Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 33 (16.8.1901)
- Article
- Die Weinfrage und die Rebencultur in Palästina
- Date
- 1901-08-16
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr. 33 sagen die Araber von Salt. Und im zwölften Monate? „Da kann man ja von den Abfällen der Rosinenfabrication leben!" Hauptsächlich wird eine weisse Traube gepflanzt; die schwarze liefert eine Rosine von geringerem Werte. Die Fabrication der Rosinen geschieht hier nach einem von dem üblichen etwas abweichenden Vorgange. In einigen Ländern, besonders in Spanien, begnügt man sich einfach mit der Ausbreitung der reifen Trauben auf trockene Erde, die zur Sonne gut exponiert ist. Dieser Vorgang wird zum Theil auch in Djebel el-Kuds und Djebel el-Halil angewendet. In dem grössien Theil der Productionsländer wird eine Lauge aus Kali oder Asche zu einem vorherigen Eintauchen der Trauben gebraucht. Das letztere ist auch in Es-Salt der Fall. Um die zur Herstellung der Lauge nothwendige Asche zu erhalten, beschäftigen sich die arabischen Frauen mit der Vertilgung des „Butum", einer Terebinthacee, der Pistacia lentiscus oder terebinthus, welche auf den Bergabhäugen der Umgebung von Salt, sowie in Palästina überhaupt in grossen Mengen anzutreffen ist. Die örtliche Routfne lehrt, dass man nur mit der Asche des Butum die besten Rosinen erhält; vielleicht beruht diese Wirkung auf einem viel reicheren Gehalt dieser Pflanze an Kali, Avas erst durch eine genaue Analyse zu ermitteln wäre. Ueberall, wo man eine Kali- oder Aschenlauge verwendet, wird sie durch Aufkochen des Kali oder der Asche in Wasser erhalten, und die Trauben werden eingetaucht, während die Lauge noch heiss ist. Dieses Verfahren wird in Kleinasien, dem Lande der Rosinenproduction en gros, angewendet. Das Charakteristische für Salt ist, dass dort die Asche in grossen Krügen mit breitem Munde drei Tage hindurch mit einem gleichen Volumen Wasser gelöst wird. In die so hergestellte Lauge werden die Trauben eingetaucht und sofort herausgenommen, um auf den reingefegten, mit Lehm bestrichenen Boden im Weinberge selbst ausgebreitet zu werden. Nach 15—20 Tagen sind die Trauben ausreichend getrocknet. Nun werden die Rosinen von den Kämmen getrennt und es wird die Auslese vorgenommen. Die grossen Trauben bilden die gewöhnliche Sorte, die kleinen mit nicht entwickelten Kernen dagegen sind sehr gesucht und geben eine besondere Sorte ab, die B'nat-Scham („Töchter von Damaskus"), deren Preis 0.50 Frcs. per Kilo beträgt. Diese letztere Sorte könnte mit der ordinären Sorte der Sultanine von Smyrna verglichen werden. Wir befinden uns in derselben Verlegenheit, wie wir bei der Bestimmung der Gesammtfläche der Weinberge waren, wenn wir zur Betrachtung der Erträge per Hektar übergehen wollen. Der Araber berechnet niemals seinen Ertrag per Flächeneinheil. Häufig vergisst er auch die einzelnen Summen des Ertrages für eine gegebene Fläche zu addieren. Auf eine Anfrage, den Ertrag vom Felde oder Weinberge betreffend, erwidert Ihnen der Araber unbedingt: „Barakeh", Segen. Dieser Segen kann häufig so gering ausfallen, d;ss er nicht einmal die Ausgabe für Samen und Bearbeitung deckt. Es bleibt aber immer „B a r ak eh, B arak a t Allah" (Segen, Gottessegen), Die Flächeneinheit ist hier nicht die officielle Masseinheit, der Dulam, sondern das „Ackern eines Tages", das heisst, die von einem Manne in einem Tage mit einem Ochsenpfluge aufgeackerte Fläche. Man versteht, wie verschieden gross diese Fl? che sein kann, da sie von der Kraft des Gespannes, sowie