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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1881-12-30 · Heft 1 (30.12.1881) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 1 (30.12.1881)
Date
1881-12-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 — des Mahles fanden sich die Herren Prediger Dr. Iellinek und Gemalin, Dr. Güdemann, der Präses der Aliance Israelite in Wien, Josef Ritter von W e r t h e i m e r , David Ritter von Güttmann, Dr. Friedländer, Frau Dr. K u r a n d a und Frl. Tochter, Emanuel B a r u ch u. A. in der Restauration ein. Die Kinder brachten der Aliance Israelite ein stürmisches Hoch aus und sangen dann in melancholischer Weise ein hübsches Lied, von dem mir eine Strophe hier wiedergeben! ״Weiner, weinet, reichet Brüder uns;um Abschied Euere Hand, Die du wegschickst, die Verbannten grüßen . Dich, o Vaterland! In der Kindheit frühen Jahren sind wir schon Des Schicksals Spiel, Unser Auge, trüb von Thränen, sucht das unbekannte Ziel. - Wogen werden uns nicht scheiden, rrenncir wird uns nicht das Meer,. Unser Schmerz wird nie verlöschen, nie wird's Ang' uns thränenlcer." Beide wurden von der distinguirtcn Versammlung sehr beifällig ausgenommen.״שלה לחמך על פגי המים ד בדי הימים תמצאנו״ Mit dem angenehmen Bewußtsein, daß eine gute Saat ausgestreuet wurde, die gewiß in späterer Zeit reichliche^gute Früchte tragen werde, trennte man sich in später Abendstunde. Die Knaben wurden in der Restauration des Herrn Bleuer und die fünf verladenen Mädchen, von denen eines erst ein Jahr alt ist, bei anständigen jüdischen Familien untergebracht und übernahmen es die Schutzdamen des hiesigen israelitischen Waisenvereines, die Pflege und Erziehung derselben zu überwachen. Am 28. d. M Morgens wurden die 28 Knaben mittelst Südbahn über Triest nach Jaffa befördert. — Dem November-Berichte der ״Alliance Israelite Universelle" entnehmen wir Folgendes: ״Das Breslauer Hilfs-Comite" besteht aus den Herren: Julius Wohlauer, Isaak Schlesinger, Jakob Neumann, Julius Kremper, Dr. .Reich, Ludwig Mamelock, Ignaz Landsberg, Silbermann und Georg Wohlauer, und aus den Damen: Fr. Minna Brasch, Fr. Elise Mugsau, Fr. Dr. Julch. Reich, Fr. Jeanette Mamelock und Fr. Direktor Dr. Lazarus. Außerdem haben sich bei Vertheilung der Liebesgaben sehr nützlich die Frls. Rebekka und Lina Broido und die Herren Jak. Theumm, S. Reinherz, Geirg Kobrack u. Taucher bewiesen. Das Central-Comite ist glücklich, diesen geehrten Herren und Damen den Ausdruck seiner herzlichen Erkenntlichkeit für ihre edle Unterstützung zu wiederholen und richtet ebenso seine:: wärmsten Dank an die Oberschlesische Eisenbahn-Direktion. Kumanitäres. Am 15. d. Bl. feierte der ״Th er esie n-Kr eu z e r-V e r ei n" iit Wien ein herzergreifendes Fest. Dem Vereine war es abermals gelungen, fo namhafte Spenden zu sammeln, daß es ihm möglich wurde, 700 bedürftige Kinder mit kompleten Winteranzügen, Schuhen, Wäsche oc. zu betheilen. Herr Prediger Dr. Jellinek hielt'eine warme herzliche Ansprache und dann beschloß ein schöner Sulzerffcher Choral, welcher vom Ober-Cantor Singer ausgezeichnet mit Chorbegleitung vorgetragen wurde, die schöne Feier. ßHanrrkafest irr Wien. Sonntag, den 18. d. M., wurde in der Talmud Thora der türkischen Israeliten- Gemeinde