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Die Welt · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Article
Die Weinfrage und die Rebencultur in Palästina
Date
1901-08-16
Page
6 (sequence 4)
Language
German
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Seite 6 Welt* JSr. 33 Abgesehen von ökonomischen Gründen, scheint diese Production infolge der klimatischen Bedingungen unseres Landes angezeigt zu sein. Es ist bekannt, dass die besten Weine in den gemässigten Zonen produeiert werden; die feinsten Marken kommen von Deutschland oder vom centralen Theile Frankreichs und nicht vom südlichen Frankreich oder von Italien, noch weniger von Algerien. Wir glauben sogar behaupten zu dürfen, dass die Fabricationszone für den Wein in der Welt ausgedehnter ist, als diejenige für Rosinen. Was nun die Varietäten betrifft, denen man sich zuwenden soll, das Erzeugungsverfahren, die Wege und Mittel zur raschesten und billigsten Umwandlung unserer Weinberge, so sind alle diese Fragen schon mehr technischer Natur und gehören nicht in den Rahmen dieses Blattes. Wir bemerken nebenbei, wie es einer von uns schon vorher in einem unlängst in der „Welt41 erschienenen Artikel gethan hat, dass es leider noch kein specielles jüdisches Organ gibt, welches die ökonomisch-technischen Probleme, die uns Palästina darbietet, behandeln würde. Eine eingehende Untersuchung dieses Gegenstandes wäre sehr erwünscht. Jedenfalls sind wir überzeugt, dass man ein Recht hat, die Fabrication von Rosinen zu empfehlen und die Hoffnung auf bessere Tage in die Herzen unserer Colonisten einziehen zu lassen, eine Hoffnung, die diesmal auf praktisc hen Forschungsresullaten und nicht mehr auf phantastischen Calcülen aufgebaut ist. Z ichron-J ac ob, den 25. Juli 1901. Skizzen aus dem Leben der russischen Juden. Von Jacob Schorr. IX*). Wenden wir uns nun der Besprechung des jüdischen Volksschulwesens in Russland zu. Wir kennen in Russland folgende jüdische Elementarschultypen : Chadarim, Talmud-Thora-Schulen, ferner Privatschulen, die denselben Lehrplan haben, wie die staatlichen Volksschulen, Gemeindeschulen mit eben demselben Programm, Gewerbeschulen, endlich auch eine sehr geringe Zahl öffentlicher, seinerzeit von der Regierung gegründeter, jedoch speeifisch jüdischer Elementarschulen. Gesetzlich stehen nun .der Aufnahme von Juden in die Elementarschulen keinerlei Hindernisse im Wege; allein die Schulbehörden machen die Beschränkungen, welche für die Mittelschulen bestehen, ganz straflos und unwiderruflich auch für die Elementarschulen geltend, und mit jeder Nummer der russisch-jüdischen Zeitschriften kommen aus den jüdischen Ghettoprovinzen Klagerufe von jüdischen Eltern, die ihren Kindern wenigstens den Elementarunterreicht ertheilen möchten, denen aber keine Möglichkeit dazu geboten wird, da in den staatlichen und communalen Volksschulen bald lO'Vo Juden, bald gar keine jüdische Schüler aufgenommen werden. Es bleiben also nur noch die speeifisch jüdischen Schulen. Ihre Zahl ist jedoch eine so geringe, dass sie gar nicht in Betracht kommen können; ausserdem ist der Lehrplan sehr mangelhaft und insbesondere in Bezug auf jüdische Gegenstände durchaus unbefriedigend. Die private und gesellschaftliche Initiative, die unter solchen Umständen an die Stelle der staatlichen und communalen Fürsorge treten sollte, lässt sehr viel zu wünschen übrig, und die Zahl der jüdischen Kinder, die gar keinen Vollcsschulunterricht geniessen, ist darum eine ungeheuer grosse. *) VergL Nr. 25, 26, 27, 28,29,30,31 und 32 der „Welt". Ein russischer Arzt, der während derHungersnothimAnsiedlungsgebiete beruflich thätig war, erzählt in einer Schilderung desLebens dieser Juden, dass