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Die Welt · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Article
Die Weinfrage und die Rebencultur in Palästina
Date
1901-08-16
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 „Die £ Welt60 Seite 5 Fleiss könnten fast unsere sämmtlichen Gebirge dieselbenWunder hervorbringen. Wir sind ja nicht auf die Rebe allein beschränkt. Ohne dass man darauf besonders achtet, exportiert Salt, dieser winzige Theil des enterbten Palästina, schon jetzt 4 bis 5 Millionen Kilogramm Rosinen, während ganz Galifornien, dieses Schlaraffenland, das seine wunderbaren Weinberge mit ihren fabelhaften Erträgen mit so viel Lärm in die Welt hinausschreit, nicht mehr als 40 Millionen Kilogramm Rosinen per Jahr exportiert, Nebenbei sei bemerkt, dass die Gesammtfläche von Palästina 29.000 □km beträgt, diejenige von Galifornien aber circa 403.000 □km. Allein dasselbe Schicksal, dem die Weinpfianzungen der Gebirge von Jerusalem und Hebron entgegengehen, muss auch diese Weinberge ereilen. Die P h y 11 oxera wird sich auch ihrer bemächtigen. Hier wird man wohl auch nicht so bald an eine Reconstitution schreiten, wenn es eben n i c ht d i e Juden t h u n w e r d e n. Man könnte es vielleicht für grausam halten, dass wir hier auf einen Vortheil rechnen, den wir aus dem Unglücke anderer ziehen können. Wie es aber häufig im Leben vorkommt, dass das Glück des einen auf dem Unglücke des anderen beruht, so dürften sich die Dinge auch hier gestalten, und uns handelt es sich nun darum, bei vergeblichen Sentimentalitäten nicht lange zu verweilen. Fassen wir die Frage noch einmal gut ins Auge und wir werden Folgendes herausfinden: Es gibt in Palästina eine kleine prosperierende Gegend, welche jährlich für fast 1 Million Frcs. Rosinen liefert. Dieses Product hat schon seinen bestimmten Absatz, es besitzt eine Kundschaft, welche damit zu rechnen pflegt. Nun aber muss diese Production sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, zuerst vermindern, um dann vollkommen aufzuhören, und zwar in ziemlich kurzer Zeit. An uns ist es jetzt, diese Quelle des Reichwimms nicht versiegen zu lassen. R.econstituieren wir beizeiten, während die anderen noch nicht daran denken, und diese Production wird gar nicht aufhören. Palästina wird auch ferner R.osinen exportieren, n u r werden es unsere Rosinen sei n. Es scheint aber nicht, dass wir uns mit einer Production von 4—5 Millionen Kilogramm Rosinen begnügen müssen. Eine viel grössere Menge würde wahrscheinlich noch auf dem Weltmarkte Absatz finden können, abgesehen davon, dass mit einer Colonisation en gros sich die Production nicht allein von diesem Artikel vergrössern wird, da wir die Zahl der'Consumenten an Ort und Stelle vermehrt haben wrerden. Wir haben nun gesehen, dass sich der Reinertrag der Weinpflanzungen im Gebirge von Jerusalem und Hebron auf 500 Frcs. per Hektar beziffern kann, dass in« Salt, wo der Productionsort vom Verbrauchs-, respective Ausfuhrorte viel weiter entfernt ist, der Reingewinn zwischen 300—480 Frcs. per Hektar schwankt. Das sind die Einnahmen, die man bei der wenig geschulten extensiven Gultur der Araber zu erreichen pflegt. Was bringt uns nun in unseren Colonien ein Hektar Weinberg an Ertrag, ein Weinberg, dessen Rebe, wie überhaupt der' ganze Anblick an den Süden von Frankreich oder an Mecloc erinnert?! Die Unterhaltungskosten eines Hektars Weinpflanzung betragen in unseren Colonien durchschnittlich ^00—°250 Frcs., worin die Kosten der Hut und der Traubenlese mit inbegriffen sind. Der durchschnittliche Ertrag ist 25 Kantar per Hektar, wobei er bei den