Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 44 (1.11.1901)
- Article
- Die Palästina-Bibliographie des "Vereines für technische Studien in Syrien und Palästina"
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die # Welt" Nr. 44 Beschreibung einer Quadratmeile irgendeines Landes verwendet wurden. Wenn man die so ausgerechneten Zahlen, ihrer Höhe nach geordnetem einer Tabelle zusammenfassen wollte, so würde es sich ergeben, dass das kleine Land Palästina den Eecord gesehlagen hat, und dass es das in der Tabelle nachfolgende Land zehn-, wenn nicht hundertfach übertrifft. Abgesehen von der Epigraphik, welche den wechselvollen Schicksalen des Landes entsprechend sehr reich ist und bezüglich deren das „Saxa loquuntur" seine vollste Richtigkeit bewahrt, bilden unzählige Pilger-Beschreibungen in allen möglichen Sprachen, mit dem Bericht aus dem Jahre 300 unserer Aera beginnend und bis zu unseren Tagen reichend, einen ansehnlichen Theil der Palästina-Literatur. Für reelle Zwecke der wirtschaftlichen Erschliessung des Landes, der Realisierung des politischen Zionismus, wozu, die Jüdische Colonialbank als finanzielles Instrument dienen soll, bietet das Haupt-Interesse die miturwissenschaft- 1 ieh-wirt schaf tl iche und politisch-diplomatisehe Literatur des 19. Jahrhunderts, in dem die Nationalitätenfrage auch in Bezug auf Palästina zu ihrem Rechte gelangt ist, und eine auf alle denkbaren Gebiete sich erstreckende wissenschaftliche Erkundung Palästinas betrieben * wurde. Es sind auch nicht zu übersehen einerseits die Werke, welche die völkerrechtlich hervorragende Frage der Heiligen Stätten, der Religionsgemeinschaften, der Consular-Gerichtsbarkeit betreffen, andererseits die zahlreichen in hebräischer Sprache abgefassten Berichte über die Pilger-Reisen, welche den Zeitraum vom 12. Jahrhundert bis zu unserer Zeit ausfüllen. Während die ersten uns ein Thatsachen- Material für diplomatische Unterhandlungen, zur zweckentsprechenden Regelung und zeitgemässen Modifieierung der bisherigen internationalen Vereinbarungen bieten, erheischen die anderen eine genaue Sichtung von competenter zionistischer Seite, damit vielleicht nach dem Vorgange der „Societe de FOrient Jatin" oder der „Pilgrims texts societya Originale und Uebersetzungen aus rein wissenschaftlichem Interesse, womöglich mit zeitgemässen Betrachtungen zu Propagandazwecken, herausgegeben werden. Natürlich sind auch die neuen belletristischen Reiseschilderungen und Pilgerbeschreibimgen,, die Ansichten-Albuins, die wichtigeren Schriften über die Geschichte des Landes, über die hervorragenden archäologischen Funde in richtiger Auswahl im Interesse leichter Orientierung über die Literatur bibliographisch aufzunehmen. Die auf die vorerwähnten Gebiete sich erstreckende Bibliographie wäre systematisch vom sachlichen Standpunkte zu gruppieren und zwar so, dass in jeder Gruppe die chronologische Reihenfolge gewahrt bliebe. Dadurch würde mn Einblick in alle Zweige der Palästinakunde, in die mit der Zeit wachsende Zahl der auf Palästina bezüglichen wissenschaftlichen Probleme gewährt werden. Mine so systemisiertc und chronologisch geordnete Zusammenstellung würde einem jeden ermöglichen, das ihn speciell Interessierende übersichtlich znsammengefasst zu finden. Wir wollen das Gesagte durch mehrere Beispiele klarlegen. In. der Gruppe „Technik — Allgemeines" findet der Techniker das Werk „Die Geschichte der Ingenieur-Technik im Alterthum" von Ingenieur Merkel, wo das ganze alte technische Palästina, Phönizien und Syrien unter Berufung auf einschlägige Literatur behandelt ist, und unserem Techniker werden sich gewiss auf Grund der Leetüre dieses Werkes die grossartigen Perspectiven eröffnen, die sich ans den Aufgaben ergeben, die zu lösen sind, wenn auch nur das im Alterthum auf technischem Gebiete in Palästina Erreichte reeonstruiert werden soll. Der Bauingenieur wird mit Staunen lesen, welch gewaltige Literatur in Bezug auf die künstlichen Wasserstrassen existiert. Wie, um einiges herauszugreifen: die Herstellung eines