Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 49 (6.12.1901)
- Article
- Die commerzielle Zukunft Palästinas
- Date
- 1901-12-06
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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dehnen die Bebauer ihre Plantagen aus in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Entwicklung des Orangenhandels war hauptsächlich der raschen xind directen Dampfschiff-Verbindung mit Liverpool, welche im Jahre 1892 errichtet wurde, zuzuschreiben. Das vorige Jahr war das erste, das eine Abnahme dieses Handels aufwies. Die anderen Exportartikel, nach der Reihe ihrer Wichtigkeit, sind Wassermelonen, Sesam, Lupinen und etwas Mais, Wolle, Häute, Coloquinth, Knochen usw. Ein ganz neuer Gemüse- Export wurde voriges Jahr ins Leben gerufen, als Palästina der Welt Bohnen, wenn auch nur 520 Quarter, im Schätzungswerte von 575 Pfund lieferte. Die Einfuhr der letzten zwei Jahre blieb stationär — gegen 400 000 Pfund. Die vorjährige Handelsbilanz von Palästina belief sich auf fast 120 000 Pfund. Woher kommt das zahlende Geld? Theilweise von den 14 500 Pilgern, die im Laufe des Jahres nach Palästina kommen, und — beachte den Unterschied — von den 3000 Touristen, hauptsächlich Amerikanern. Da die Pilger in gewissem Zusammenhange mit dem Handel stehen, dürfte es erwähnenswert sein, dass die Pilger aus 500 Deutschen, 550 Oestecreiehern, 650 ägyptischen Kopten, 1100 Armeniern, 1 5Ö0 Griechen, 6 700 Russen und 3 500 anderen Pilgern bestanden. Ausser den Auslagen für Kost und Wohnung kaufen diese Pilger in den Bazars kreuzförmige Blumen, Perlmutter-Andenken und Olivenholzsehnitzereien. Eine der grössten Posten des Nationaleinkommens ist der Bakschisch, nebst den riesigen Summen, welche die jüdischen Einwohner als milde Gaben von allen Theilen der Welt bekommen. Der Hauptbedarf Palästinas, nach der Einfuhr in Jaffa zu urtheilen, scheint in Baumwollwaren zu liegen, und dann in Kaffee, Zucker, Reis und Mehl. Im vorigen Jahre war eine enorme Erhöhung der Einfuhr von Bauinwollwaren, von 61 500 auf 115 050 Pfund. Dies scheint ein neues Anzeichen einer zunehmenden Bevölkerung zu sein — eine Seife consumierende Bevölkerung, welche in Baumwolle gekleidet, dem Kaffee huldigt. Der beste Beweis von dem Fortschreiten Palästinas liegt in der Thatsache, dass es im vorigen Jahre um 148 Schiffe mehr gab .TJjg Rt. Hon. IaORB güFPIEIaQ, <?.g.V:f4E^^M:-/.t *v %^%%t ■^z * ft»^ ' ^omm^ei^ Fkfäjjfa M£LW' - 'br&täk ^mEham§ tftä$&:*täJLjL ^x.\J>—~—rrz±rzfzr^E Die Tischkarte des Article Club vom 20. November 1901. als im vorhergehenden Jahre, bei einem erhöhten Tonnengehalt von fast 100 000. Und der beste Beweis, dass England in diesen Gewässern zurückgeht, liegt in der Abnahme seiner Schiffahrt um 27 Schiffe und über 11000 Tonnen, während jede andere Macht die ihrigen erhöhte. Deutschland verdoppelte die Anzahl seiner Schiffe, verkaufte um 4.5 Percent mehr und kaufte um 20 Percent mehr, während seine Linie, die deutsche Levante-Linie, bessere Geschäfte gemacht hat als die neue italienische Linie, und zwar mit dem Wein, welcher nach Deutschland von der jüdischen Colonie Rischon-Ie-Zion, deren Hauptdepot sich in Hamburg befindet, exportiert wurde. In der That, obwohl die wirklichen Beziehungen mit Frankreich durchwegs die wichtigsten sind, obwohl die Schiffe der Messageries den grössten Tonnengehalt von allen, welche die Küste befahren, besitzen, und Frankreich in Syrien Interessen hat, ist es Deutschland, welches jetzt seinen Weg am ausdrücklichsten im heiligen Lande bahnt. Man wird sich erinnern, dass der Kaiser selbst ein Pilger war. Eine neue deutsche Bank, die Deutsche Palästina-Bank, wurde vor kurzem zu Jaffa errichtet und hat sich viele Kunden erworben dadurch, dass sie die Geschäftsbeziehungen mehr erleichterte als irgend eine andere dortige Bank. Die Deutschen haben auch Oelmaschinen zur Bewässerung eingeführt. Aber die britischen Maschinen werden jetzt mehr verlangt. In anderer Hinsicht aber scheint England seine Gelegenheiten und künftigen politischen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Es gibt deutsche Weinansiedelungen zu Jaffa, Sarona, Jerusalem und Haifa. Es ist indessen zweifehaft, ob, ungeachtet des Optimismus der Consuln und der goldenen Medaille der jüdischen Colonien, Palästina eine Zukunft als Weinland hat. Die Concurrenz ist zu gross. Es könnte sich rentieren, Kosinen zu producieren, worin es selbst Californien fast ebenbürtig wäre. Die Araber selbst consumieren grosse Mengen von Rosinen. Jüngst wurde in den jüdischen Colonien der Versuch mit Tabak unter Beihilfe eines Experten gemacht, welcher im Kleinen beginnend, sehr erfolgreiche Resultate erzielte, 'indem die Pflanzer damit zwanzigmal mehr verdienten als durch den Anbau von Getreide. Sollte die Entwicklung anhalten, so werden Fabriken errichtet werden, und die von Armut betroffene Bevölkerung von Saffed würde bei dem Sortieren, Manipulieren und Gähren des Tabaks Beschäftigung finden» Viele ähnliche Entwicklungen sind möglich,