feineren Sorten auf 20 Kantar sinkt, während er bei den ordinären Sorten bis auf 30 zu steigen pflegt. Die Preise, die dieses Jahr von den Kellereien der Ica offeriert werden, sind )i0—34 Frcs. per Kantar für die ersteren und 15—17 Frcs. per Kantar für die letzteren Sorten. Eei einer Production von 20 Kantar Trauben per Hektar zum Preise von 80 Frcs. (34 Frcs. wird für die Sorte Gabernet-Sauvign o n und F ranc gezahlt, die aber sehr selten 20 Kantar per Hektar liefern, es vielmehr bloss auf 12—15 Kantar bringen) erhalten wir einen Bruttoertrag von 600 Frcs., während sich bei 30 Kantar vom Hektar zum Preise von 15 Frcs. ein Bruttogewinn von 450 Frcs. ergibt. Nach Abzug der Unterhaltungskosten in der Höhe von 200 bis 250 Frcs, per Hektar verbleibt ein Reinertrag von 350—400 Frcs. im ersten und ein solcher von 200 bis 250 Frc?. im zweiten Falle. Also sind schon die Einnahmen bei den ordinären Sorten geringer, als die bei der arabischen Rebencultur. Aber noch mehr: Die angegebenen Werte bleiben richtig nur für die Golonicn von Rischon-Lezion und Zichon-Jacob, welche die Kellereien an Ort und Stelle besitzen. Dagegen hat der grösste Theil der weinbauenden Colonien, und zwar R e c h o b o t h, W a d i G h a n i n, K at t r a, P e f h a c h- T i k vv a Ii und G h e d e r a h noch mit den Ausgaben für den Transport zu rechnen, welche sich auf ciica 4 Frcs. per Kantar belaufen. Für diese Colonien bleibt also der Reinertrag per Hektar gleich 270—320 Frcs. für die besseren Sorten (20 Kantar ä 4 Frcs. per Hektar für Transport in Abzug gebracht) und 80-—130 Frcs. für die ordinären (Transportspesen von 30 Kantar ä 4 Frcs). Es ist nicht zu übersehen, dass von diesen wirklich kläglichen Erträgen (ein (Kolonist besitzt ja nicht mehr als 5—6 Hektar Weinberge) noch die Regierungsabgaben, mit dem Zehnten an der Spitze, abzuziehen sind. Diese Zahlen sprechen deutlich. Um wieviel vorteilhafter wäre es, wenn man diese so wenig einträglichen Trauben in Rosinen umwandeln würde, falls es sich eben anstellen Hesse. Nun sind aber unglücklicherweise die bis jetzt in unseren Colonien cultivierten Sorten eben "Weinsorten und scheinen wenig zur Rosinenfabrication geeignet zu sein. Indes ist ein entsprechender Versuch der Mühe wert. Wir haben gesehen, dass man zur Production von 1 Kantar Rosinen 4 Kantar frische Trauben nöthig hat. Die Piosinen werden zum Preise von 50—00 Frcs. ab Salt verkauft. Wenn wir den letzteren Preis in unseren Colonien K a 11 r a, C h e d e r a h u. s. w. erhalten könnten, so würde sich 1 Kantar Trauben mit 15 Frcs. loco bewerten, und es würden per Kantar 4 Frcs. an Transportspesen erspart und ein Mehrgewinn von 120 Frcs. per Hektar (30 Kantar ä 4 Frcs.) erzielt werden. Für die Fabrikationskosten der Rosinen rechnen wir nichts, da sie sehr gering sind und sich durch die Differenz zwischen den Transportkosten der Rosinen von Salt nach Jaffa und denen von Kaltra, Ghedera etc. nach Jaffa reichlich decken lassen. Betragen doch die Kosten des Transportes von Salt nach Jaffa 15—c2() Frcs. per Kantar und von unseren Colonien nach Jaffa nicht mehr als 4—5 Frcs. Wir könnten also in diesem Falie den Reinertrag um 1^0 Frcs. per Hektar vergrössern und zugleich würde eine theitweise Fabrication von Rosinen die in den Kellereien abgegebene Menge von Trauben vermindern und auf diese Weise eine Ueberfüllung derselben mit Wein zum Theil verhindern können. , Wir glauben nun, durch das Vorhergegangen e bewiesen zu haben, dass die palästinische Rebencultur in Zukunft sich mehr der Production von Rosinen zuwenden rans s.

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