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Die Welt · 1901-12-06 · 49 (6.12.1901) · p. 32

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
49 (6.12.1901)
Article
Der Messias und der Esel
Date
1901-12-06
Page
32 (sequence 3)
Language
German
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gesandter der ganzen Gemeinde Israels, und ich sage Dir: Der Esel ist Bedingung, der Esel ist di;e Hauptbedingung!" Jetzt aber wurde der Messias wirklich zornig. „Reh Jissroel," rief er, „Du bist (verzeih5 mirs tausendmal) ein Narr, ein gottgeschlagener Narr! Ich ha*be aber jetzt keine Zeit, mit Dir zu streiten. Schick meinen Diener in die Stadt, einen Esel kaufen!" Merkt Ihr, wie der Messias nachgab? Und warum? Weil eben Gesetz — Gesetz bleibt, da nützt nichts. Der Diener wurde in die Stadt geschickt, aber nach geraumer Zeit kehrte er zurück, athemlos. Unglaublich, sagte er, in dieser Stadt gibt es keinen Esel. „Unglaublich," wiederholte der Messias, „wirklich unglaublich. Aber das macht nichts. Eeb Jissroel wird Vernunft annehmen." Und wieder wendete er sich an seinen Wirt. „Heb Jissroel," sagte er, „ich muss mich kurz fassen, denn die Zeit drängt. Du sagst selbst, dass Ihr Juden jahrhundertelang auf mich gewartet habt. Du weisst, welche Leiden Deine Brüder, die auch die ineinigen sind, in der ganzen Welt auszustehen haben. Ich bin gesendet, Euch aus diesen Leiden zu retten. Denk? Dir, was das für einen Jubel geben wird! WTie die Völker alle staunen und Gottes Macht anerkennen werden, da dieses von keinem mehr geglaubte Wunder wirklieh lebendig und wahr wird! Eeb Jissroel Isserlheimer, aber heute muss ich einziehen h e u t e n oc h, sonst gehe ich zurück, von wo ich gekommen, und kehre tausend Jahre nicht wieder, und vielleicht noch länger nicht. Eeb Jissroel, das Schicksal Deines Volkes liegt nun in Deinen Händen! Du hast zu entscheiden, ob das Golus zu Ende sein soll oder nicht. Lass keinen Esel zwischen dem Golus und derBefreiungstehen! Entscheide Dich! Du hast fünf Minuten Zeit!" Und Ihr meint, Eeb Jissroel habe fünf Minuten nachzudenken gebraucht? Unsinn! Eeb Jissroel antwortete augenblicklich, ohne Zagen, ohne Zittern: „H e r r! Ent weder der Messias mit dem Esel, oder kein Messias!" Nun gut! Der Messias sah auf die Uhr, seine Zeit war um. In diesem Augenblick wurde es finster im Zimmer, dunkel wie die Dunkelheit Aegyptens, und in dieser Dunkelheit verschwanden die Gestalten des Messias und seines Dieners, und Eeb Jisroel blieb allein. Ja, ja, Eeb Jissroel Isserlheimer! Das ist ein Mann, dem ganz Israel zu ewigem Danke verpflichtet ist. Denkt Euch nur, Eeb Jissroel Isserlheimer wäre weniger charaktervoll gewesen und hätte nicht darauf bestanden, dass die Tradition aufrecht erhalten bleibe — denkt Euch, er hätte nachgegeben, und das wäre doch kein Wunder gewesen, wenn man den Messias vor sich hat, den jeder fromme Jude täglich erwartet, täglich in heissen Gebeten herbeifleht — denkt Euch, Eeb Jissroel Isserlheimer wäre einen Augenblick schwankend geworden — — was wäre geschehen? Der Messias wäre eingezogen, das ist richtig. Aber ohne Esel! Ohne Esel, denkt Euch nur! *) Der Talmad und die Decieoren. — 2) Weschet Speiseröhre (oiner Gans etc.), von deren Besch äffen heit das ReligioDsgesetz die Genusstauglichkeit abhängig macht. — 9) Paradies. — *) Zugereister. 