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Die Welt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Article
Die vierte Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten
Date
1901-07-05
Page
6 (sequence 4)
Language
German
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Seite 6 „Die s£ Welt* Nr. 27 Mr. Morrison spricht die Convention den Herausgebern und Mitarbeitern der Encyklopädie ihre Anerkennung aus für das grossartige Werk, das sie geschaffen. Mr. Leon Zolottkoff referiert sodann im Namen des Comit£s, das über die Anregungen des Rechenschaftsberichtes zu berathschlagen hatte. Er schlägt vor, den „Orden der Ritter von Zion" (Knights of Zion) in Chicago als Subfederation für sieben der westlichen Staaten anzuerkennen. Des ferneren macht er den Vorschlag, dass ein Erziehungsrath von der Federation ernannt werde, der allen Angelegenheiten, die die nationale Kindererziehung betreffen, sein erstes Augenmerk zuzuwenden hätte. Als allererste Aufgabe des zu schaffenden Erziehungsrathes bezeichnet er die Ausfindung der besten Methode für den Unterricht der hebräischen Sprache. Beide Anträge wurden angenommen. Rev. Dr. Stephan S. W i s e, der Obmann des Comites, das von der Convention eingesetzt wurde, um die Möglichkeit der Etablierung eines zionistischen Journales in den Vereinigten Staaten in Erwägung zu ziehen, macht die Mittheilung, dass das Comitö nach reiflicher Erwägung beschlossen hat, der Convention die Begründung eines monatlichen Journales in englischer Sprache und im Jargon auf folgender Grundlage zu empfehlen: 1. Die „Federation" hat für das Blatt einen jährlichen Beitrag von 500 Dollars zu leisten. 2. Jeder der „Federation" angehörige Verein hat für das Blatt einen Jahresbeitrag von 5 Dollars zu leisten, wofür er fünf Exemplare des Blattes gratis erhält. 3. Die Redaction des Blattes wird vom Executiv-Comite* der „Federation" besorgt. Die Convention erklärt sich darauf für die Begründung eines Monatsblattes auf der von Dr. Wise vorgeschlagenen Basis. Der Obmann des Resolutions-Comites, Rev. H. S. Morris, bringt sodann folgende Resolutionsanträge ein, die sämmtlich angenommen, werden: 1. Es sei die Begründung von Localverbänden in allen denjenigen Städten vorzunehmen, wo mehrere zionistische Vereine existieren. 2. Die hebräische Sprache solle in allen Vereinen gepflegt und die jüdische Geschichte studiert werden. 3. Die Zionisten mögen nur Palästina-Esrogim benützen und es als ihre Pflicht betrachten, allerorten für solche zu agitieren. 4. Wanderredner sollen nach Möglichkeit anch allen jüdischen Gemeinden des Landes entsendet werden. 5. Als ihre Hauptaufgabe für das nächste Jahr haben die amerikanischen Zionisten die Einleitung einer grossangelegten Agitation für die Colonialbank zu betrachten. Damit hatten die Verhandlungen der Convention ihr Ende erreicht, und es blieb nur noch übrig, den Ort für die nächste Jahresversammlung zu bestimmen. Als solcher wurde Boston gewählt. Den Zeitpunkt für die Abhaltung desselben zu bestimmen, wurde der Leitung der „Federation" anheimgestellt. Nach einer warmen Schlussansprache Prof. Gott h eil s, und nachdem noch den zionistischen Vereinen Philadelphias für ihre Mühewaltung in der Vorbereitung der Convention und der allgemeinen, sowie jüdischen Presse des Landes für die Unterstützung, die sie der Sache des Zionismus geliehen hatten, der Dank der Versammlung ausgesprochen wTird, wurde die vierte Convention vom Vorsitzenden als geschlossen erklärt. Das Massenmeeting. Philadelphia, 16. Juni 1901. Zur Begrüssung der aus Nah und Fern zahlreich eingetroffenen Conventions-Delegierten hatten die Zionisten Philadelphias für heute abends ein Massenmeeting nach der Musical Fund Hall einberufen. Mehr als 3000 Personen hatten dem Rufe der Zionisten Philadelphias Folge geleistet, die die Halle, eine der grüssten Philadelphias, in allen ihren Räumen füllten. Auf der Tribüne waren Ehrenplätze für die Conventions - Delegierten reserviert, die sich fast