davon abhängig ist, ab man aufzuteilen Abhängen oder in Timlern, auf weichem oder steinigem Grunde pflügt. Die Rebstöcke werden hier in einer Entfernung von 6—8 Metern zwischen den Linien, bei einem gegenseitigen Abstände von 1—1*50 Metern in der Linie selbst, gepflanzt. Das ergibt eine Zahl von circa 1000 Stöcken per Hektar. Infolge der grossen Fläche, die jedem Stocke zur Verfügung gestellt ist, entwickelt er sich sehr stark und liefert grosse Mengen von Trauben. Man sieht Stöcke, die bis zu zwei Kisten, das ist circa 50 kg, liefern. Häufiger ist eine Production von circa 25 kg per Stock, für unsere Berechnungen aber können wir einen mittleren Ertrag von 10—11kg per Stock annehmen, was einem Ertrage von 10.000 bis 11.000 kg frischer Trauben per Hektar entspricht. Da zur Herstellung von 1 kg Rosinen 4—5 kg Trauben nothwendig sind, so können wir den Ertrag an Rosinen schätzungsweise mit' 2000—2500 kg vom Hektar ansetzen. Die Gewichtseinheit von 256 kg, das Kantar, wird durchschnittlich zu einem Preise von 50—G0 Frcs. verkauft; das entspricht also einem Bruttoertrage von 400—600 Francs per Hektar. Nach Abzug des Viertels für den Theilpächter verbleibt noch immer ein Reinertrag von 300—450 Frcs. per Hektar. Der Ge=ammtwert der Production von Salt für das Jahr 1899 erreichte die Höhe von 30.000. türkischen Pfunden, das ist annähernd 700.000 Frcs., eine Ziffer, welche von den vier am meisten betheiligten Käufern des Productes von Salt aufgestellt wurde. Dabei wurde weder dem örtlichen Verbrauche der Trauben und „Dibs" (eine Art Traubenmus, welches durch längeres Kochen der Trauben gewonnen wird und den Arabern den AVinter h-ndurch als Nahrung, zum Theile auch zum Verkaufe dient), noch dem Verkaufe von frischen Trauben und Rosinen, die in kleineren Mengen auf den örtlichen Märkten abgesetzt werden, Rechnung getragen. Die Communication von Salt mit Jaffa, dem Exporthafen, ist sehr langwierig. Die, Ware wird auf Maulthieren von Salt nach Nabulus und von dort nach Jaffa befördert, oder auch von Salt nach Jerusalem und von da ab mit der Eisenbahn nach Jaffa. Jedes Kantar Rosinen wird also, bevor es in Jaffa anlangt, mit 15—20 Frcs. Transportspesen belastet, abgesehen von den Verlusten, welche durch eine so weite Fahrt auf schlechten Wegen veiursacht werden. Hierdurch stellt sich ein Kantar Rosinen von Salt auf 65—80 Frcs. loco Jaffa. Bei diesen Preisen ündet dieses Product noch Exporteure. Wie wir schon früher auseinandergesetzt haben, gibt es in Salt über 2000 Hektar ertragliefernde Weinberge. Bei einem Ertrage von 2000—3000 kg Rosinen per" Hektar haben wir es mit einer Ziffer von 4 bis 5 Millionen Kilogramm exporti ahigerWare aus dieser einen Gegend zu thun. Diese, beredte Ziffer lässt sehr viel Gutes für die landwirtschaftliche und ökonomische Zukunft Palästinas hoffen. Das Gebirge von Salt zeichnet sich nicht durch eine besondere Fruchtbarkeit aus. Wenn es sich allein überlassen bliebe, so würde es von einer wilden Vegetation überwuchert sein, die, in ihrer Entwicklung durch Herden von Ziegen unaufhörlich gestört, dem Gebirge denselben verödeten Anblick verleihen würde, durch den die G ebirge von Samaria oder Galiläa gekennzeichnet sind. Diese Tausende von Hektaren würden nicht einmal einen hundertsten Theil der gegenwärtigen Einnahmen liefern können. Nun aber, durch den einfachen Fleiss des sonst nicht besonders fleissigen Arabers, sind diese Berge in reiche Pflanzungen umgewandelt, eine Gegend zum Wohlstand gebracht worden, die sonst öde und unproduetiv geblieben wäre. M it etwas