5) Der Verfasser des gleichnamigen Werkes: R. Moses Sofer, Rabbiner in Pressburg (gest. 1839). — 6) Segensspruch. — 7) Die gesetzliche Entscheidung zu treffen. — 8) Vers aus der Bibel, — 9) Hier etwa : justarnent! Gesinnungsgenossen! Rü stet zum Welt-Zio nisten tage! Der fünfte Congress. Die bis zur Stunde bereits vorliegenden Resultate der Delegiertenwahlen lassen erkennen, dass die Theilnahme ausnahmslos in allen Ländern auch in diesem Jahre sehr rege ist. Es war wohl vorauszusehen, dass die strenge Jahreszeit eine starke Beschickung des Congresses namentlich aus den überseeischen Ländern beeinträchtigen wird, indessen ist die Betheiligung der europäischen Länder eine umso stärkere. Die Delegiertenwahlen haben aber auch der zionistischen Agitation einen starken Impuls gegeben. Ueberall setzt die Propaganda für unsere Sache kräftiger ein, ergibt sich ja doch mit den Wahlen eine besonders günstige Gelegenheit, um den Aufklärungsdienst zu besorgen, Entstellungen richtigzustellen, Missverständnisse zu .-beseitigen, Unwahrheiten entgegenzutreten. In diesem Jahre verfügt die zionistische Organisation aber noch über ein weiteres Agitationsmittel, den allgemeinen Zionistentag. Die öOOOOZustimmungserklärungen ausKumänien am ersten Baseler Congresse werden am fünften Congresse durch die Resolutionen der Zionisten der ganzen Welt ihre Ergänzung erhalten. Die Idee des allgemeinen Zionistentages ist zu wertvoll, als dass ihr nicht die nöthige Aufmerksamkeit und Arbeit geschenkt würde. "Jeder Zionist wird seine Pflicht voll und ganz erfüllen müssen, soll der Zionistentag das werden, was beabsichtigt ist: der deutlich ausgesprochene Wille und Wunsch der ganzen Judenheit nach seinem eigenen Lande und seiner Freiheit. * Die Wahlleiter haben den ganzen Wahlact, Wahllisten, Protokoll und Stimmzettel sofort nach vollzogener Wahlhandlung an das Zionistische Congress-Bureau in Base], Stadtcasino, und eine Abschrift des Protokolls an das Secretariat in Wien, IX., Türkenstrasse 9, einzusenden. * Die Wahleomites haben die Delegierten von der auf sie entfallenen Wahl zu verständigen. * Die Delegiertenkarten werden in Basel ausgefolgt. * Dem Secretariate sind bis heute ausser den in voriger Nummer gemeldeten Ergebnissen noch folgende Walilresultate bekanntgegeben worden: A u t z, Curland: Dr. phil. A. B. Neurock; M i t a 11: Dr. phil. A. B. Neurock und Zahnarzt M. Neftel; B a u s k: Dr. A. Neuroek; Wilna : J. L. Goldberg, Ben Ami (Rabinowitz), J.. Benjacob, B. Goldberg, Dr.. phil. J. Lurie, J. Nissenbaum, Rabb. Scheinkin, Dr. phil. J. Marcuse, Rabb. Donjechel, Mme. R. Goldberg, J. Berger, B. Epstein, L. Eppel; Craiova (Rumänien): H. Löbl; Zürich: Dr. D. Farbstein, Rechtsanwalt und Dr. phil. E. Pinczower; Basel : Joel Weil und S. Veit; Genf: Dr. med. Pazmanik, Privadocent; Biel : Dr. med. Camille Levy; Bern : Cli. Chissin; K i b.a r t y, Gouv. Suwalky: S. J. Goldberg; K r o s c h e, Gouv. Kowno: Rabb. S. J. Rabinowitz; Hamburg : Dr. med. L. Frank; Astrachan : J. Rosbw; Lodz: Levinsohn; Minsk: J. Awinowitzky und P. Awinowitzky; M 0 h i 1 e w: B. Horowitz und S. J. Pausner; J aroslawl (Russland): J. Talan; Woronesz: Rabbiner Aisenstein; Tschita: A. bchapira; Charkow: J, Pokrassa, A. Greise!, Dr. M. Schlaposchnikow, E. Ja^obsohn und M. Lewit; Ko w e 1: S. Aschkenasi; Kresloal: Dr. Brutfk; Paniwes: A. M. Bruchow. * Der berühmte Dichter Israel Zangwill wurde in England von drei Wahlgruppen zum Delegierten gewählt.

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