in Wien, welche zugleich auch für den Unterricht aller übrigen Lehrgegenstände bestimmt ist, anläßlich des! Chanukafestes eine kleine Prüfung mit den Schülern sämmtlicher vier Klaffen im Beisein des Vorstandes und zahlreiche geladener Gäste, abgehalten. Herr Prof. Gr o a g, weichere den Unterricht in allen vier Klaffen leitet, erzielte bei beu: Schülern ein überraschend glänzenden Erfolg. Zum Schlußes hielt Herr Direktor L ö w it eine sehr hübsche Ansprache. Es! wurden dann zwei Kinder aufgerufen und erhielten aus der! M e n a ch. I s r a e l. Rufs o'schen Stiftung je einSpar-! kassabuch. Doch auch die übrigen Kinder sollten nicht leer! ausgehen, das läßt sich der Vorstand der Talmud Thora,! welcher in den weitesten Kreisen eine beliebte hochgeachtete! Persönlichkeit ist und sich der lebhaftesten Sympathien bei! Reich und Arm erfreut und mehrere andere Ehrenämter in! der Gemeinde bekleidet, Herr Ni a r k u s M ath. Ruf s 0! nicht nehmen. Als die Feier zu Ende, ließ er mehrere! Körbe Backwerk bringen und unter die Kinder vertheilen.! Aer WesLor der Gantoren, Herr Prof. Sülze rf. welchen wir ersuchten uns seine Wohlmeinung über die von! uns ins Leben gerufene ״O e st.-u n g. C a n t o r en-! Z e i t u n g", sowie über die Tendenz derselben abzngeben,! hat unseren Eigenthümer, sowie den Redakteur dieses Blattes! in äußerst liebenswürdiger Weise seine lebhafte Freude j darüber ans gesprochen, rege Theilnahme für das Unter-! nehmen versichert und die freundliche Zusage gegeben, in! Anbetracht dessen, daß dieses Blatt und die! hie mit zu verfolgende Tendenz, eine: f ü r d e n g a •n zLn Ca n t 0 x c n ft a n d äußerst! nutzbringende Neuerung sei und demnach auch alle; Cantoren gewiß mit großer Befriedigung das Erscheinen! desselben begrüßen werden und mit R a t h u n d! T h ä t j e d e r z e i t sich hiefür zu interessiren. Girre Katastrophe in Warschau. Einem War-; schauer Berichte des ״Czas" ist Folgendes zu entnehmen:! Der durch Raub den Juden zugefügte Schaden ist enorm.! Die Sradttheile Tamek, Seweryn und Wrobla sind förmliche! Ruinen. Betrunkene Massen stürzten sich auf das Eigenthumi der Inden, zerstörten cs und warfen Alles auf die Straßen,! die mit den Trümmern von Mobilien und Werthgegenständen j wie besäet sind. Das Schreckensbild erfüllt Jedermann mit! Besorgniß wegen der Zukunft. Die Jndenkrawalle wieder-! holten sich im Laufe des gestrigen Tages in mehreren Stadt-! theilen; sämmtliche Schänken wurden zerstört und der Schnaps! in. den Straßen ausgegosseu. Warschau gewährt den An-; blick einer bombardirten, geplünderten Stadt, nur Hauptj straßen blieben verschont. — Die Polizei und Gendar-! merie waren zu schwach, der Plünderung Einhalt za thun. j Das Militär hatte keinen Befehl, van den Waffen Gebrauch! zu machen. Personen, welche die Banden zum Auseinanderj gehen aufforderten, wurden mit Steinen beworfen. Die! Warschauer Blätter mahnen zur Ruhe. In, den Straßen j paücouilliren Kosaken und Gendarmerie. In den Kasernen j ist das Militär consignirt. Wie sich nun herausstellt, wur-! den in der Kirche zum heiligen Kreuz 26 Menschen getödtel,! darunter die Gräfin Alexandrowicz, und 27 verwundet, von! welchen ein großer Theil furchtbar verstümmelt wurde. j

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