumen? Ja wohl, Brodkrumen — und die tragen sie hinaus, tragen sie zur großen Moldaubrücke hinaus, um sie von dort hinab in den Strom zu werfen. Gar sorgfältig tragen sie diese Brodüberreste, - damit sich nicht etwa ein Theil hievon wieder in ihre Kleider verliere und sie das ganze Haus „chomezig" machen. Denn gar rein gefegt, und gescheuert haben sie bereits , ihre Wohnungen, alle Winkel sind durchsucht, alle Kleidungsstücke gewendet, all' das alte Geschirr und der ganze Plunder der das Jahr über in der Wirtschaft gebraucht wird, ist gar sorglich bereits verpackt und in die dunkle Dachkammer hmaufgetragen worden.

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