vollzählig zu dem Massenmeeting eingefunden hatten. Den Vorsitz in dem Meeting führte Mr. D. W. Amram. In stimmungsvoller Weise wurde das Meeting durch hebräische Nationallieder eingeleitet, die von einem aus 150 jüdischen Schulkindern gebildeten Massenchor in meisterhafter Weise zum Vortrage gebracht wurden. Nach einem von Rev. Dr. S. Schaffer gesprochenen Gebete hielten sodann Rev. Dr. H. J1 i o w i c i, Rev. B. C. Ehrenreich und Rev. Dr. Stephen S. Wise englische Ansprachen an das Meeting und versetzten durch ihre ausgezeichneten Reden das Publicum in eine begeisterte Stimmung, die ihren Höhepunkt erreichte, als Morris Rosenfeld, der Poet des Ghettos, ein von ihm eigens für das Massenmeeting verfasstes prächtiges Gedicht vortrug. Stürmisch bejubelt wurden auch Rev. H. Masliansky und Rev. Josef S e f f, die an das Meeting Jargon-Ansprachen richteten. Mit der Absingung der Nationalhymne „My country" (Mein Vaterland) wurde die Versammlung, über deren grossartigen Verlauf auch Nichtzionisten in Worten höchster Anerkennung sprechen, geschlossen. * Zwei Briefe Dr. Herzls. Dr. Herzl hat anlässlich der Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten zwei Briefe an unsereGesinnungsgenossen in Amerika gerichtet, von denen der erste für die von der amerikanischen Federation herausgegebene Festschrift, der zweite für das neuzubegründende amerikanische Parteiorgan bestimmt war. Wir lassen die beiden Briefe nachstehend folgen: I. MR. MOSES KLEI N, Chairman of the Zionist Committee on Press & Literature 1404 Marschall Street, Philadelphia. Sehr geehrter Herr! Seit ich mich an der zionistischen Bewegung betheilige, hatten wir, neben dem sichtbaren Anwachsen unserer gesinnungsgenössischen Scharen, auch manchen unsichtbaren Erfolg. Wenn meine Thätigkeit einmal abgeschlossen vorliegen und man sehen wird, was ich für das jüdische Volk zu thun versuchte, dann wird mir ein gerechtes Urtheil es vielleicht anrechnen, dass ich oft mit Selbstverleugnung schwieg. Ich könnte mir manchen Angriff ersparen, manchen Gegner zuschanden machen, wenn ich mich zu unzeitgemässen Mittheilungen hätte hinreissen lassen. Möge mir Gott nur die Kraft geben, durchzuhalten, bis die zeigbaren Erfolge da sind — nicht meinetwegen, sondern der Sache wegen. Ist unser Ziel erreicht, woran ich unverbrüchlich glaube, so werden ohnehin alle Juden mit uns sein. Theodor Herzl. II. An die Zionisten Amerikas. Der freundlichen Aufforderung der Federation of American Zionists, für das neue Organ unserer Bewegung in den Vereinigten Staaten etwas zu schreiben, folge ich umso bereitwilliger, als ich unseren Freunden wirklich etwas zu sagen habe. Heute ist die zionistische Bewegung schon in der ganzen Welt verbreitet und, man kann sagen, acereditiert. Sie ist in ihrem Wesen erkannt, als die einzige, die wahre Lösung der Judenfrage. In der christlichen Welt herrscht darüber beinahe keine Meinungsverschiedenheit mehr, da es uns gelungen ist, darzuthun, dass die Besiedelung Palästinas mit Juden keine Verletzung der religiösen Empfindungen involvieren wiirde. Die heiligen Stätten derChristenheit werden immerdar ihren Charakter der „res sacra" behalten. Darum ist es auch vollkommen begreiflich, dass die Rückkehr der Juden gerade in den frömmsten christlichen Kreisen Sympathie, ja stellenweise sogar Begeisterung hervorrief. Man braucht nur die Kirchenblätter zu. lesen und die Kundgebungen der Geistlichkeit zu vernehmen, um sich davon zu überzeugen. Die Beitrittserklärungen aus Kreisen, die uns bis zum Londoner Zionistencongress fremd und kühl gegenüberstanden, mehren sich in der glücklichsten Weise. Leider lässt sich nicht dasselbe von Amerika sagen. Amerika mit seiner viel zahlreicheren jüdischen Einwohnerschaft, mit seinem, durch die tägliche Zuwanderung verzweifelnder Juden begründeten viel grösseren Interesse an der Lösung der Judenfrage, ist uns gleichwohl die entsprechende Betheiligung an der zionisti-

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