europäisch-indischen Canals zwischen dem Mittelländischen Meere und der Persischen Golf, die Durchführung einer Oanaiverbindung quer durch Palästina zwischen dem Mittelländischen und dem Kothen Meere, die 'Verwandlung des Jordanthaies in eine Binnensee, die Canalisierung des Jordans, die Benützung des Todten Meeres als einer Route nach Indien usw. Der'Eisenhahnbauer wird auf zahlreiche Schriften verwiesen, in welchen schon sei t dem Jahre 1838 Pläne zur Herstellung einer directen Eisenbahn-Verbindung zwischen Europa und Indien über Syrien entworfen worden sind. Ueberhaupt bilden die im letzten Jahrzehnt ausgeführten Eisenbahn- Linien in Syrien und Palästina nur einen geringen Theil -der seit den Fünfziger jähren auftauchenden Eisenbahn- Projecte; der weitaus grössere Theil harrt noch der Realisierung. Der Agronom und der Cultur-Techniker werden den in der Bibliographie angeführten meteorologischen und klimatologischen Aufzeichnungen und den Forschungen über das Klima und die Pluviometrie Palästinas im Laufe der Jahrhunderte, den Schriften über die Irrigationsmittel und -Arten einst und jetzt usw., sicherlich manche Unterlage für ihre Arbeitspläne entnehmen. Der Geologe, Bergingenieur und Chemiker werden auf die reichhaltige Literatur über die Geologie des ganzen Landes, der einzelnen Gebiete, wie auch die zahlreichen Monographien über die einzelnen Mineralsehätze, ihre technische Verwendbarkeit und chemische Zusammensetzung verwiesen. Der Kaufmann erfährt aus der Bibliographie, dass ebenso die Handelsgeschichte der Juden und hauptsächlich der Phönizier im Alterthum, wie auch der blühende Levante-Handel im Mittelalter, erschöpfend bearbeitet sind in Schriften, deren Leetüre seinen Blick für die durch die Verwirklichung des politischen Zionismus bevorstehende sicherlich glänzende commerzielle Zukunft Palästinas schärfen kann. Der Colonial-Politiker und der Social-Philosoph werden durch eine ununterbrochene Reihe von Schriften, vom Jahre 1819 anfangend, die die Wiedergewinnung Palästinas zu Colonisationszwecken, die Arten der Colonisation, die Geschichte der Colonisation etc. betreffen, zu einem ebenso fruchtbaren wie praktischen zeitgemässen Studium angeregt werden. Last not least: ein jeder Zionist ■wird überrascht sein, zu erfahren, dass die Bildung einer jüdischen „Chartered Company" für Palästina schon im Jahre 1875 von dem aus dem jetzigen Transvaalkriege weltbekannten englischen General Sir Charles Warren eingehendgehend in seiner Schrift „The land of Promise orTurkeys Guarantee" behandelt wurde, wobei dieSchrift wohl viel mehr in cnglisch-hochkirehliehen Kreisen als im Kreise unserer Zionisten bekannt geblieben ist. (!) Wein ist es bekannt, dass Herr Neil, welcher Palästina-Bilder auf dem vierten Congresse mittelst Skioptikons vorgeführt hat, ein Autor mehrerer Werke über Palästina ist und in einem derselben, im Jahre 187(5 geschriebenen und jetzt in dreizehnter Auflage erschienenem „Palestine re-peopledu (das wiederbevölkerte Palästina) seine These theilweise durch mystische, theilweise aber durch recht praktische, den Zionisten durchwegs unbekannteErwägungen zu beweisen sucht. Die Bibliographie muss jeden angeführten Titel und zugleich die darauf bezüglichen Recensionen bibliographisch aufnehmen. Dadurch wird jedermann in den Stand gesetzt, sich vor dem Ankaufe eines Buches Klarheit über den Inhalt desselben zu verschaffen. Es steht heute bestimmt zu erwarten, dass die erste Auflage unserer so zusammengestellten Bibliographie die competenten Gesinnungsgenossen zur Yertheilung des literarischen Materials unter sich, zwecks Recensierung desselben, führen wird, wobei die von zionistischer Seife ausgehenden Reeensionen ihrem vollen Inhalte nach in der zweiten, verbesserten und vervollständigten. Ausgabe der Bibliographie ihre Aufnahme finden werden. Pnsere Bibliographie muss für eine internationale Circulation berechnet werden. Daher wäre es angezeigt, die systematischen üeberschriften in alle Sprachen, in welchen der Zionismus propagiert wird, also deutsch, hebräisch,