Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (30.12.1881)
- Date
- 1881-12-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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W Jltt die geehrten Kerren Eojsegen und Arennde. In Folge einer, von den Herausgebern der demnächst erscheinenden ״Oest.-ung. Cantoren-Zeitnng", mir gewordeneu Zuschrift, fühle ich niich veranlaßt, alle verehrten Collegen des weitern und engern Heimatlandes aus das vorliegende, äußerst ersprießliche Unternehmen ausmerftam Zu machen. ״D er ) üb i s ch e Canto v", dem ich .feit seinem Beginne meine volle Sympathie;:!gewendet, hat es Zur Genüge bewiesen, daß ein Fachblatt jüdischer Cantoren Lebensfähigkeit und ExistenzbZrechtigung besitzt —Leben sf ä h i g k e i t, indem bereits viele unser Fach betreffende 'Abhandlungen veröffentlicht wurden aber immer noch eine große Anzahl: ähnlicher Themate der Besprechung harren. E x i st e 1t z bere ch t i g u n g, indem es schon innerhalb seines kaum dreijährigen Bestehens hochwichtige Institution ins Leben gerufen. So anerkennenswerth uns nun, beispielsweise, die Kreirung eines Cantoren-Vereines erscheint, in demselben Maße bedauerlich tritt uns die Tharsache entgegen, daß den öst.-nng. Cantoren all die Segnungen des längst herbeigesehnten Vereines vorenthalten bleiben, indem dieselben lediglich für unsere Collegen irr Deutschland bestimmt sind und finde ich deshalb die von vielen C a n r o re n der ö st.-u ng. NI o n a r ch i e a n nr i ch e r g a n g en e u A 1tssord e r u n g, e i u e n V e r e i n j ü d is ch e r C a 11 t o r e n Z n g r ü n d e n, u m s o g e r e ch rs e r 1 r g t e r, als unser Stand vielleicht, der einzige ho Reiche sein dürfte, der noch keiner Genossenschaft angebört. Zur Glieder- und Klarlegung all der vielen, die heilige Angelegenheit involvirenden Anschauungen bedürfen wir jedoch eines Organes, welches die Collegen. selbst der eurserntesten Kronländer, Alles das in leichtfaßlicher knapper Form vermitteln Hilst, was unser hochwichtiges Unternehmen einer baldigen Verwirklichung entgegensühren soll: ich begrüße daher das ins Lebenrufen e i n e r ö st.-u n g a r. C a n r o r e n-Z e i t u n g n m s o h e r z l i ch e r, i ndem dieselbe sich lediglich die V e rt r etung d e s Cant v r st a n d e s aber dafür auch in möglich st e r s ch ö p f e n d e r W e i s e zur Tendenz gestellt und daher keineswegs als Konkurrenzblatt dem ״jüdischen Cantor" gegenüber, sondern vielmehr als schätzenswerthe Erweiterung desselben Zu erachten ist. Die Redaktion des Blattes befindet sich in der Hand eines bei den bedeutendsten Zeitschriften der Residenz bereits bewährten Journalisten; die Besten unseres Standes werden sich bald in der heiligen Arbeit theilen und so eine Saat ausstreuen Helsen, welcher mit Gottes Hilfe, eine herrliche Frucht entkeimen soll. Unseren verehrten Collegen aber rufen wir die Stelle des vorwöchentlichen Bibelabschnirtes eindringlichst Zu: “׳זאת עשו וחיו.; denn es ist eine Lebe n s f r a g e für uns — wollen wir unfern Stand in die Reihe jener Stünde bringen, deren Verein und Vereinsorgane blühen und zum Segen geworden für alle Betheiligten, so müssen wir bald au die Arbeit gehen-znx-- r u m ist jeder College aus Na h und Fern verpflichtet aus das n e u e r s ch i eu e n e Blatt unverzüglich zu p r ä n u m er i r e n, damit dasselbe in einer möglichst groß e n A n s l a g e e r s ch e i n e n d, allen Berufsgenossen zugänglich gemacht und ihnen somit all die, unseren Zu gründenden Verein betreffenden, Anschauungen ecsahrener und ernster Fachgenossen zur Selbstprüsung und eventuellen Aeußerung vorgelegt werden können. I o s e s Singe r, 1H'v ifraclit. criNttlv (heuieiiioe in ls!eu. Kleine Kyronik. Wien, lieber Antrag des Vorstand-Nlitgliedes Herrn Niar Theodor Schiss, wurde der 8. Dezember als Denkrag in den Annalen der Cultusgemeinde markirr und znm An denken an die Verunglückten eine Seelenseier unter Verrichtnng des hadisch-Gebetes für die Seelen der dem Brande znm Opfer gefallenen Glaubeusbrüder abgehalten. Wien. - S o n n t a g a m 25. D eze m ber wurden um 5 Uhr Abends int israelitischen Bethanse tri Maria hilf 71 Kinder u. Z. .">6 Knaben und llh Mädchen, welche von den Schuldirektionen durch die .Ortsschnlräthe der SchwesterbeZirke Mariahils und Neubau als ebenso bedürftig wie würdig empfohlen wurden, von dem israelitischen Hmnanitäls-Vereine für die westlichen Bezirke Wiens ,,Nachlar Jeschurun" und dem israelitische!! Frauen-Wohlthätigkeitsvereine iür Mariahils und Neubau mir completeu Winteranzügeu, Schuhen und Wäsche öetheilr. Durch die MunisicenZ des Herrn Polizeipräsidenten Baron M a r r und des Herrn hrceorlch Pot! a i in Mariahils war der Voruano der genannten Vereines in der erfreulichen Lage, die Kinder auch mit Geldspenden zu beschenken. Wien. — (V erlassene v u s s i s ch e K 1 u - d e r.7 2lm 26. December langte mit dem 2lbendznge der Kaiser-Ferbinauds-Nordbahn die erste Gruppe israelitischer Kinder in W!eu an, welche, in Folge der Judenverfolgungen in Rußland von ihren Eltern verlassen, anderweitig ein Asyl finden sollen. Kurz vor Ankunft des Zuges fanden sich die Herren David Ritter von G u t t m a n n, Cmanuel B a u n! g a r r e u und der Sekretär der Alliance Israelite in Wien, Dr. F r i e d l ä n d e r, aus dem Bahnhose ein. — Die Knaben (28) werden nach Jaffa gebracht, um au der dorr bestehenden, von der Aliance Israelite erhaltenen Anstalt je nach Anlage und Befähigung als Handwerker oder Ackerbauer herangebilder zu werden, und die Mädchen 15! finden hier Unterkunft. Die Aliance Israelite ha: Vorsorge getroffen, daß zum Behufe der Pflege, Erziehung und des Unterrichtes dieser Knaben-Colonie in Jaffa die entsprechenden Kräfte dem Zuge sich anschließen. Die durchwegs hübschen, gesunden, in ihren dunkelblauen Winteranzügen und russischen Mützen rech: schmuck aussehenden Kinder langten in Begleitung des Herrn Dr. S ch a s 1 e r — eines vielbeschäftigten Pariser Arztes, welcher seine Praxis ausgegebeu hat, um sich in vollständig selbstloser Weise diesem Werke der Humanität zu widmen — und zweier Lehrer hier an und wurden sogleich nach der Restauration Winternitz in der Adlergasse geführt, woselbst ihnen von dem genannten Restaurateur unentgeltlich ein vorzügliches Mahl verabreicht wurde, das sie sich auch wohl munden ließen. Während