die meisten Juden, mit denen er während seiner Thätigkeit in Berührung trat, ihren Namen weder in russischer, noch in jüdischer Schrift niederschreiben konnten. Ebenso übel wie mit dem Elementarunterricht der Knaben ist es auch mit dem der Mädchen bestellt. InB i a ly s t o k sind für 3U00 jüdische Mädchen nur fünf Schulen vorhanden. Die Zahl der schulbedürftigen Mädchen im Gouvernement Wilna ist eine so grosse und die Zahl der Mädchenschulen eine so geringe, dass in den Privatschulen, deren jede mehr als 200 Schülerinnen hat, unzähligen Bewerberinnen die Aufnahme verweigert werden muss — aus Raummangel. Wir müssten ganze Spalten mit Namen russischer Städte und Ortschaften füllen, wenn wir bloss die crassesten Thatsachen zur Illustrierung dieser schrecklichen geistigen Hungersnoth aufzählen wollten. Es gab eine Zeit, in der Privatschulen sehr häufig eröffnet wurden, das heisst Leute, die ein Lehrerdiplom, also die nöthige Qualification zur Eröffnung einer Volksschule besassen, pflegten die Schulen auf ihr eigenes Risico zu gründen. Allein bei allem Ernst und Fieiss, bei aller Liebe zur Sache, die die meisten Gründer und Eigenthümer dieser Schulen bekundeten, hat es sich doch als unbestreitbare Thatsache herausgestellt, dass die Privatschulen in den allermeisten Fällen die wünschenswerte Höhe nicht frreichen können. Die materiellen Schwierigkeiten, mit denen fast alle diese Schulen zu kämpfen haben, sind der Grund für diese betrübende Erscheinung. Der „Woskhod" bringt hierzu folgende Illustrationen: In Borisowo hat die Privatschule 23 Schüler, von denen 12 kein Schulgeld entrichten. Die Summe der Einnahmen beträgt in dieser Schule 220 Rubel, ihre Ausgaben machen 330 Rubel aus. Die fehlenden 110 Rubel werden vom „Vereine zur Verbreitung der Bildung" vorgeschossen; dem Eigenthümer, der zugleich Leiter und Lehrer dieser Schule ist, bleibt also nichts und er muss sich die Mittel seiner Existenz durch Ertheilung von privatem Unterricht verschaffen. In Ljady bleiben dem Leiter der Privatschule jährlich 210 Rubel, wofür er täglich 7 Stunden in der Schule unterrichten muss. Es ist leicht begreiflich, dass unter diesen Umständen nicht nur an keine Vervollkommung des Schulunterrichtes gedacht werden kann, sondern nicht einmal die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Die Schulbehörden sind aber in dieser Beziehung sehr streng, und schon die kleinste Abweichung von diesen Vorschriften führt zur Zurückziehung der Bewilligung. Deshalb gehen diese Schulen ebenso rasch zugrunde, wie sie gegründet werden. Von den Chadarim ist nicht viel zu reden. In diesen Blättern ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, dass das Cheder in seiner gegenwärtigen Gestalt durchaus seinen Zweck verfehlt und die Schüler körperlich und geistig zugrunde richtet. Wem ist aber anderseits auch die unglückselige Lage des Ghetto-Melameds unbekannt, eine Lage, bei der man eben vom Melamed keine besseren Leistungen verlangen kann. Herr M. K r e i n i n aus Moskau, der sich speciell für das Chederwesen interessiert und über diese Frage oft in der „Budustschnostj<; und im „Woskhod" referiert, stellt es als eine ganz gewöhnliche Erscheinung hin, dass ein Melamed bei einem Lohn von 75—100 Rubel pro Semester 25—30 Knaben 10 Stundendes Tages und noch länger unterrichten muss. Und doch wird der Chedertypus jetzt von vielen für die einzig zweckmässige jüdische Elementarschule angesehen, allerdings unter der Voraussetzung seiner vollständigen Reorganisation. Das Cheder ist eben die einzige Schule, in der auf den Unterricht in den jüdischen Gegenständen grosses Gewicht gelegt wird und gelegt werden

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